Full text: 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

tet auf „die Möglichkeit des Überlebens ostgotischer Namentradition für das 
achte Jahrhundert in Italien“ hin (ebd.). In einer Urkunde aus Càmpori von 
761 ist dreimal die undeklinierte westgermanische Form Blanco (CDL II, 64, 
Z. 8 und 17, 65, Z. 6) belegt, „ein genaues langobardisches Gegenstück“ 
(ebd.); vgl. noch den Personennamen Blanco (a. 960 Ravenna).5’ Das Adjek¬ 
tiv mlat. (cavallos) blancos (951/69, Ravenna) ist in der Vita Alexandri Magni 
des Leo Archipresbyter Neapolitanus belegt (NlERMEYER 132). Die italieni¬ 
sche Beleglage setzt wohl eine Verbreitung des Lemmas schon im Vulgär¬ 
lateinischen voraus: „Blancus si sarebbe diffuso in Italia [...] avanti l’ultimo 
sfaldarsi dell’unità romana, come voce d’ambiente militare adoperata dappri¬ 
ma in riferimento alla lucentezza delle armi o al candore del pelame equino.“* 54 
Die mittellateinische Beleglage für Italien lässt außerdem annehmen, dass das 
Wort sowohl dem Ostgotischen als auch dem Langobardischen nicht unbe¬ 
kannt war. Man könnte also auch eine unabhängige Ausbreitung des Lemmas in 
der Italoromania durch diese zwei germanischen Sprachen für möglich halten. " 
Germ. *blanka- ist in der Germania bereits in älteren Siedlungsnamen be¬ 
legt: 
(1) Plankstadt (Rhein-Neckar-Kreis): 771 Blanckenstat, 777 Blangkestat, 
784 Blanchenstat, 790-810 Blankenstat (GLÖCKNER 1963, Nr. 776, 
628, 1880, 730; vgl. auch Förstemann II, 1,481); 
(2) 777 Blenchibrunnon (an der fränkischen Saale) (FÖRSTEMANN II, 1, 
481); 
(3) fBlankstrut bei Gersfeld Rhön (Lkr. Fulda): 1057 kop. 12. Jh. 
Blancstruth (ANDRIEßEN 1990, 238); 
(4) Blankenheim (Kr. Euskirchen): 1112 Blankenhem (GYSSELING 149);56 
tico Longobardo. I diplomi dei duchi di Benevento. Herbert Zielinski (Hg.), Bd. 
IV, 2, Roma 2003. (Im Folgenden als CDL zitiert.) 
52 Anderer Ansicht ist aber Jörg Jarnut: Prosopographische und sozialgeschichtliche 
Studien zum Langobardenreich in Italien (568-774), Bonn 1972, Nr. 322: Er geht 
nämlich von einem Nominativ Biancanus aus. 
Sylviane Lazard: De quelques attestations anciennes trouvées dans des documents 
Ravennates, in: Revue de linguistique romane 37 (1973), 398-418, hier 405. 
4 Übersetzung: „Blancus hat sich wahrscheinlich noch vor dem endgültigen Zerfall 
der römischen Einheit als Wort aus dem militärischen Milieu verbreitet: Es bezog 
sich zunächst auf den Glanz der Waffen oder der weißen Pferde.“ - Arrigo 
Castellani: Grammatica storica della lingua italiana. Vol. 1 : Introduzione, Bolo¬ 
gna 2000, hier 45. 
55 Vgl. den Lexikonartikel zu germ. *blanka- ,bianco1 in: Elda Morlicchio (Hg.): 
LEI. Lessico Etimologico Italiano. GermaniSmi - fascicolo 5°, Wiesbaden 2008, 
9 3 2 ff. 
56 Es ist nicht auszuschließen, dass der Siedlungsname eher zu dem Personennamen 
Blanco zu stellen ist. 
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