Full text: Das Saarrevier zwischen Reichsgründung und Kriegsende

jede vergleichbare Arbeit über Gaserzeugung und Gasversorgung. Einzelangaben sind 
in Ortschroniken und Firmengeschichten verstreut. Eine zusammenfassende Darstel¬ 
lung für das gesamte Industrierevier unter Offenlegung der unterschiedlichen Interes¬ 
sen des Bergfiskus, der Eisenhütten, der Kommunalwirtschaft und der frühen privaten 
Kokereien ist nicht einmal in Ansätzen erkennbar. 
Eine Geschichte der saarländischen Landwirtschaft im 19. Jahrhundert steht noch 
aus, obwohl die Einwirkungen eines im Aufwind segelnden Industriereviers mit 
seinem Bedarf an Arbeitskräften und Grundnahrungsmitteln auf seine agrarisch 
strukturierte Randzone und sein Hinterland eigentlich das Interesse der Forschung 
finden sollten. Alois Prediger hat in einer Untersuchung mit sozialgeographischer 
Zielsetzung88 auf manche Erscheinungen, wie Abwerbung und Verteuerung von 
Gesindearbeitskräften, Umschichtung von haupterwerblichen auf nebenerwerbliche 
Landwirtschaftsbetriebe im Besitz von Arbeiterbauern, Lieferung von Nebenproduk¬ 
ten der Stahlerzeugung als Kunstdünger, hingewiesen. Er beschreibt auch, wie nach 
1890 allmählich der Weinbau an der Saar und der Nied vollständig zum Erliegen 
kam. 
Lückenhaft unterrichtet sind wir über die Entwicklung des Banken- und Sparkassen¬ 
wesens. An der Wende der sechziger zu den siebziger Jahren besaß jeder der 
preußischen Saarkreise seine eigene Sparkasse. Der Kreis Ottweiler war als letzter 
1869 hinzugekommen. Für die auf den preußischen Staatsgruben tätigen Arbeiter war 
im Jahre 1835 auf Anregungen des Bergwerksdirektors Leopold Sello eine bergmänni¬ 
sche Sparkasse als früher Typ einer Betriebssparkasse entstanden, aber 1867 einge¬ 
gangen.89 Im Zusammenhang mit der Geschichte der Kreissparkasse Saarbrücken hat 
Paul Thomes90 auch Fragen der anderen Kreissparkassen in dem preußischen Saarge¬ 
biet, zu denen später noch die Sparkasse der Stadt Saarbrücken und die Sparkassen 
Völklingen und Neunkirchen traten, behandelt. Für einige von ihnen liegen Festschrif¬ 
ten vor.91 Unter dem Aufschwung des Genossenschaftswesens, dessen Entwicklung im 
Saarrevier Philipp Fabry ausführlich dargestellt hat,92 kamen gegen Ende des Jahrhun¬ 
derts die Volksbanken hinzu. Einige von ihnen haben ihre Entwicklung in Festschrif¬ 
88 Prediger, Alois, Neuerung und Erhaltung im ländlichen Raum (1830-1970). Eine sozialgeo¬ 
graphische Untersuchung im Stadt-Umland-Bereich westlich von Saarlouis, Saarbrücken 1986 
(Arbeiten aus dem Geographischen Institut der Universität des Saarlandes 30). Die basische 
Ausfütterung der Thomaskonverter wurde gemahlen unter der Bezeichnung „Thomasmehl“ 
vom Neunkircher Eisenwerk erstmals 1886 als Düngemittel auf den Markt gebracht (Prediger 
S. 97). 
89 Klein, Ernst, Die Bergmännische Sparkasse an der Saar (1835-1867), in: Bankhistorisches 
Archiv 2, 1976 Heft 1 S. 1-13. 
90 Thomes, Paul, Die Kreissparkasse Saarbrücken (1854-1914). Ein Beitrag zur Geschichte der 
öffentlichen Sparkassen Preußens, phil. Diss. Saarbrücken 1984. 
91 100 Jahre Kreissparkasse Merzig 1857-1957, Merzig 1957; 100 Jahre Kreissparkasse Ottwei¬ 
ler 1869-1969, Ottweiler 1969; 100 Jahre Kreissparkasse St. Wendel - 125 Jahre Kreis 
St. Wendel, St. Wendel 1959. 
92 Fabry, Philipp W., Bewährung im Grenzland. Genossenschaftsarbeit an der Saar von 1860 
bis zur Gegenwart, hrsg. vom Saarländischen Genossenschaftsverband, Neuwied 1986. 
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