Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

Nr.  8
drechen  Adj.  ,trocken*
A.  Hettange-Grande  /  Großhettingen  (Ca):  o  Druckenviese  ['dre§9vi:s].72
Mit  standardsprachlich  trocken!drucken  gebildete  Flurnamen:
Hellenhausen  (SB):  1621/87  dt.  biss  in  die  drucken  humess  (LHA  Ko  182/109,
423),  1707  or.  dt.  in  die  drucken  himess  (GEB).  Hostenbach  (Sl):  1744  dt.  drucken
  hubel  (LHA  Ko  218/  749,  176).  Neunkirchen  (Ot):  1770  dt.  im  trockem
wever  (GEB).  Philippsbourg  (Bi):  18.  Jh.  A.  or.  frz.  der  druk  weyger  zu
waldeken  (StB  Tr  1332/635,  140).  Schaftliausen  (Sl):  1744  dt.  drucken  hubel
(LHA  Ko  218/  749,  176),  1746  or.  dt.  der  druckenhübel  (GEB).  Seyweiler
(Hb):  1661  dt.  von  der  trucken  wiess  /  in  der  trucken  wiess  (MÖTSCH  Parr,  141).
Werbeln  (Sl):  1744  dt.  drucken  hubel  {LHA  Ko  218/  749,  176).
(Vgl.  Abb.  11)
B.  Für  lat.  siccus  existiert  zum  einen  im  Deutschen  das  standardsprachliche
Wort  trocken  (<  germ.  *drukna-,  HEIDERMANNS  162f.;  DWB  22,  727-728),
zum  anderen  kennt  das  Westgermanische  damit  (entfernt)  verwandte  Bildungen
  ohne  -n-  und  mit  anderen  Abiautstufen.  Letztere  erscheinen  erstmals  im
Frühmittelniederländischen  als  drog(h)e,  droeg(h)e,  droech,  druge  etc.,7’  nnl.
droog  (MnlHdWb  153;  VroegMnlWb  1,  1098f.)  und  im  Mittelniederdeutschen
  als  dröge,  dröge,  drüge  (MndHdWb  1,  482f.;  MndWb  1,  579).  Der
Name  von  Druimeren  (B,  Prov.  Flämisch-Brabant),  belegt  1217  or.  als
Drughemere  (GYSSELlNG  288),  ist  mit  diesem  Adjektiv  als  Bestimmungswort
gebildet;  Grundwort  ist  germ.  *mari-  n.  ,stehendes  Gewässer1 2.
Dröge/druge  ist  die  niederdeutsche  Entsprechung  des  standardsprachlichen
Wortes  trocken  und  stimmt  in  Bedeutung  und  Gebrauch  im  Wesentlichen  mit
diesem  überein  (DWB  2,  1426;  DWB  22,  347-351).  Die  Übertragung  von
dröge  in  der  Bedeutung  ,langweilig,  reizlos1  auf  Personen  ist  in  der  Hochsprache
  erst  spät  bezeugt  (Kluge  216).  Die  Ausgangsbedeutung  ,trocken1  bleibt
auf  das  Niederdeutsche  beschränkt.

1  Das  Wort  ist  als  Kompromissform  zwischen  dem  nördlichen  Typus  dröge  und  dem
südlichen  Typus  trocken  zu  interpretieren,  vgl.  Abschnitt  D,  nimmt  also  eine  Zwischenstellung
  zwischen  den  ,Nordwörtem‘  und  den  ,SüdwörtenY  ein.  Da  drechen
jedoch  mehr  Merkmale  des  nördlichen  als  des  südlichen  Typus  zeigt,  wird  das  Adjektiv
  hier  unter  den  ,Nordwörtem‘  aufgenommen.
2  Nur  der  mundartliche  Beleg  zeigt  die  Form  dreche(n)  ,trocken1,  die  in  der  Westeifel,
  in  Luxemburg  und  in  Lothringen  herrscht.  Der  historische  Beleg  1696/98  or.
ffz.  drucken  vies  (AD  Mos  4  E  256)  und  der  oben  notierte  amtliche  Beleg  enthalten
hingegen  das  hochsprachliche  Wort  trocken,  hier  mit  w-Vokalismus.
73  EWN  1,635:  1100  mit  drugon  juozen\  1240  droge.

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