Full text: Das Saarrevier zwischen Reichsgründung und Kriegsende

Malstatt-Burbach entstandene Großstadt177 mit zentralörtlichen Funktionen aus, die 
in die benachbarten bayerischen, lothringischen und birkenfeldischen Gebiete hinein¬ 
wirkten. Dies möchte ich zum Abschluß veranschaulichen. 
Im Bereich der inneren Verwaltung blieb Trier bis zur Abtrennung der Saarkreise im 
Jahre 1920 der Sitz des für das Saarrevier zuständigen Regierungspräsidenten, aber 
einzelne Sonderverwaltungen, deren Geschäftsbereich über einen Landkreis hinaus¬ 
ging, saßen in Saarbrücken (Hochbauamt, Bauamt für Gerichtsneubauten, Wasser¬ 
bauamt, 2 Gewerbeinspektionen). Bei der reichseinheitlichen Neuordnung des 
Gerichtswesens war die Zuständigkeit des Landgerichtes Saarbrücken über die Kreise 
Saarbrücken, Saarlouis, Ottweiler und St. Wendel hinaus auf das oldenburgische 
Fürstentum Birkenfeld ausgedehnt worden.178 Die im Zuge der Neuorganisation der 
Verwaltung der preußischen Staatsbahnen in St. Johann 1895 errichtete Königliche 
Eisenbahndirektion verwaltete ein Netz, das von der pfalz-bayerischen Grenze bis 
nach Kirn an der Nahe, Hermeskeil im Hunsrück, Koblenz und Andernach reichte. 
Von den links der Saar gelegenen Bahnen unterstand ihr allerdings nur die Strecke 
Trier-Perl,179 die übrigen Bahnen gehörten zum Bereich der elsaß-lothringischen 
Bahnen, 
Deutlicher als im administrativen Bereich werden Sogwirkung oder Expansion im 
Bereich wirtschaftlicher und berufsständischer Interessenvertretungen. Hier wurde 
auch der Name gefunden für den neuen weiteren Bereich, der sich um das Saarrevier 
gruppierte: Südwestdeutsch. Zum ersten Mal begegnet dieser Begriff, als im Jahre 
1882 auf Betreiben Carl Ferdinand Stumms die Südwestliche Gruppe des Vereins 
deutscher Eisen- und Stahlindustrieller als Vertretung gemeinsamer Interessen der 
Eisenindustrie an der Saar, in Lothringen und der Westpfalz gegenüber Rhein und 
Ruhr gegründet wurde.180 Sie umfaßte den Regierungsbezirk Trier, Lothringen, 
Luxemburg, das Fürstentum Birkenfeld und die bayerischen Bezirksämter Homburg, 
St. Ingbert und Zweibrücken. Sie gab ein eigenes Organ heraus, das zunächst schlicht 
„Saarbrücker Gewerbeblatt für Industrie, Handel und Verkehr“ hieß, seit 1906 aber 
zu der „Südwestdeutschen Wirtschaftszeitung“ ausgebaut wurde, der die vom Arbeit¬ 
geberverband der Saarindustrie herausgegebene Wochenschrift „Südwestdeutsche 
Wirtschaftskorrespondenz“ und die beiden Schriftenreihen „Südwestdeutsche Wirt¬ 
schaftsfragen“ und „Südwestdeutsche Flugschriften“ zur Seite traten. Einen kleineren 
Einzugsbereich hatte die in Saarbrücken ansässige Südwestdeutsche Eisenberufsgenos¬ 
senschaft. Sie umfaßte 1891 die beiden Regierungsbezirke Trier und Lothringen und 
177Zur Städtevereinigung vgl. ausführlich die Darstellung bei Ruppersberg (wie Anm. 176) 
Bd. 3, 2 S. 221-271; Hanns Klein, Geschichte des Landkreises Saarbrücken 1815-1965, in: 
Grenze als Schicksal - 150 Jahre Landkreis Saarbrücken, hrsg. von der Kreisverwaltung, 
Schriftleitung Paul Keuth, Saarbrücken 1966 S. 80. 
178Herrmann, Hans-Walter, Die Errichtung des Landgerichts Saarbrücken und die Ausdeh¬ 
nung seiner Zuständigkeit auf das Saarindustrierevier, in: 150 Jahre Landgericht Saarbrücken 
(wie Anm. 22) S. 13 f. 
179Zimmer, Engelbert, Die Saarbrücker Eisenbahnverwaltung im Wandel der Zeit 1847-1957, 
Saarbrücken 1959 (Sondernummer „Die Schiene - Mitteilungen für den saarländischen 
Eisenbahner“) S. 37 f. 
180Tille, Alexander, Die wirtschaftlichen Vereine der Saarindustrie bis zum Tode des Freiherrn 
von Stumm-Halberg, Südwestdeutsche Flugschriften Heft 4, Saarbrücken 1907; vgl. auch 
Hellwig (wie Anm. 17) S. 55 f. und Bariety (wie Anm. 72) S. 243. 
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