Full text: Das Saarrevier zwischen Reichsgründung und Kriegsende

kommunaler Beteiligung gebaut und betrieben wurden, verbesserten die Verkehrs¬ 
struktur des Reviers und erlaubten den Arbeitern, die bisher die Woche über in 
Schlafhäusern oder Schlafstellen in der Nähe ihres Arbeitsplatzes gewohnt hatten, 
täglich nach Hause zurückzukehren. 
Den Anfang machte 1891 die Stadt St. Johann mit der Linie nach Luisenthal. Es 
folgten bei gleichzeitigem Ausbau des innerstädtischen Netzes noch vor Kriegsaus¬ 
bruch die Strecken nach Gersweiler und Friedrichsthal. Eine Verbesserung der 
Betriebsstruktur ergab sich durch die Gründung der Gesellschaft für Straßenbahnen 
im Saartal A. G. im Jahre 1912, an der die junge Großstadt mit 51 % die 
Aktienmehrheit besaß.160 Die Linie St. Johann - Brebach - Ensheim und Ormesheim 
wurde durch die 1913 gegründete Saarbrücker Klein- und Straßenbahn A. G. 
betrieben, eine Linie von Malstatt über Riegelsberg nach Heusweiler seit 1907 durch 
die Gemeinde Güchenbach.161 
Von Saarlouis aus wurden zwischen 1894 und 1898 städtische Kleinbahnen nach 
Felsberg, Wallerfangen und Ensdorf gebaut. In den letzten Jahren vor dem Krieg 
(1910-1913) wurden sie ergänzt und erweitert durch elektrische Kreisbahnen nach 
Dillingen-Nalbach, Schwalbach, Saarwellingen, Bous und Wadgassen. Die Mer- 
zig-Büschfelder-Eisenbahn verband seit 1903 das Hochwaldvorland mit dem Saar¬ 
tal.162 Die Gemeinde Neunkirchen eröffnete 1907 eine Straßenbahn nach Wiebelskir¬ 
chen163 und zwei Jahre später (1909) die Gemeinde Völklingen die Bahn in den 
Warndt mit den Endpunkten Ludweiler und Großrosseln. Anschluß- und Umsteige¬ 
möglichkeiten zwischen der Neunkircher, der Saarbrücker und der Völklinger Stra¬ 
ßenbahn ergaben sich erst in den zwanziger Jahren nach Verlängerung der Strecken. 
Die vorliegenden Veröffentlichungen beschränken sich meist auf die Beschreibung des 
Netzes und des Wagenparkes. Die Rolle der Bahnen innerhalb der Kommunalwirt¬ 
schaft, die Fragen der Rentabilität und der Förderung durch Bergfiskus oder private 
Großunternehmer werden allenfalls gestreift.164 
Über das Aussehen einer Industriesiedlung gibt August Becker in seinem bekannten 
Werk „Die Pfalz und die Pfälzer“ 1857 eine anschauliche Schilderung aus dem 
Sulzbachtal: Das schwarze Tal, welches dort die Grenze bildet, ist das schmutzigste 
und kotigste, das man treffen kann, aber auch eines der gewerbsamsten. Da liegen 
mehrere Glashütten nebeneinander; darunter die Hütte „Marienthal“ teils auf bayeri¬ 
schem, teils auf preußischem Gebiet, indem der durch ihr Gebäude fließende Bach die 
160 75 Jahre Gesellschaft für Straßenbahnen im Saartal AG - Saarbrücken 1892-1967, hrsg. von 
der Gesellschaft für Straßenbahnen im Saartal AG, Saarbrücken, Scheidt/Saar 1967. 
161 Bost, Alois Paul, Aus der Verkehrsgeschichte, in: Ortschronik Riegelsberg. Entstehung und 
Entwicklung einer modernen Wohngemeinde, Riegelsberg 1980, S. 365-375. 
162 Festschrift der Merzig-Büschfelder Eisenbahn, hrsg. von der Betriebsdirektion der Mer- 
zig-Büschfelder Eisenbahn GmbH, Merzig 1953; Festschrift anläßlich des 75jährigen Beste¬ 
hens der Merzig-Büschfelder Eisenbahn GmbH, hrsg. von Merzig-Büschfelder Eisenbahn, 
Merzig 1978. 
163 Krajewski, Bernhard, Die Straßenbahn, in: Neunkirchen (Saar) Stadt des Eisens und der 
Kohle. Ein Buch vom Werden und Wesen einer Industriestadt, Neunkirchen 1955 
S. 360-365. 
164 Fragen der Elektrizitätsversorgung behandelt Herzig (wie Anm. 87). 
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