Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

entworfene  Bild.  Während  nämlich  die  nördlichen  Regionen  (also  das  moselfränkische
  Gebiet)  von  dem  seit  etwa  der  Mitte  des  14.  Jahrhunderts  einsetzenden
  Innovationsschub  abgeschnitten  blieben  -  was  auch  für  die  Gebiete  an
der  Sprachgrenze  bzw.  am  äußersten  Westrand  des  Rheinfränkischen  zwischen
  oberer  Nied,  Rossel  und  Albe  gilt  (vgl.  z.  B.  die  Verbreitung  des  Namenwortes
  Nr.  15:  westgerm.  *(h)lär-  ,Hürde,  abgegrenzter  Bezirk')  sind
der  Eisasskeil  und  der  Pfalzkeil  für  oberrheinische  und  pfälzische  Neuerungen
geöffnet  (vgl.  z.  B.  die  Verbreitung  des  Namenwortes  Nr.  44:  Rehen  Subst.  PI.
,Weinberg').
Wenn  man  die  naturräumliche  Lage  des  Untersuchungsgebiets  betrachtet,
so  sind  keine  natürlichen  Schranken  zu  erkennen,  die  ein  Erklärungsmuster  für
die  Bildung  der  fünf  Kernräume  bieten  könnten.  Auch  das  bereits  von  Wilhelm
  WILL  1932  im  Hinblick  auf  die  dialektgeographische  Stellung  unseres
Raumes  entworfene  Bild  der  Rolle  der  spätmittelalterlichen  weltlichen  Territorien
  für  die  Bildung  von  Namenräumen  ist  nicht  zufriedenstellend:  Es  bleibt
umstritten,  ob  sie  deren  Entstehung  entscheidend  beeinflusst  haben.  Bemerkenswert
  ist  dagegen  die  Überlappung  der  sich  so  abzeichnenden  fünf  Flurnamenräume
  im  Saar-Mosel-Raum  mit  den  von  Roland  Pühl(1999,  60,  Karte
3) herausgearbeiteten  Verwaltungsstrukturen  der  frühmittelalterlichen  Gaue,
für  die  hier  eine  Rolle  als  Kommunikationsgemeinschaften,  als  „Mittel  raumreferentieller
  Kommunikation“  angenommen  werden  darf  (ebd.,  539;  vgl.
auch  Kapitel  7.1.).  Es  wird  damit  die  sonst  gerne  akzentuierte  Rolle  der  Bistumsgrenzen
  für  die  Entstehung  von  (Namen-)Räumen  relativiert,  da  im  Saar-Mosel-Raum
  keine  Parallelen  zwischen  den  Bistumsgrenzen  und  den  oben
beschriebenen  Flurnamenräumen  zu  finden  sind  (SCHORR  2000,  54).  Die  starke
  Kongruenz  zwischen  onomastischen  Räumen  und  frühmittelalterlicher
Raumorganisation  lässt  ein  hohes  Alter  der  Grundstrukuren  vermuten.
Der  Einfluss  der  alten  Fernwege  scheint  eine  entscheidende  Rolle  in  der
Ausprägung  der  späteren  Innovationsräume  im  Saar-Mosel-Raum  gehabt  zu
haben.  Der  Eisasskeil  hat  Anteil  an  alemannischen  Formen  wie  Rebe  und  Matte,
  die  sich  über  die  Zaberner  Steige  entlang  der  Straße  von  Straßburg  über
Zabern  nach  Metz  und  seit  dem  Spätmittelalter  auch  über  die  flandrischlampartischen
  Straße  vom  Eisass  aus  nach  Nordwesten  ausbreiten.  Pfälzische
Neuerungen  wie  Klamm  kommen  über  die  Altstraße  aus  Worms  an  die  untere
Blies  (Pfalzkeil),  wie  Andreas  SCHORR  2000  treffend  dargestellt  hat.  Er  hat
sicher  Recht,  wenn  er  behauptet:  „Der  Einfluss  der  Fernwege  darf  allerdings
nicht  mechanistisch  gesehen  werden.  Diese  Kommunikationswege  bieten
Möglichkeiten  an,  doch  die  Menschen  entscheiden  darüber,  ob  sie  neue
sprachliche  Formen  übernehmen  oder  an  ihren  sprachlichen  Traditionen  festhalten“
  (ebd.,  57).  Diese  Innovationsräume  waren  sehr  lange  für  sprachliche
Neuerungen  aus  dem  Süden  und  aus  der  Pfalz  offen,  weshalb  sogenannte
,Südwörter'  im  Laufe  des  Projektes  unter  Betrachtung  der  (relativen)  Chronologie
  bearbeitet  wurden:  So  weist  Matte  f.  ,  Wiese'  (Nr.  42)  als  (west)aleman¬433


            
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