Volltext: Das Saarrevier zwischen Reichsgründung und Kriegsende

Sozialgeschichte 
Viel stärker als mit wirtschaftsgeschichtlichen Fragen hat sich die saarländische 
Forschung in den beiden letzten Jahrzehnten mit sozialgeschichtlichen Themen befaßt. 
An einen breiten Leserkreis wendet sich der von Klaus Michael Mallmann, Gerhard 
Paul, Ralph Schock und Reinhard Klimmt herausgegebene Sammelband „Richtig 
daheim waren wir nie“.129a Seine einzelnen Beiträge aus dem hier interessierenden 
Zeitabschnitt behandeln unter bewußtem Vermeiden fachwissenschaftlicher Diktion 
und leider auch unter Verzicht auf Quellenangaben vornehmlich sozialgeschichtliche 
Phänomene des Reviers. 
Die sozialgeschichtliche Forschung bedarf zuverlässiger statistischer Daten zur Bevöl¬ 
kerungsstruktur. Wolfgang Läufer,130 Jürgen Karbach und Dieter Bettinger131 haben 
Material, vor allem zur Einwohnerzahl, zur Siedlungsdichte und zur Verteilung der 
Konfessionen, bezogen auf Gemeinden und Kreise, zusammengestellt. Klaus Fehn132 
hat auf weitere einschlägige Quellengruppen aufmerksam gemacht: Melderegister, 
Wählerlisten, Schulakten, Personenstandsregister, Kirchenbücher, Grundsteuerak¬ 
ten. 
Trotz des starken Bevölkerungszustroms ins Revier hielt auch im letzten Drittel des 
19. Jhs. die Auswanderung an, sie wurde von Josef Mergen in ihrem Umfang, ihren 
Motiven und ihren Zielländern in nicht ganz befriedigendem Maße beschrieben.133 
Seine vor fast fünfundzwanzig Jahren erstellten Namenslisten von Auswanderern, die 
erst kürzlich veröffentlicht wurden, lassen sich aus ihm nicht bekannten, teilweise erst 
später zugänglich gewordenen Quellen ergänzen.134 
Hans Horch135 hat in seiner Dissertation „Der Wandel der Gesellschafts- und 
Herrschaftsstrukturen in der Saarregion während der Industrialisierung 1740-1914“ 
versucht, das Gerüst eines typischen Modells der ökonomisch-sozialen Entwicklung 
zu konstruieren, die den zentralen ideologischen, rechtlichen und politischen Ver¬ 
schiebungen der Industrialisierungsphase zugrundelag, und hat auf der Basis eines 
129ißerlin-Bonn 1987. 
130Läufer, Wolfgang, Bevölkerungs- und siedlungsgeschichtliche Aspekte der Industrialisierung 
an der Saar, in: ZGSaargegend 29, 1981, S. 122-164; ders., Eine Region der Bewegung. 
Bevölkerung und Siedlung im Prozeß der Industrialisierung, in: Richtig daheim. . ., 
S. 21-26. 
131 Karbach, Jürgen, Bevölkerungszahlen des Saarlandes 1800-1910, in: ZGSaargegend 34/35 
1986/87 S. 186-275; Bettinger, Dieter Robert, Die Verschiebung der Konfessionsverhält¬ 
nisse im Saarland, in: Die Evangelische Kirche an der Saar (wie Anm. 24) S. 202-220. 
132Fehn, Klaus, Ansätze zur Erfassung der Bevölkerungs- und Sozialgeschichte des saarländi¬ 
schen Bergbau- und Industriegebietes im 19. und frühen 20. Jh., in: Jb. westd. Landesgesch. 
3, 1977 S. 419-440. 
133 Mergen, Josef, Die Auswanderungen aus den ehemals preußischen Teilen des Saarlandes im 
19. Jh., 2 Bde., Saarbrücken 1973 und 1987 (Veröffentlichungen des Instituts für Landes¬ 
kunde des Saarlandes 20 und 28). 
134 Inventar der Quellen zur Geschichte der Auswanderung 1500-1914 in den staatlichen 
Archiven von Rheinland-Pfalz und dem Saarland, bearbeitet von Peter Brommer, Karl Heinz 
Debus und Hans-Walter Herrmann, Koblenz 1976 (Veröffentlichungen der Landesarchiv¬ 
verwaltung Rheinland-Pfalz 27). 
135Horch, Hans, Der Wandel der Gesellschafts- und Herrschaftsstrukturen in der Saarregion 
während der Industrialisierung (1740-1914) (Wissenschaftliche Reihe: Soziologie) St. Ingbert 
1985. 
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