Volltext: Das Saarrevier zwischen Reichsgründung und Kriegsende

daß in Kaiserslautern eine Privatbank Böcking, Karcher 8c Cie bestand, dann werden 
Verbindungen zwischen den großen Eisenhüttenfamilien und den heimischen Privat¬ 
banken in Ansätzen erkennbar. Ob es freilich in Anbetracht der stark reduzierten 
Quellenlage heute möglich sein wird, diese Verbindungen transparenter zu machen, 
erscheint mir fraglich. Die Klärung dieser Frage könnte auch Licht werfen auf den 
Finanzierungsmodus der großen Innovationen in den Hüttenwerken. 
Abgesehen von einer kurzlebigen Filiale der Kölner Bank ließen sich Großbanken erst 
nach der Jahrhundertwende im Saarrevier nieder, zuerst die Bergisch-Märkische Bank 
durch Übernahme des Bankhauses Lazard im Jahre 1905, dann einige Jahre später die 
Disconto-Gesellschaft100 und die Internationale Bank Luxemburg. Eine Agentur der 
königlich preußischen Bank bestand in Saarbrücken seit 1859, sie wurde zu einer 
Reichsbanknebenstelle ausgebaut, später wurden auch Reichsbanknebenstellen in 
St. Ingbert und in Zweibrücken (1883) eingerichtet.101 
Geleitet wurde die Saarwirtschaft damals noch von einem bodenständigen Unterneh¬ 
mertum, selbst in der Großindustrie hatten erst wenige Firmen den Übergang zur 
Anonymität der Aktiengesellschaft vollzogen.102 Die Namen der vier großen Eisenhüt¬ 
tenfamilien Stumm, Röchling,103 Böcking104 und Krämer1043 und der Keramikfabri¬ 
kanten Boch105 und Villeroy106 sind noch heute geläufig. Weniger bekannt sind die in 
anderen Industriezweigen, im Handel und Kreditwesen engagierten Familien 
Adt,107 Haldy, Karcher,108 Raspiller,109 Reppert,110 Rexroth, Schmidtborn111 und 
100 Pohl (wie Anm. 97). 
101 Adreßbuch Westpfalz (wie Anm. 18). S. 59-64. 
102 Als älteste Aktiengesellschaft an der Saar gilt die Dillinger Hütte (seit 1809). Das St. Ingberter 
Eisenwerk wurde 1889 von einer Kommanditgesellschaft in eine AG umgewandelt, die 
Burbacher Hütte 1911 unter gleichzeitiger Fusion mit den luxemburgischen Hütten in Eich 
und Düdelingen zu den Aciéries Réunies de Burbach-Eich-Dudelange ( = ARBED). 
103 Zur Familiengeschichte Hans-Lothar Freiherr von Gemmingen-Hornberg und Friedrich 
Wilhelm Euler, Dr. med. Christian Röchling 1772-1855 und Charlotte Wagner 1793-1870, 
Ahnen und Nachkommen, Heidelberg 1973; vgl. auch Alexander Tille, Das Haus Röchling 
und seine Unternehmungen, Saarbrücken 1907. In der Saarbrücker Zeitung habe ich eine 
Artikelserie „Die Röchlings - Aufstieg und Abschied einer Familie“ veröffentlicht (SZ Nr. 29, 
30, 32-36, 38-44 v. 3.-21. 2. 1978), die sich als Zusammenfassung bisher in der Literatur 
verstreuter Angaben versteht. 
104 Böcking, E., Geschlechtsregister der Familie Böcking, Köln 1894; Böcking, Herbert W., 
Abentheuer, Beiträge zur Geschichte des Ortes und seiner Eisenhütte, 1961 besonders 
S. 108-117; Fritz Hellwig, in: Neue Deutsche Biographie Bd. 2 S. 368-371. 
104aHellwig, Fritz, Kraemer, Eisenindustrielle, in: Neue Deutsche Biographie Bd. 12, 1980 
S. 632-636. 
105Grüner, Erhard, Geschichte der Familie Boch, Saarbrücken 1968; Neue Deutsche Bio¬ 
graphie Bd. 2 S. 339 f. 
106Braux, G. de, Les familles Noël du Lys et Villeroy, Généalogies, Nancy-Orléans 1892. 
107 Wilmin, Henri, Die Familie Adt und ihre Industriebetriebe, Bad Orb 1979; Adt, Hans, Aus 
meinem Leben und aus der Geschichte der Firma Gebr. Adt, Bad Orb 1978. 
108Hellwig, Fritz, Karcher, in: Neue Deutsche Biographie Bd. 11, S. 142-148; Karcher, 
Georges E. und Kirchner, Fritz, Die Familie Karcher aus dem Saarland, eine Stammfolge, 
Saarbrücken 1979 (Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft für Familienkunde 10. Sonder¬ 
band). 
109 Neutzling, Walter, Die Glasmacherfamilie Raspiller - Sonderband 21 der Mitteilungen der 
Arbeitsgemeinschaft für saarländische Familienkunde. 
110Rixecker, Albrecht, Die Glasmacherfamilie Reppert im Elsaß und an der Saar, in: 
Saarländische Familienkunde 3, 1970, S. 219-225 und 248-255. 
111 Euler, Friedrich Wilhelm, Die Familie Schmidtborn, in: ZGSaargegend 19, 1971, 
S. 478-496. 
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