Full text: Das Saarrevier zwischen Reichsgründung und Kriegsende

Armeeabteilung C - nicht zu gefährden, in etwa 4 Tagen beendet sein, was sich nicht 
zuletzt auf die Struktur der lokalen ASR auswirkte.123 
Neuer Standort des Saarbrücker Generalkommandos wurde die anhaltinische Kreis¬ 
stadt Köthen - keine 40 km entfernt von Leitzkau, dem Stammsitz der Familie von 
General v. Ungers Gattin Ottonie v. Münchhausen, wo das Ehepaar dann auch 
ansässig wurde.124 Einzelheiten und Datum der Übersiedlung nach Köthen sind 
vorerst nicht bekannt, auch nicht, wann v. Unger seine Befehlsgewalt an die komman¬ 
dierenden Generäle der aktiven Armeekorps XVI und XXI abgab. Am 13. Dezember 
jedenfalls unterschrieb er in Köthen eine mit dem Soldatenrat des neu formierten 
stellvertretenden Generalkommandos XVI ausgehandelte Dienstanweisung, war mit¬ 
hin noch für die beiden stellvertretenden Korpsbehörden zuständig.125 
Reststäbe oder Nachkommandos verblieben bis kurz vor dem Einmarsch der Franzo¬ 
sen, die am 21./22. November zur Saarlinie vorrückten, in Saarbrücken, Saarlouis 
und anderen Garnisonsstädten, auch um den heimkehrenden Soldaten die ordnungs¬ 
gemäße Entlassung in den Militärpapieren126 zu bestätigen. Sie unterstanden vermut¬ 
lich den eingangs erwähnten Obersten Mayet, der erst am 20. November Saarbrücken 
verließ.127 Am gleichen Tag Unterzeichneten der noch amtierende Intendant der 
stellvertretenden Intendantur XXI, Dr. Ernst Engel, und Oberbürgermeister Mangold 
einen Vertrag über die Übereignung des militärfiskalischen Peterberger Hofs an die 
123 Mit dem Abzug der Truppen aus dem Korpsbereich wandelten sich die meisten ASR zu 
Arbeiter-, (Bauern-) u. Bürgerräten, die die einmarschierenden Franzosen sofort auflösten. 
Beim Korps-SR in Saarbrücken fungierte Röhrßen laut Presse noch am 18. Nov.; ob er mit 
ihm nach Köthen ging, ist ungewiß. - Generell wäre das Verhältnis der lokalen ASR zu den 
SR der Fronttruppen während des Rückmarschs zu überprüfen. In Saargemünd, u. a. Sitz der 
Et.-Insp. der 19. Armee, auf der Nahtlinie der Heeresgruppen C (v. Gailwitz, mit 
Armee-Abt. C links) u. D (Herzog Albrecht, mit 19. Armee rechts), übernahm z. B. das 
sächs. XIX. AK (taktisch Gruppe Herlingen/Herny am rechten Armeeflügel) bzw. sein SR am 
15. Nov. anstelle des Saarbrücken unterstellten ASR die Exekutive (Saargem. Ztg. v. 
16. Nov., Nominé (Anm. 107), u. - tendenziös - Th. Jacobs, Die letzte Schlacht, 1936, 
S. 112 ff.), u. a. zur Sicherung des Rückmarsches über Blieskastel-Zweibrücken u. Bitsch. Die 
Vorgänge in dem mit Truppen verschiedener Kontingente belegten Et.-Hauptort sind noch 
aufzuklären. Nicht auszuschließen ist, daß das GKdo XIX unter Gen.-Lt. Lucius in der sich 
auf die Rückkehr zu Frankreich vorbereitenden Stadt den ihm irgendwie unbequemen ASR 
kurzerhand auflöste, gegebenenfalls aus der gleichen reaktionären Einstellung heraus, mit der 
der OB der 1. Armee im Rückzugsstreifen Clerf/Luxemburg-Mayen-Neuwied gegen die ASR 
vorging (Eberhardt (wie Anm. 36) S. 281 ff.). 
124 Genealogisches Handbuch (wie Anm. 80). 
125 Schmidt (Anm. 3) Bd. 4 S. 388 f. Im Zuge der vom Waffenstillstand voll inganggesetzten 
Demobilisation wurde offenbar die 1917 in Ansätzen erkennbare Abt. XVI (vgl. Anm. 46) 
u. a. durch Zuführung der Stellv. Intendantur XVI wieder zum stellv. GKdo ausgebaut, 
zunächst unter dem Kommando v. Ungers. 
126 Soldbuch- u. Militärpaßsammlung, H.-G. Sachs, Neunkirchen. 
127 Zusammen mit Oberst Staroste (Mitt. Dr. Jacoby), der im Jan. 1919 wieder zum Versor¬ 
gungsamt nach Saarbrücken zurückkehrte (vgl. Anm. 121). - Nach v. Ungers Tagebuch (vgl. 
Anm. 8) verließen er - u. a. begleitet von Frau und Sohn, Gen.-Lt. Hildebrandt (vgl. 
Anm. 84), Maj. d. R. Rosenbauer (Anm. 54), Rittm. Storbeck, dem am 15. Nov. als 
GStabs-Offz. neu zugewiesenen Hptm. i. G. v. Moltke, seinen beiden Vorzimmerdamen - u. 
das durch Demobilisationen stark gelichtete GKdo am 18. Nov. mittags im Sonder-Trans- 
portzug Saarbrücken vom Güterbahnhof aus. Am 22. Nov. abends in Köthen angekommen, 
bezog das GKdo, als dessen Chef des Stabes anstelle des in Saarbrücken demobilisierten 
Seederer vorläufig Gen.-Lt. Hildebrandt amtierte, zunächst Unterkunft in einem Lyzeum. Am 
19. Dez. kam v. Unger um seinen Abschied ein u. erhielt ihm am 3. Jan. 1919. 
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