Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

Für  den  Saarbrücker  Raum  verzeichnet  SCHÖN  45  das  Appellativ  Dell(e)  f.
,Tal,  Vertiefung,  Grübchen4  (auch  mit  Rundung  des  Stammvokals  Döll).  Das
Wort  ist  im  Saarbrücker  Raum  auch  in  historischen  Flurnamen  belegt  (siehe
auch  Abschnitt  D),  vgl.  1448  die  hinderste  delle\  in  Rutzenberger  Delle  (Gemarkung
  Malstatt-Burbach,  BAUER  1957,  73f.  und  110);  1737  in  der  Abtsdell
(noch  um  das  Jahr  1784  Besitz  der  Propstei  des  Klosters  Wadgassen);  1769
die  Bruch  Schneiders  Döll:;  1745  in  der  Dellen,  1737  der  Dellgarten;  ca.  1800
in  Sabels  Dell  (Gemarkung  Saarbrücken,  BAUER  1957,  125,  129,  131  und
158);  1636  die  große  Dell;  1715  in  der  Harther  Dell  (Gemarkung  St.  Arnual,
BAUER  1957,  176  und  181);  1733  in  der  großen  Dell;  1783  in  der  Heydenkopfer
  Döll  (Gemarkung  St.  Johann,  BAUER  1957,  211  und  219).
ln  den  oberdeutschen  Mundarten  ist  das  Wort  weniger  gebräuchlich:  Das
als  Appellativ  nicht  mehr  lebendige  Wort  Dell(e)  f.  ,Eindruck  in  einen  weichen
  Stoff,  Beule;  Vertiefung  in  der  Haut;  Niederung,  Tälchen4  lebt  im  Elsässischen
  in  der  Mundart  der  Stadt  Straßburg  weiter,  es  gilt  aber  insgesamt  als
veraltet  (ElsWb  2,  674).  HistWbEls  63  bezeugt  für  das  Elsässische  Delle,
Telle  f.  ,Vertiefung,  kleines  Tal4  sehr  häufig  in  Flurnamen,  die  bereits  im  13.
Jahrhundert  überliefert  sind.
Im  Badischen  ist  Dalle  f.  (mit  anderer  Lautform;  weit  verbreitet  vor  allem
in  Nordbaden)  wie  auch  Dalle  f.  ,Schlucht;  entstehende  Vertiefung,  die  durch
Schlag  oder  Stoß  entsteht4,  schriftsprachlich  Telle,  appellativisch  belegt
(BadWb  1,  409f.).  Sowohl  im  Schwäbischen  als  auch  im  Bairischen  kommt
Delle  auch  als  Dalle  mit  anderer  Lautform  vor.  Für  das  Schwäbische  meldet
nämlich  das  SchwäbWb  2,  40  Dalle  f.  ,Vertiefung  durch  Eindruck4;  Dalle  f.
ist  auch  belegt  und  hat  die  gleiche  Bedeutung.  Ortsnamen  mit  Delle,  Telle
werden  unter  Vorbehalt  dazu  gestellt,  soweit  sie  -q-  und  nicht  -e-  aufweisen,
was  nicht  immer  eindeutig  zu  unterscheiden  ist.  Das  BayWb  1,  489  belegt
Daten  f.  ,Vertiefung;  entstehende  Vertiefung  durch  einen  Stoß,  Schlag,
Druck4  mit  anderer  Lautform.  In  Franken  begegnen  Ortsnamen  wie  Dälheim,
Dällheim,  Dälem,  die  nicht  sicher  hierher  zu  stellen  sind  (ebd.;  vgl.  auch
Vollmann  1926,  21;  Buck  1931,43  und  47f.).
D. Wie  die  Kartierung  der  Belege  zeigt  (vgl.  Abb.  10),  sind  De//e-Flumamen
entlang  der  Sprachgrenze  im  gesamten  Saarland  bis  zum  Krummen  Eisass
verbreitet,  wobei  auch  viele  Ausreißer  über  die  Sprachgrenze  belegt  sind,  die
wahrscheinlich  als  fossile  Formen  zu  interpretieren  sind.  Eine  deutliche  Häufung
  zeigt  sich  an  unterer  Blies  und  mittlerer  Saar,  im  sogenannten  Pfalzkeil:
Die  hohe  Belegdichte  in  diesem  Namenraum  zeigt  Import  in  jüngerer  Zeit  aus
der  Pfalz  entlang  der  Altstraße  von  Worms  nach  Metz  in  westlicher  Richtung
nach  Saarbrücken  (SCHORR  2000,  48-51  und  79  Karte  21).  Als  dialektale
Standardform  erscheint  Dell(e)  und  -  vereinzelt  -  mit  Rundung  des  Stammvokals
  Döll(e)  -  dies  freilich  ausschließlich  als  Schriftform.  Das  Genus  ist
überwiegend  feminin:  Sporadisch  kommt  Delle  auch  als  Maskulinum  vor.
Delle  erscheint  im  Untersuchungsraum  vorwiegend  als  Simplex  -  auch  mit

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