wortgeographischer Ebene im Spannungsfeid zwischen westlichen und östlichen,
vor allem aber nördlichen und südlichen Spracheinflüssen. Lautliche
und wortgeographische Befunde haben bereits seit langem zeigen können,
dass sich der Saar-Mosel-Raum seit etwa der Mitte des 14. Jahrhunderts offen
für südliche und östliche Einflüsse präsentiert (Will 1932, 63ff.; Christ-MANN
1938, 17ff.). Diese besondere wortgeographische Stellung des Saar-Mosel-Raumes
im Spannungsfeld zwischen nördlichem Altwortschatz und
südlichen Neuerungen ließ sich im Laufe der Untersuchungen bestätigen und
weiter differenzieren (vgl. dazu zuletzt HAUBRICHS 2002 und 2007a). Im Namenschatz
des Saar-Mosel-Raums haben sich alte lexikalische Verbindungen
zu den ripuarischen und niederfränkischen Dialektgebieten im Norden und
Nordwesten nachweisen lassen, die sich dann durch von Süden und Südosten
vordringende Neuerungen abgeschwächt haben. In diesem Zusammenhang ist
der Frage nachzugehen, ob sich die besondere sprachliche Stellung des Saar-Mosel-Raums
u. a. mit der im frühen Mittelalter komplexen Bevölkerungssituation
der betreffenden Regionen erklären lässt. Toponomastische und archäologische
Untersuchungen gehen von einer erst ab dem 7. Jahrhundert intensiven
Frankonisierung aus (Haubrichs 1987a; Stein 1989). Umstritten bleibt,
ob die Ansiedlung der betreffenden Gebiete auf die aus dem Westen kommende
Expansion der Merowinger zurückzuführen ist oder ob sie von Norden,
aus dem Kölner Raum, erfolgte. Die beiden Möglichkeiten müssen sich nicht
gegenseitig ausschließen, sondern könnten sich auch ergänzt haben. Die Präsenz
von ,Ingwäonismen‘, die relikthaft in Flur- und Siedlungsnamen des
Saar-Mosel-Raums Vorkommen, lassen vermuten, dass dieselben über eine
eingestürzte westfränkische Brücke eingedrungen sind, worauf schon Wolfgang
KLEIBER (1986a, 1989, 1995) hingewiesen hat, und wie es auch die Ergebnisse
der vorliegenden Studie nahe legen. Der heterogene Stammesverbund
der Franken kam außerdem in den Regionen am Mittelrhein in Kontakt
mit den Alemannen. Dies kann auch damals schon sprachliche Folgen gehabt
haben. Der Saar-Mosel-Raum könnte bereits in althochdeutscher Zeit ein Begegnungsraum
zwischen nördlichen und südlichen sprachlichen Einflüssen
gewesen sein.
Andreas SCHORR hat - wie oben schon dargelegt, vgl. Kapitel 7.1. - vor einigen
Jahren die wortgeographischen Verhältnisse im Saar-Mosel-Raum auf
der Grundlage von namengeographischen Studien paradigmatisch dargestellt.
Er ist zu dem Ergebnis gekommen, dass sich hier fünf Flurnamenräume erkennen
lassen: Den nördlichen und westlichen Beharrungsräumen stehen die
Innovationsräume im Süden (d. h. in den südlicheren Regionen an der oberen
Saar, im sogenannten Eisasskeil) und im Osten (im sogenannten Pfalzkeil)
gegenüber."18 Die im Rahmen des Projekts ,Nordwörter4 und ,Südwörter4 gemachten
namengeographischen Beobachtungen bekräftigen das von SCHORR
518 Schorr 2000; vgl. auch Pitz/Schorr 2003, 87-93.
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