Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

von  allgemeiner  Bedeutsamkeit  sind.514 *  Ein  zentrales  Kapitel  des  Auswertungsteils
  befasst  sich  mit  der  Einbettung  der  untersuchten  ,Nordwörter4  und  ,Südwörter4
  in  die  Flumamenräume  der  Region/'"  Es  konnte  festgestellt  werden,
dass  sich  der  Großteil  der  behandelten  Namen  Wörter  in  diese  Strukturen  einfugen
  lässt:  ,Nordwörter4  sind  in  der  Regel  in  den  Namenräumen  belegt,  die  Anschluss
  nach  Norden  haben  -  über  Luxemburg,  das  Trierer  Land  oder  den  Hunsrück
  weiter  in  nördlicher  Richtung  am  Rhein  entlang  bis  nach  Norddeutschland
und  in  die  Niederlande  hinein.  ,Südwörter4  befinden  sich  meist  in  dem  Namenraum,
  der  über  das  Bitscher  Land  und  die  Zaberner  Steige  (oberer  Saargau)  zum
Oberrheingebiet  hin  offen  ist,  haben  also  Anschluss  an  das  Elsässisch-Alemannische
  und  reichen  in  ihrer  Verbreitung  teilweise  bis  in  die  Schweiz  hinein.
  Verbindungen  nach  Osten  (Pfalz,  Hessen)  sind  nur  insoweit  wirksam,  als
,Südwörter4  oder  ,Nordwörter4  an  diesen  östlichen  Räumen  teilhaben.
Viele  der  Namenwörter  erreichen  im  Saar-Mosel-Raum  die  Grenze  ihrer
arealen  Verbreitung.  Bei  einigen  Namenwörtem  war  aber  auch  festzustellen,
dass  die  Grenze  ihrer  Verbreitung  außerhalb  des  Untersuchungsraumes  liegt:
So  reichen  einige  ,Nordwörter4  gerade  noch  in  das  Alemannische  hinein,  wie
z.  B.  das  schon  von  KLEIBER  1986b  untersuchte  Namenwort  Klei.  Es  ist  zu
vermuten,  dass  uns  hier  wie  in  einigen  anderen  Wörtern  (Kleiber  1986b,
1989,  1995;  Haubrichs  1996,  2002,  2004,  2005,  2007)  Relikte  ehemaliger
früher  Vorstöße  fränkischer  Sprache  vorliegen.  Hier  liegt  ein  bedeutsames
Feld  für  künftige  lexikologische  Forschung.
In  einem  Exkurs516  wurde  die  Frage  aufgegriffen,  welche  Rückschlüsse  aus
der  Korrelation  zwischen  der  toponymischen  Verbreitung  eines  Wortes  und
seinem  Vorkommen  in  literarischen  Werken  gezogen  werden  können:  Fmhd.
Hofer  .Buckel4  kommt  in  Flurnamen  des  Saar-Mosel-Raumes  in  der  Hauptvariante
  Howert  vor  (Namenartikel  Nr.  40);  es  ist  in  diesem  Raum  aber  auch  literarisch
  belegt,  nämlich  im  Werk  der  Elisabeth  von  Lothringen,  Gräfin  zu
Nassau  und  Saarbrücken  (ca.  1397/98-1456).  Noch  in  einem  weiteren  literarischen
  Werk  kommt  das  Wort  vor:  in  der  sogenannten  Berleburger  Versübersetzung
  der  .Pilgerfahrt  des  träumenden  Mönchs4  aus  dem  15.  Jahrhundert.
Die  Berleburger  Übersetzung  ist  anonym  überliefert;  der  Entstehungsort  ist
noch  in  der  Diskussion.  Die  Feststellung,  dass  nun  gerade  in  diesem  Werk  ein
insgesamt  nicht  sehr  häufig  belegtes  und  eine  regional  begrenzte  Verbreitung
zeigendes  Wort  vorkommt,  kann  mit  gutem  Grund  -  neben  weiteren,  z.  B.
auch  lautlichen  Anhaltspunkten  -  ein  wichtiges  Indiz  zur  Beurteilung  der  Lokalisierung
  und  der  Verfasserschaft  liefern/'  Auch  hier  -  in  der  Verbindung

'”4  Vgl.  Kapitel  6.
535  Vgl.  Schorr  2000;  ferner  hier  Kapitel  7.
536  Vgl.  Kapitel  7.4.
537  Siehe  auch  Haubrichs  2002,  555;  Ders.  2007,  170.

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