Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

liegenden  Studie,  die  Sammlungen  des  Saarbrücker  Archivs  für  Siedlungsund
  Flurnamen  des  Saarlandes  und  des  germanophonen  Lothringen  (ASFSL),
die  in  einer  relationalen  Datenbank  aufbereitet  wurden  und  daher  gut  auswertbar
  sind.  Ein  Ergebnis  der  Untersuchung  von  Andreas  SCHORR  war,  dass  es
wegen  der  naturräumlichen  Gegebenheiten  im  Saar-Mosel-Raum,  anders  als
im  Untersuchungsgebiet  von  Ramge,  keine  ausgeprägten  Namenschranken
oder  -scheiden  gibt.  Aber  auch  ohne  diesen  Einfluss  haben  sich,  wie  ein  Vergleich
  der  Verbreitungsmuster  ausgewählter  Namenwörter  zeigte,  fünf  relativ
deutlich  akzentuierte  Kernräume  herausgebildet:
[...]  der  westmoselfränkische  Raum  an  Obermosel  und  Unterer  Saar,  der  sprachlich
  dem  Luxemburger  Gutland  und  dem  Trierer  Land  an  der  Unteren  Saar  nahe
steht  [...],  der  Raum  an  Prims  und  Oberer  Blies,  der  enge  Verbindungen  zum
Hunsrück  aufweist,  aber  auch  Bezüge  in  die  Westpfalz  besitzt  [...],  der  lothringisch-westelsässische
  Namenraum  an  Rossel  und  Oberer  Saar  [...],  der  Elsasskeil,
  der  über  die  Vogesen  zum  alemannisch-elsässischen  Oberrhein  offene  Namenraum
  an  Oberer  Saar  und  Eichel,  der  auch  weiter  nordöstlich  gelegene  Teile
erfasst  hat  [...],  der  Pfalzkeil,  der  nach  Osten  zur  Pfalz  hin  offene  Namenraum  an
Unterer  Blies  und  Mittlerer  Saar  [...]  (SCHORR  2000,  34;  vgl.  auch  Abb.  57).
Legt  man  Lautkriterien  zugrunde,  gehört  der  nordwestliche  Teil  des  Untersuchungsraums
  zum  Moselfränkischen,  der  südöstliche  zum  Rheinfränkischen.
  Mit  dieser  dialektalen  Gliederung  lassen  sich  die  oben  beschriebenen
Flurnamenräume  nur  grob  in  Übereinstimmung  bringen:  Die  beiden  erstgenannten
  Räume  wären  moselfränkisch  zu  nennen.  Der  Eisasskeil  und  der
Pfalzkeil  können  als  rheinfränkisch  bezeichnet  werden.  Der  recht  große  lothringisch-westelsässische
  Namenraum  zwischen  Rossel  und  oberer  Saar  vereint
Merkmale  beider  Großdialekte.
Des  Weiteren  wurde  von  Andreas  SCHORR  versucht,  historische  Raumbildungen
  als  Anhaltspunkte  für  die  Erklärung  der  Namenräume  heranzuziehen.
Die  von  ihm  in  die  Betrachtung  einbezogenen  Bistumsgrenzen  erwiesen  sich
als  wenig  hilfreich  für  die  Erklärung  namengeographischer  Strukturen.  Anders
sieht  es  mit  der  Struktur  der  frühmittelalterlichen  Gaue  und  Grafschaften  des
Saar-Mosel-Raums  aus,  die  von  Roland  Puhl512  beschrieben  wurde.  Ein  Vergleich
  der  Gaustrukturen  mit  den  Namenräumen  kam  zum  Ergebnis,  dass  es  in
dieser  Hinsicht  große  Übereinstimmungen  gibt.  Der  zum  Oberrhein  hin  offene
Namenraum,  der  sogenannte  Eisasskeil,  entspricht  in  etwa  dem  oberen  Saargau
  und  dem  Eichelgau;  der  für  Neuerungen  aus  der  Pfalz  offene  Raum,  der
sogenannte  Pfalzkeil,  entspricht  dem  Bliesgau  und  der  Bliesgaugrafschaft;  der
lothringisch-westelsässische  Namenraum  an  Rossel  und  oberer  Saar  stimmt
im  Kern  mit  Seillegau,  Itongau  und  Rosselgau  überein;  der  westmoselfränkische
  Raum  entspricht  dem  südlichen  Moselgau,  dem  unteren  Saargau  und  dem
Niedgau.  Nur  der  Namenraum  an  Prims  und  oberer  Blies,  also  im  Vorhuns¬512

  Puhl  1999.

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