Als Wort ist Delle auch in Hessen sehr geläufig: Die Grundbedeutung ist
,kleine Vertiefung, kleines Tal, talartig tiefliegender Teil einer Gemarkung,
flache Senke' (Crecelius 245; Kehrein 1891, 109; Vilmar 69; SHessWb I,
1331; WaldWb 18). Das SHessWb I, 1331 verzeichnet Dalle f./m., mda.
meist del, seltener dql. Die femininen Formen überwiegen, die Grundbedeutung
ist ,flache Senke im Gelände, meist kleiner als das TaT. In Südhessen
findet sich noch die Bedeutung ,Senke, in der sich Wasser sammelt, nasse
Stelle im Acker, in der Wiese oder im Wald1. Im Hessischen bildet Delle sehr
häufig Flurnamen (Vilmar 69; Kehrein 1872, 367ff.): Es handelt sich dabei
um flache, kleine Bodensenken oder Talmulden; die Namen können aber auch
auf Hohlwege und teilweise sumpfige, kleine Mulden in Acker und Wiese
verweisen. Als Flurname ist Delle in Hessen wahrscheinlich erst in der mittelalterlichen
Landausbauphase produktiv geworden. Im niederdeutschen Hessen
ist es spärlich belegt (SHessWb I, 1331; Zink 1923, 139f.; Knöpp 1959, 20;
Dittmaier 49; Christmann 1965, 250; Ramge 1979, 97; Jung 1985, 37;
HessFlnAtl Karte 90 und Kommentar; HALFER 1988, 74; ZERNECKE 1991,
119; FrankfWb 1,470; SHessFln 287f.).
In der Pfalz ist Delle f. (mda. Dell) ,flache, talartige Vertiefung im Gelände'
als Appellativ allgemein verbreitet. Erst 1537 ist Delle als Appellativ belegt:
von dannen furter die delle vßen bis ann die buech (PfäLZWb 2, 205fi).
Das Wörterbuch meldet auch die Bedeutung ,andere flache Vertiefung: Eindruck
im Blechgefäß, im Hut, im Gummiball u. ä.\ Mit Delle gebildete Flurnamen
sind auch sehr häufig belegt, wobei ihre Überlieferung nicht vor dem
16. Jahrhundert einsetzt (Dolch/Greule 1991, 529): Einige pfälzische historische
Flurnamen sind z. B. 1547 Eselsdell (CHRISTMANN 1965, 154), 1600
Herzogsdell, 1600 Ellendellgen (Zink 1923, 140). In der Pfalz kommt Delle
auch in Siedlungsnamen vor: vgl. z. B. den Siedlungsnamen Dellfeld (Lkr.
Südwestpfalz) mit den historischen Belegen 1295 Dellenveld, 1302 Gerhard
von Dellfeld: Der Name bezeichnet hier eine muldenförmige Einsenkung oder
eine flache Vertiefung im Gelände. Das Bestimmungswort Delle hat in der
Pfalz und in den angrenzenden Räumen niemals die Bedeutung von
,Schlucht', wie sie aus der mhd. Zeit sonst bekannt ist (Ramge 1979, 97;
Zink 1923, 140).
Das luxemburgische Dällt, Deelt f. (mit Dentalepithese, im Osten des
Sprachgebiets) bedeutet ,Niederung, langgezogene Talmulde'. Das Lemma
kommt auch in Flurnamen vor, vgl. die bei Echternach gelegenen Flurnamen
an der Dällt, an der Laiwerdält (LuxWB 1, 192).
DtLothrWb 85 meldet Dell f. ,Einsenkung im Boden, Hohlweg', sowohl
als Appellativ als auch in Flurnamen: Das Wort ist als mda. dèi fast allgemein
als Appellativ verbreitet; die mundartliche Variante dèlt f. mit der gleichen
Bedeutung ist in Boulay-Moselle / Bolchen (F, Arr. Boulay-Moselle), Thionville
/ Diedenhofen (F, Arr. Thionville) und Sierck (F, Arr. Thionville) belegt.
Das Wörterbuch meldet auch die Bedeutung , Vertiefung jeder Art, Beule'.
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