Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

Beim  Namenwort  Liesch  (Nr.  25)  ist  die  geographische  Verteilung  der  Varianten
  im  Saar-Mosel-Raum  differenziert  zu  betrachten:  Die  häufigste  Variante,
  Lesch/Lesch,  kommt  fast  ausschließlich  in  den  Gebieten  an  Obermosel
und  unterer  Saar  sowie  Prims  und  oberer  Blies  vor,  in  den  Namenräumen  also,
die  Anschluss  nach  Norden  zeigen  (vgl.  Kapitel  7.1.1.  und  7.1.2.).  Daher  ist
diese  Variante  als  ,NordworF  aufzufassen.  Die  vereinzelten  Belege  von
Lesch/Lesch  im  Süden  des  Untersuchungsgebietes  sind  wahrscheinlich  auf  die
einstige  Verbreitung  dieses  Wortes  bis  an  den  Westrand  der  Vogesen  zurückzuführen.
  ln  dem  über  die  Vogesen  zum  alemannisch-elsässischen  Oberrhein
offenen  Namenraum  an  der  oberen  Saar  (Eisasskeil,  vgl.  Kapitel  7.1.4.)
kommt  hingegen  Liesch  vor.
Das  Kartenbild  des  Namenwortes  Biese(n)  (Nr.  3)  zeigt,  dass  das  Lemma
fast  überall  (außer  in  den  Keilen)  verbreitet  ist.  Ausstrahlung  von  Biesen-Belegen
  ist  südwestlich  im  Flurnamenraum  zwischen  Rossel  und  Saar  zu  verzeichnen.

Zuletzt  werden  noch  zwei  Namenwörter  besprochen,  deren  Kartenbild
nicht  eindeutig  ist:
Hamm  (Nr.  13)  ist  im  Untersuchungsraum  im  Norden,  mit  Ausläufern  im
Sprachgrenzgebiet  und  Vorkommen  an  der  oberen  und  mittleren  Saar,  belegt.
Die  Verbreitung  dieses  Namenwortes  im  Saar-Mosel-Raum  ist  in  nordwestlichen
  Zusammenhängen  zu  interpretieren.
Auch  blank  (Nr.  4)  zeigt  auf  dem  Kartenbild  keine  eindeutige  Verbreitung
in  einem  bestimmten  Flurnamenraum.  Die  Verbreitung  der  Flurnamen  im
Saar-Mosel-Raum  zeigt  eine  Häufung  im  nördlichen  Saarland.  Weitere  Flurnamen
  finden  sich  im  lothringisch-westelsässischen  Namenraum  an  Rossel
und  oberer  Saar.  Es  fallt  auf,  dass  der  Pfalz-  und  Eisasskeil  in  der  Verbreitung
vollständig  ausgespart  bleiben.
7.3. Zusammenfassende  areallinguistische  Beurteilung  des
Saar-Mosel-Raums  im  Spiegel  der  ,Nordwörter4  und
,Südwörter4  {Maria  Völlono)
Das  Namenmaterial  des  Saarbrücker  Archivs  für  Siedlungs-  und  Flurnamen
des  Saarlandes  und  des  germanophonen  Lothringen  (ASFSL)  stellt  eine  ausgezeichnete
  Quellengrundlage  für  differenzierte  wortgeographische  Untersuchungen
  auf  der  Basis  des  Flurnamenschatzes  dar.  Durch  Auswertung  dieser
Quelle  konnte  in  vorliegender  Studie  ein  Anschluss  an  die  wortgeographischen
  Studien  von  LERCHNER  und  die  flurnamengeographischen  Arbeiten  von
Kleiber  und  Ramge  in  den  benachbarten  westmitteldeutschen  und  westoberdeutschen
  Räumen  gewonnen  werden.
Der  Saar-Mosel-Raum  steht  nicht  nur  auf  lautlicher  Ebene  -  er  wird  von
wichtigen  Isoglossen  des  ,Rheinischen  Fächers1  durchschnitten  (vgl.  z.  B.  die
Verläufe  der  dat/das-Lmie  und  der  fest/fescht-Lmie)  sondern  auch  auf

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