Im Niederfränkischen (Heinsberg, Düsseldorf, Rees), Ripuarischen (Schleiden,
Düren, Aachen), Moselfränkischen (Saarburg, Bernkastel, Zell, Cochem;
in Nassau im Oberwesterwaldkreis) und Rheinfränkischen (Birkenfeld, Saarbrücken;
in Nassau im Main-Taunus-Kreis Höchst) kommt das Lemma Biese
- Biese(n), Biesem als Bezeichnung für Binsengewächse in Flurnamen vor.
Obwohl die mit Biese gebildeten Flurnamen im Rheinland allgemein Vorkommen,
sind sie in ihrer Verbreitung spärlich (DlTTMAIER 27f.). Appellativisch
kommt Biese in den rheinischen Mundarten häufig vor; oft wird das Wort in
der Pluralform verwendet, das Genus ist stets feminin. Verbreitet ist das Wort
im Niederfränkischen meist in der Form bis, PI. -za und -sa\ bisam, Pt. -saman,
-smart, bes gilt rheinfränkisch und moselfränkisch (an der Saar westlich der
Theel -f-, vgl. Schön 27) bis zum alten Lkr. Trier, an der Mosel bis Bernkastel.
Bqzam kommt im Moselfränkischen, pizam im Moselfränkischen und
Rheinfränkischen vor. Die Varianten mit -/-Suffix37 wie bista (PI.) und mit -fsind
kleverländisch; bi:star ist bergisch; besta kommt sporadisch in Kempen
und im Niederfränkischen und Ripuarischen vor (vgl. aber die Belege im
Saar-Mosel-Raum in den Abschnitten A und D). Die Bedeutung ist stets Binse,
iuncus, scirpus (RheinWb 1, 68lf.). Schön 27 verzeichnet für die Saarbrücker
Mundart das Appellativ Biisem ,Binse1, und zwar im Gebiet westlich
der Theel.
In Hessen kommt Biese f. ,Binse1 als Flurname nur spärlich vor (Holzhausen
am Hünstein, Dautphetal, Lkr. Marburg-Biedenkopf; Niedermittlau, Hasselrath,
Main-Kinzig-Kreis):33 das Namenwort ist generell in Hessen als Appellativ
nicht mehr lebendig. Binse dagegen ist appellativisch in Gebrauch und
es werden damit Flurnamen gebildet, die ihren Schwerpunkt in Südhessen haben,
wobei das flurnamenbildende Wort auch nördlich des Mains nicht ganz
selten ist.39 Gelegentlich erscheint es als Maskulinum oder Neutrum. Binse als
Name für den Binsenbewuchs konkurriert in Hessen mit Rausch und Semde,
wobei Binse nach Süden abgedrängt worden ist (HessFlnAtl Karte 127 und
Kommentar).
Lothringisch ist Bies als Femininum sowohl im Singular als auch im Plural
als Appellativ bedeutsam (F, Moselle, con Saint-Avold und con Bouzonville /
Busendorf). Die in Bouzonville belegte Lautvariante beis zeigt den moselfränkischen
sogenannten gestürzten Diphthong /ei/ (siehe weiter unten). Die
durchgängige Bedeutung ist,Binse1 (DtLothrWb 42 und 46).
rau: Die Mundart der Koschneiderei, in: Zeitschrift für Deutsche Mundarten 10
(1915), 143-202 und 237-265, hier 166.
Man kann nicht mit Sicherheit feststellen, ob hier eine Dentalepithese oder eine
Kollektivbildung zu Pflanzennamen auf -t (nhd. -icht) vorliegt.
's Die ß/ese-Belege in HessFlNAtl Karte 127 werden aus Binse etwa über -«-Ausfall
vor s und Ersatzdehnung hergeleitet, vgl. aber Teil B dieses Namenartikels.
39 Dort wird Binse meistens gesenkt und zu e gedehnt.
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