Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

Saal  ,Halle,  Haus,  Saal";  auch:  ,Land,  das  der  Grundherr  zum  Eigenbau
sich  vorbehält,  Herrengut"  (Nr.  29);
Wehre  f.  ,Anteil  an  der  Mark"  (Nr.  35).
b)  ,Südwörter":
Allmende  f.  gemeinschaftliches  Grundeigentum"  (Nr.  37).
An  einigen  Kategorien  haben  nur  die  ,Nordwörter"  Anteil.  Dies  kann  dadurch
  erklärt  werden,  dass  ,Südwörter"  in  geringerer  Anzahl  im  Material  repräsentiert
  sind  und  muss  kein  Indiz  für  die  Existenz  besonderer  Schichten
oder  Verteilungsmuster  sein.  Dass  in  Kapitel  6.3.1.8.  zur  Fauna  bei  den
.Nordwörtern"  nur  wildlebende  Tiere  und  bei  den  ,Südwörtern"  nur  Zuchttiere
Vorkommen,  hat  wohl  wegen  der  geringen  Zahl  der  Namenwörter  ebenfalls
keine  statistische  Relevanz.
In  einigen  Fällen  war  die  Zuordnung  eines  Namenwortes  zu  mehr  als  einer
Kategorie  erforderlich:  Rebe  ist  zunächst  eine  Pflanzenbezeichnung,  der  kollektive
  Plural  Reben,  der  in  der  vorliegenden  Untersuchung  von  besonderem
Interesse  ist,  bezeichnet  jedoch  den  Weinberg  und  ist  daher  den  Kulturnamen
(Weinbau)  zuzuordnen;  Saall-sel  kann  sowohl  ein  Rechtsterminus  (,Land,  das
der  Grundherr  zum  Eigenbau  sich  vorbehält,  Herrengut")  als  auch  die  Bezeichnung
  eines  Gebäudes  (.Herrenhaus,  Herrenhof  )  sein;  westgerm.  *(h)lär,
dessen  Etymologie  und  Semantik  nicht  abschließend  geklärt  sind,MI(1  ist  einerseits
  unter  .Bodenbedeckung"  zu  klassifizieren,  andererseits  unter  .Bauwerke";
  Trotte  ist  als  Bestandteil  der  Weinbergsterminologie  den  Kultumamen
zugeordnet,  als  Bezeichnung  einer  Anlage  zur  Weingewinnung  aber  auch  den
Bauwerken  und  technischen  Anlagen.
6.3.2.  Relevanz  der  Flurnamen  für  eine  Rekonstruktion  des
landwirtschaftlichen  Sach  Wortschatzes
Alte  landwirtschaftliche  Fachbegriffe  leben  oftmals  in  den  rezenten  Mundarten
  nicht  mehr  fort  oder  gelten  als  veraltet.  Sie  werden  mit  dem  Aussterben
bestimmter  Techniken  nicht  mehr  weiter  tradiert  oder  auch  durch  .moderne"
Ausdrücke  mit  höherem  Prestigewert  ersetzt.  Folgt  man  der  Ansicht  Wolfgang
Kleibers,  dürfte  Letzteres  jedoch  eher  selten  der  Grund  für  das  Verschwinden
  eines  Fachterminus  sein:  „Die  Ergebnisse  der  historischen  Wortgeographie
  [...]  mahnen  zur  Vorsicht  gegenüber  übertrieben  dynamischen  Auffassungen
  von  der  Flexibilität  des  Wortschatzes.  Gewisse  Denotatklassen  kleben
geradezu  am  Boden.“  (Kleiber  1975,  148).

Ml6  Dittmaier  1963,  51  f.  vertritt  einen  Bedeutungsansatz  .Hürde;  Ort,  der  von  einem
Zaun  umschlossen  ist",  während  die  Bedeutung  von  *(h)lär  sonst  vielfach  mit
,Wald,  Weide"  angegeben  wird,  so  z.  B.  Künzel/Blok/Verhoeff  487:  .intensief
benut  bos".

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