Full text: Das Saarrevier zwischen Reichsgründung und Kriegsende

Wie immer wieder betont, war der Zeitraum von 1871 bis 1914 durch ein beeindruk- 
kendes Wirtschaftswachstum in Deutschland gekennzeichnet. Da es im saarlän¬ 
disch-lothringischen Wirtschaftsraum eine seiner wichtigsten Wurzeln hatte, kam es 
hier konsequenterweise zu einem intensiven Ausbau des Bahnnetzes sowohl im 
Bereich der zweigleisigen bzw. der Hauptbahnen als auch der eingleisigen, d. h. der 
Neben- oder Regional- und Lokalbahnen, denn nur dadurch konnte den Ansprüchen 
der Wirtschaft entsprochen werden. 
Trotz der eindrucksvollen Verkehrsentwicklung gelang es nur unter Schwierigkeiten, 
das anfallende Frachtenaufkommen zu bewältigen. So reichten nicht wenige Bahn¬ 
hofsanlagen zur Aufnahme des anfallenden Güterverkehrs ebensowenig aus wie zur 
Bewältigung des Personenverkehrs. Vor allem im lothringischen Industriegebiet 
resultierten aus der bedeutenden Entwicklung der Hütten- und Walzwerkindustrie 
sowie der Erschließung neuer Erzfelder „größte Schwierigkeiten“ für die Abwicklung 
eines ordnungsgemäßen Verkehrs. Daher mußte z. B. der aus dem Jahre 1907 
stammende Enwurf für den Bau eines neuen Bahnhofs in Diedenhofen zur Erhöhung 
seiner Leistungsfähigkeit im Jahre 1914 einer „wesentliche(n)“ Abänderung unterzo¬ 
gen werden, da inzwischen ein „außerordentlich starkes Anwachsen des Verkehrs“ 
erfolgt war.43 
Die bis 1914 erfolgte eindrucksvolle Entwicklung von Wirtschaft und Verkehr im 
Saarland und in Lothringen erfuhr infolge des Kriegsausbruchs eine starke Beeinträch¬ 
tigung. Neue, bereits genehmigte Bahnbauten wurden nicht mehr begonnen, die 
schon in Ausführung befindlichen insoweit abgeschlossen, als sie zur Steigerung der 
Leistungsfähigkeit „unbedingt kriegsnotwendiger Anlagen und zur Bewältigung der 
Heerestransporte“ beitrugen.44 So wurde das zum schnelleren Transport von Eisenerz¬ 
en bis 1908 drei- und viergleisig ausgebaute Streckenstück Woippy-Hagendingen der 
Linie Metz-Diedenhofen bis Diedenhofen viergleisig ausgebaut. Im Jahre 1917 konnte 
der Verkehr hier aufgenommen werden.45 Daß darüber hinaus vor allem diejenigen 
Bahnanlagen, die für den Transport und die Entladung von Heeresgütern sowie von 
Truppen dienten, erweitert wurden, zum Teil erheblich, versteht sich von selbst. 
Sieht man von den Kriegsjahren 1914 bis 1918 einmal ab, dann hatten, insgesamt 
gesehen, die saarländisch-lothringischen Eisenbahnen an der Entwicklung und Inte¬ 
gration der Wirtschaft an der Saar und in Lothringen einen entscheidenden Anteil. Im 
Rahmen dieser Entwicklung erfuhr das Eisenbahnnetz im Saarland und in Lothringen 
eine bemerkenswerte Dichte. Das saarländisch-lothringische Revier, basierend auf der 
Kohle an der Saar und der Minette in Lothringen, verdankte seine Effizienz und 
Bedeutung innerhalb des deutschen Wirtschaftsgefüges maßgeblich der Leistungsfä¬ 
higkeit des dortigen Eisenbahnnetzes. Durch die optimale Nutzung seiner Transport¬ 
möglichkeiten nämlich war es gelungen, die räumliche Entfernung von Kohle und 
Minette ohne eine erhebliche Beeinträchtigung der Rentabilität und damit der 
Wettbewerbsfähigkeit zu überwinden, d. h. daß die Frachtkosten möglichst niedrig 
43 ebd., S. 136. 
44 ebd., S. 140. 
45 ebd. 
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