Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

Es  ist  nicht  auszuschließen,  gerade  wegen  der  räumlichen  Beschränkung,  dass
das  Wort  dort  aus  dem  Flämischen  übernommen  worden  ist.  Dagegen  ist  das
Wort  in  zahlreichen  galloromanischen  Ortsnamen  (in  der  Wallonie,  in  der
Champagne,  Lothringen,  lsle-de-France)  nachzuweisen  (Gamillscheg  1970,
91).  Das  Substantiv  norm,  becque  m.  ,(Wasser-)  Graben  entlang  einer  Straße‘
und  die  zahlreichen  Ortsnamen  und  Gewässerbezeichnungen  in  der  Normandie
  (Bolbec,  Clarbec,  Drubec  usw.)  sind  wahrscheinlich  auf  anord.  bekkr  zurückzuführen
  (FEW  15/1,90;  Petri  1,  1937,  51  Off.).
C. Das  Femininum  die  Bach  ist  nur  regional  verbreitet;  es  findet  sich  heute
mundartlich  im  nördlichen  Eisass,  in  Baden  und  Württemberg,  am  Mittelrhein,
  in  Hessen24  sowie  in  Mitteldeutschland  (WALLNER  1936,  10f.);  vor  allem
  im  Niederdeutschen  ist  die  Lautvariante  Beeke  f.  ,Bach‘  zu  verzeichnen
(LERCHNER  1965,  23f.).  In  zusammengesetzten  Namen  ist  das  Wort  im  Rheinfränkischen
  -  wo  als  Appellativ  Bach  f.  gilt  (siehe  aber  unten  die  Belege  im
Saar-Mosel-Raum,  die  relikthaft  Bech  aufweisen)  -  zu  -bich,  -mich,  -mech,
-mach  und  -wach  abgeschliffen.  Nördlich  der  Benrather  Linie  ist  Beck,  Beek,
Bick(e)  in  Zusammensetzungen  zu  -mecke,  -micke  abgeschliffen.
Im  Saar-Mosel-Raum  ist  die  Verbreitung  der  femininen  bach-Formen  flächendeckend;
  sie  findet  ihre  südliche  Grenze  am  Oberrhein.  Eine  Übersicht
über  die  mit  Bach  f.  gebildeten  Siedlungsnamen  im  Saar-Mosel-Raum  bietet
SCHORR  2002,  123-136  (mit  einer  Karte):  „Das  Wort  Bach  erscheint  im  Saar-Mosel-Raum,
  anschließend  an  die  Verhältnisse  im  Nordwesten  der  kontinentalen
  Westgermania,  seit  früher  Zeit  und  noch  in  den  heutigen  Dialekten  mit
femininem  Genus“  (ebd.,  125).  Interessanter  ist  in  diesem  Zusammenhang  die
Verbreitung  der  mittel-  und  niederdeutschen  Form  Beeke  (in  verschobener
Form  Bech)  im  Saar-Mosel-Raum.  Die  Dialektverhältnisse  im  Einzelnen:
In  dem  vom  niedersächsischen  Wörterbuch  erfassten  Gebiet  ist  Beke,  Beek,
Beck(e)  m./f./n.  ,Bach,  Wasserlauf  allgemein  verbreitet.  In  den  Marschengebieten
  ist  das  Wort  nicht  belegt.  Im  Westen  des  Untersuchungsgebiets  erscheint  das
Lemma  überwiegend  feminin,  im  Osten  und  ganz  im  Süden  maskulin,  im  Südosten
  vorwiegend  Neutrum  (NSÄCHSWB  1,  900f.  und  Karte;  BremNsäCHSWb
1,  74).  In  Hamburg  gilt  Bek  f.  und  m.  ,Bach‘,  früher  und  heute  noch  in  Ortsnamen
  meist  Beck(e)  geschrieben.  Das  Genus  schwankt  zwischen  Maskulinum
und  Femininum,  was  schon  sehr  früh  zu  beobachten  ist  (16.  Jahrhundert);  das
Lemma  ist  in  Orts-  und  Flurnamen  oft  belegt  (HambWb  1,  254).

24  „Die  historischen  Belege  haben,  ebenso  wie  die  rezente  Mundart,  die  feminine
Form.  Bach  in  der  maskulinen  Form  ist  im  Untersuchungsgebiet  ausschließlich  der
Hochsprache  Vorbehalten“  (Halfer  1988,  106f.;  vgl.  auch  SHessWb  1,  520iT.).

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