Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

Adjektiv-Attributen,  die  die  relative  Lage  der  Delle  angeben  -  oder  Grundwort.
  Bei  Zusammensetzungen  begegnen  Verbindungen  mit  Pflanzen-  und
Grünlandbezeichnungen,  seltener  mit  Wild-  bzw.  Weidetierbezeichnungen.  Im
Saar-Mosel-Raum  gilt  die  Bedeutung  ,Vertiefung,  Bodensenke,  TaP,  wie  es
eindeutig  u.  a.  aus  den  Flurnamenbelegen  in  Holving:  1725  kop.  1840  dt.  auf
der  obersten  dellen,  amtl.  Dell  bey  der  gypskull  [del  bi  do  'gipskul],  oder  aber
in  Walschbronn:  1758  or  .fand  de  l'eglise,  amtl.  Kirieh  tel  ['kera^  del]  zu  entnehmen
  ist.  Als  Bestimmungswort  kommt  Delle  nicht  sehr  häufig  vor.  Das
Diminutiv  kommt  auch  vor,  vgl.  Wellingen:  1498  kop.  dt.  dem  tantzen
dellchen  zu,  wobei  eine  Abgrenzung  zum  Wort  Tälchen  nicht  immer  einfach
ist.  Ferner  sind  Formen  belegt,  die  Dentalepithese  aufweisen,  vgl.:  Dreisbach:
1488  kop.  15,  Jh.  dt.  vp  der  dellen,  amtl.  Die  Delt  [di:  delt];  Contz-Ies-Bains:
1642  or.  dt.  in  der  delden,  amtl.  Deldt  [an  dn  delt];  Volmerange-les-Boulay:
1688  or.  frz.  inderdellede,  amtl.  In  der  delt  [en  du  delt].  Die  Variante  mit  der
Dentalepithese  ~t(e)  begegnet  in  den  nördlichen  und  westlichen  Beharrungsräumen
  des  Saar-Mosel-Raums,  und  zwar  im  moselfränkischen  Teil  des
Untersuchungsgebiets  (eine  Häufung  der  Belege  ist  im  Hochwaldvorland  um
Wadern  zu  beobachten),  vgl.  z.  B.  Sehndorf:  1628  or.  dt.  in  daeltgen  in  den
langen  strichen,  amtl.  Im  Dellchen  [am  ”deljn],  oder  Faha:  1637  or.  dt.  langst
die  lange  dellt.  Dies  korrespondiert  mit  luxemburgischem  Dällt,  Deelt  f.  Niederung,
  langgezogene  Talmulde4  (auch  in  Flurnamen,  LuxWb  I,  192).  Dellt
kommt  in  Flurnamen  des  Untersuchungsraums  sowohl  als  Simplex  als  auch
als  Grund-  oder  Bestimmungswort  vor.  0
Die  Mehrzahl  der  historischen  Belege  entstammt  dem  18.  Jahrhundert:  Es
sind  jedoch  auch  ältere  Belege  überliefert,  die  gelegentlich  bis  ins  13.  Jahrhundert
  zurückreichen,  vgl.:  Hesse:  1259  or.  lat.  in  delen;  Ensdorf:  1301/50
or.  lat.  in  delenbruch,  Malstatt-Burbach:  1448  or.  dt.  inn  die  hinderste  delle.
Die  lothringischen  Belege  in  Bourdonnay  (F,  Moselle,  con  Vic-sur-Seille)
weisen  auf  das  konkurrierende  frz.  Wort  tele  f.  ,irdene  Schüssel4  hin,  das  über
mnl.  tele  <  lat.  tegüla  u.  a.  ins  Wallonische,  Flandrische,  Pikardische  eingedrungen
  und  von  hier  aus  vereinzelt  bis  in  die  Champagne  und  in  die  lothringischen
  Grenzmundarten  gewandert  ist  (FEW  17,  324).
(M.  V.)

0 Im  Untersuchungsraum  lassen  sich  weitere  Flurnamen  nennen,  die  zu  dieser  Gruppe
gehören,  wie  z.  B.  Deicht  <  pfälzisch  Deich  ,Trockentaf,  Etzelt  <  Etzel  .umhegte
Wiese1,  Lacht  <  Lache  .Pfütze,  tief  gelegenes,  nasses  Land4,  vgl.  Schorr  1993,  5ff.
und  37ff;  vgl.  auch  unten  Kapitel  6.2.1.

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