1872, 452). Deutsch-lothringisch Howert und nassauisch Huwert, Hobert sind
Ableitungen von Hofer. Der auslautende Dental ist als epithetisches /, hier in
der Position nach r, zu interpretieren. Die Anfügung eines solchen Sprosskonsonanten
an den Wort- oder Silbenauslaut erfolgt seit dem 13. Jahrhundert
nach /?, r, s, ch und / Das Neuhochdeutsche übernimmt solche Formen mit
Epithese, z. B. ieman ,jemand4, dechan ,Dechant4, obej ,Obsf, hojfenlich
/öffentlich4, habech ,Habicht4 etc., vgl. auch mhd. niender neben mhd.
niendert ,nirgend" (vgl. MhdGr § L 1 18). Auch den rhein- und moselfränkischen
Mundarten des Saar-Mosel-Raumes ist die Anfügung eines
epithetischen Dentals geläufig. Als Beispiel sei das auf eine der zahlreichen
übertragenen Bedeutungen von Laus bzw. lausen zurückzuführende Schimpfbzw.
Neckwort Lausert ,Lausbube4 genannt, das eine Nebenform zu ebenfalls
belegtem Lauser (RheinWb 5, 230) ist. Des Weiteren zeigt der von KEHREIN
genannte Flurname Huwert die mitteldeutsche Hebung von /ö/ zu /ü/ sowie
die Lenisierung des stimmlosen labialen Reibelautes / im Inlaut (vgl. Ofen:
mda. öwe), während das inlautende b der ebenfalls im Nassauischen Namenbuch
verzeichneten Variante Hobert als Hyperkorrektur zu interpretieren ist,
die darauf beruht, dass in der zugrundeliegenden Mundart ein standardsprachliches
b (< germ. fbt) in sonantischer Umgebung häufig als w oder/realisiert
wird (vgl. oben: mda. öwe).
Dieselben lautlichen Entwicklungen wie die oben analysierten Flurnamen
aus dem Herzogtum Nassau zeigen die mit fmhd. Hofer gebildeten Flurnamen
des Saar-Mosel-Raumes. Sie sind ab dem frühen 17. Jahrhundert in den
Hauptvarianten Howert, Hobert und Hubert überliefert, vgl. Namenartikel Nr.
40. Die Kartierung der Belege lässt eine auffällige Konzentration im Raum
Boulay-Moselle / Bolchen und Bouzonville / Busendorf erkennen. Einzelbelege
sind in zwei moselfränkischen Gemeinden bei Sierck bzw. Cattenom / Kattenhofen
sowie im Bliesgau zu finden. Einen appellativischen Beleg Hubert,
mda. huwert ,Maulwurfshaufen4 nennt das RheinWb 3, 863 für die im Nordosten
des Saarlandes liegende Gemeinde Oberthal im Lkr. St. Wendel. Die
nassauischen Flurnamenbelege und die Flurnamenbelege des Saar-Mosel-Raumes
bilden die Nordgrenze der toponymischen Verbreitung von frnhd.
Hofer, das wegen seiner Konzentration auf den oberdeutschen Raum als ,Südwort"
gelten kann. Die Nordgrenze des Appellativs ist mit den Derivaten
hüberich, mda. hiwerich etc. ,Hügel, Felsaussprung im Felde, Höcker4 (Neuwied,
Gummersbach) erreicht (RheinWb 3, 863).
Auch literarisch ist Hofer belegt.519 Elisabeth von Lothringen, Gräfin zu
Nassau und zu Saarbrücken (ca. 1397/98-1456), hat vier französische Heldenepen
(chansons de geste), die um die Ursprünge des französischen Königtums
kreisen, in deutsche Prosa übersetzt. Eines dieser von Elisabeth übertragenen
Werke ist die fragmentarisch erhaltene altfranzösische Chanson von der Reine
M'1 Zum Folgenden vgl. auch Haubrichs 2002, 555; Ders. 2007a, 170.
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