Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

Name  Pfaffeneck\  Ortsteil  von  Wingen-sur-Moder  (F,  Bas-Rhin,  con  La
Petite-Pierre):  rezenter  Name  Heideneck;  Ortsteil  von  Niedersaubach  (Stadt
Lebach,  Lkr.  Saarlouis):  rezenter  Name  Tanneck  (Wirtshaus).
Eck  kann  also  auch  in  Ansehung  seiner  Genusvarianten  wegen  seiner  großen
  Nord-Extension  nicht  als  ,Südwort4  klassifiziert  werden.
Bei  dem  ebenfalls  nicht  mit  eigenem  Artikel  bedachten  Wort  Flur  m.  ,Flur,
Feldflur,  Saatfeld4  ist  der  Genuswechsel  zum  Femininum  erst  seit  spätmittelhochdeutscher
  Zeit  belegt;  die  semantische  Weiterentwicklung  von  Flur  m.
.Hausgang4  ist  erst  im  Neuhochdeutschen  aus  dem  Niederdeutschen  aufgenommen
  worden.  Mhd.  vluor  m.  (md.  vlür)  ,Flur,  Feldflur,  Saatfeld"  (LEXER
3,  421;  belegt  u.  a.  bei  Konrad  von  Würzburg),  ahd.  fluor  m.  ,Saatfeld,  saattragende
  Flur,  Saat,  seges4  (nur  in  Glossen;  vgl.  AhdGl  3,  225),  mnd.  ßör  m.
,Estrich,  Diele,  Flur;  Feldflur4,  mnl.  vloer  m./f.  ,Boden4  (allgem.)  gehen  auf
germ.  *flöra-  m.  .Boden4  zurück,  vgl.  auch  in  anord.  flörr  m.  .Boden  zwischen
  den  Kuhständen,  Kuhstall4,  aengl.  ßör  m.  .Flur,  Fußboden;  Pflaster,
Grund,  Boden4.  Die  germanischen  Sprachen  sichern  also  eindeutig  das  Maskulinum
  als  ursprüngliches  Genus.
Im  Deutschen  ist  Flur  m.  ,Feldflur4  ererbt  und  hat  in  spätmittelhochdeutscher
  Zeit  sein  Genus  zum  Femininum  umgestellt.  Flur  m.  ,Hausgang4  ist  erst
im  Neuhochdeutschen  aus  dem  Niederdeutschen  aufgenommen  worden
(KLUGE  305f;  Orel  108;  EWA  3,422f):  „Vloer,  als  Wort  gemeingermanisch,
entwickelt  in  englisch-niederländisch-niederrheinisch-nordischem  Verbände
die  Bedeutung  .Fußboden,  Diele,  Tenne4,  die  aus  dem  Niederländischen  auch
ins  Ostmitteldeutsche,  nach  Ostfalen,  Bremen  und  in  die  Mark  gelangt44
(LERCHNER  1965,  254).  Die  Bedeutung  ,Äcker  und  Wiesen,  unbewaldete
Feldflur4  ist  vorwiegend  oberdeutsch  und  mitteldeutsch  bewahrt  (Pfeifer
361).  Eine  Auswertung  der  einschlägigen  Dialektwörterbücher  und  Flurnamenbücher
  bestätigt  diese  Beobachtung  und  ergibt  weiterhin,  dass  Flur  m.
,Saatfeld,  Äcker4  teilweise  nur  noch  als  amtliche  Bezeichnung  bekannt  ist.
„Mhd.  und  Frnhd.  tritt  das  Wort  in  der  Regel  als  st.  Mask.  auf,  fern,  und
neutr.  sind  selten.  Im  18.  Jh.  nehmen  (schwach  flektierte)  fern.  Formen  stark
zu,  so  daß  im  18./19.  Jh.  das  Genus  vollständig  wechselt.  Älter  auch  in  der
Form  ßor.  Aus  dem  Niederdeutschen  wird  das  verwandte  flur  nt.  entlehnt44
(DWB  NEUBEARB.  9,  699ff).  Flur  m.  ,Vorraum4  ist  also  eine  semantische
Weiterentwicklung.  Der  gemeinsame  semantische  Nenner  der  beiden  unterschiedlichen
  Bedeutungen  von  Flur  wäre  als  ,ebene,  flache  Fläche4  anzusetzen;
  dies  entwickelt  sich  einerseits  zu  .Feldflur,  Nutzland4  und  andererseits
über  ,(aus  Lehm  festgestampfter)  Fußboden4  zu  .Vorraum  (mit  derartigem
Fußboden)4.  In  der  Bedeutung  .Vorraum4  ist  Flur  seit  dem  18.  Jahrhundert
durch  niederdeutschen/niederländischen  Einfluss  in  das  Neuhochdeutsche  gelangt
  und  ist  daher  ein  Wort,  das  in  norddeutsche  Zusammenhänge  einzuordnen
  ist,  in  dieser  Bedeutung  aber  für  Flurnamen  keine  Rolle  spielte.
Als  Flurname  kommt  Flur  m.  im  Saar-Mosel-Raum  fast  nur  innerhalb  der

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