Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

rück,  passt  nicht  in  die  überlieferte  Gaustruktur,  aber  gerade  hier  ist  die  Überlieferungsgeschichte
  ungünstig  und  die  frühe  Organisationsstruktur  undeutlich
(SCHORR  2000,  54f.;  Ders.  2003,  90f.).  Die  spätmitteialterlichen  und  frühneuzeitlichen
  Territorien,  die  in  der  Sprachgeschichtsschreibung  zur  Erklärung
  bestimmter  sprachlicher  Erscheinungen  herangezogen  werden.'1’  haben
die  Ausbildung  der  Namenräume  im  Untersuchungsraum  nicht  entscheidend
beeinflusst  (SCHORR  2000,  55f.;  Ders.  2003,  91f.).  Anders  sieht  es  aus,  vergleicht
  man  den  Verlauf  der  alten  Fernwege,  die  den  Raum  durchqueren,  mit
der  Lage  der  Namenräume:  Saarbrücken  liegt  einerseits  an  der  Altstraße  von
Worms  über  Kaiserslautern  nach  Metz  und  weiter  nach  Paris,  andererseits  an
der  brabantisch-lampartischen  Straße  zwischen  den  südlichen  Niederlanden
und  Norditalien.  Diese  besondere  Lage  bietet  ein  Erklärungsmuster  tür  die
Ausprägung  der  beiden  Innovationsräume  unter  den  Namenräumen  im  Saar-Mosel-Raum.
  Dies  ist  zum  einen  der  Elsasskeii:  An  der  Römerstraße  Straßburg
  -  Metz  verbreiten  sich  über  den  Vogesenübergang,  die  sogenannte
Zaberner  Steige,  alemannische  Namenwörter  nach  Nordwesten:  seit  dem
Spätmittelalter  erfolgt  auch  über  die  flandrisch-lampartische  Straße  vom  Eisass
  aus  eine  Ausbreitung  in  nordwestliche  Richtung.  Zum  anderen  spielt  bei
der  Ausprägung  des  Pfalzkeils  der  Verlauf  der  Altstraße  Worms  -  Paris  eine
wichtige  Rolle:  Pfälzisches  Namenmaterial  kommt  über  diese  Straße  an  die
untere  Blies  (SCHORR  2000,  57;  Ders.  2003,  92f.).
ln  den  Kapiteln  7.1.1.  bis  7.1.5.  sind  die  von  Andreas  Schorr"4  charakterisierten
  fünf  Namenräume  näher  beschrieben.  Ferner  werden  die  hier  untersuchten
  Namenwörter,  die  sich  ihrer  arealen  Verbreitung  nach  diesen  Räumen
zuordnen  lassen,  im  jeweiligen  Kapitel  kurz  erläutert  (vgl.  auch  die  Belegkartierung
  zu  den  Namenwörtem  im  Anhang).
7.1.1. Der  westmoselfränkische  Raum  an  Obermosel  und
unterer  Saar
Der  westmoselfränkische  Raum  an  Obermosel  und  unterer  Saar  steht  sprachlich
  dem  Luxemburger  Gutland  und  dem  Trierer  Land  an  der  unteren  Saar  nahe.
  Von  der  luxemburgischen  Grenze  bis  an  den  Westrand  des  Regionalverbandes
  Saarbrücken  finden  sich  westmoselfränkische  Flurnamenbildungen.  In
Lothringen  reichen  die  Formen  bis  Nied  und  Rossel,  im  Nordsaarland  dünnt
das  Vorkommen  nach  Osten  hin  aus.

513  Vgl.  Will  1932.
514  SCHORR  2000,  35-51  und  79  Karte  21.

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