Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

Weiterswiller  (F,  Bas-Rhin,  c011  La  Petite-Pierre  /  Lützelstein):  1361  or.  dt.
oben  uf  der  iurren  hurst  (AD  BR  G  5446  Nr.  13);  Abtei  Hesse  (F,  Moselle,  c°"
Sarrebourg  /  Saarburg):  14.  Jh.  A.  dt.  zu  der  holler  hurste  (AD  MM  B  742  Nr.
68).  Die  beiden  Feminina  sind  im  Süden  des  Untersuchungsgebietes  situiert,
so  dass  sie  wohl  als  oberdeutscher  Import  anzusehen  sind.
An  dieser  Stelle  sind  zwei  weitere  Wörter  zu  behandeln,  die  jedoch  in  unserer
  Untersuchung  nicht  als  individuelle  Namenartikel  ausgearbeitet  wurden:
Es  handelt  sich  um  das/die  Eck(e)  und  um  der/die  Flur.  Als  Neutrum  ist  Eck
ab  mittelhochdeutscher  Zeit  vor  allem  oberdeutsch  verbreitet:  lm  14.  Jahrhundert
  ist  das  Neutrum  in  bairischen  Flurnamen  die  Regel.MK)  Für  das  Alemannische
  nennt  SONDEREGGER  1958,  592-597  einzelne  Neutra  für  Appenzell  ab
1422,  für  den  Breisgau  sind  nach  Roos  1966  bis  1500  noch  keine  Belege  bekannt.
  Im  Schwäbischen  gilt  heute  Eck  n.  als  Appellativ,  wobei  das  Femininum
  als  die  ältere  Form  angegeben  wird  (SchwäbWb  2,  533ff);  in  der
Schweiz  ist  Egg,  Egge,  Eggt  ,Ecke‘  sowohl  Neutrum  als  auch  Maskulinum
(SchweizId  1,  155ff.).  Im  Badischen  stehen  rezent  die  feminine  (also  die
standardsprachliche),  die  neutrale  und  manchmal  auch  die  maskuline  Form
nebeneinander.  Die  oben  erwähnten  historischen  Verhältnisse  lassen  einen
Vorstoß  von  Osten  eindringender  appellativischer  Neutra  annehmen,  ln  den
rezenten  Mundarten  reicht  das  Neutrum  bis  in  das  Ripuarische  und  ins  Westfalische
  und  vereinzelt  sogar  bis  nach  Hamburg  und  Schleswig-Holstein,  wo
es  jeweils  Nebenform  zum  vorherrschenden  standardsprachlichen  Femininum
ist.  Im  Saar-Mosel-Raum  zeichnet  sich  kein  deutliches  Verbreitungsmuster
der  Neutra  ab.  Die  allgemeine  Nordgrenze  der  Verbreitung  von  Eck  als  Neutrum
  liegt  ohnehin  nördlich  der  Grenzen  des  Untersuchungsgebietes.  Die  Neutra
  im  Untersuchungsgebiet  lassen  keinen  unmittelbaren  Anschluss  nach  Süden
  erkennen.  Die  Feminina  scheinen  auch  im  Saar-Mosel-Raum  die  älteren
Formen  zu  sein.
lm  Saar-Mosel-Raum  begegnet  Eck  auch  als  Grundwort  von  historischen
Siedlungs-,  Wüstungs-  und  Bergnamen  sowie  von  rezenten  Siedlungs-  (Örtsteil-)namen,
  die  freilich  zum  Genus  nichts  ergeben:
Schoeneck  (F,  Moselle,  con  Stiring-Wendel):  1437  or.  Schoneck;  fSarreck
bei  Oberstinzel  (F,  Moselle,  con  Fénétrange  /  Finstingen):  1301-1500  or.
Sareck,  fWaldeck  bei  Éguelshardt  (F,  Moselle,  con  Bitche):  1227  kop.  1461
Waldeske;  tNiedeck  bei  Hahn  (Stadt  Lebach,  Lkr.  Saarlouis):  1333  or.
Nydecke;  Burgname  Geroldseck  bei  Niederstinzel  (F,  Moselle,  con  Fénétrange):
  1183  or.  Gueroldeseke;  Ortsteil  von  Oberperl  (Gde.  Perl,  Lkr.
Merzig-Wadem):  rezenter  Name  Rabüscheck;  Ortsteil  von  Haselbourg  (F,
Moselle,  con  Phalsbourg  /  Pfalzburg):  rezenter  Name  Schacheneck',  Ortsteil
von  Erckartswiller  (F,  Bas-Rhin,  con  La  Petite-Pierre  /  Lützelstein):  rezenter

MMI  Hubert  Vogel;  Das  Salbuch  des  Heiliggeistspitals  in  München  von  1390  und  die
Register  zu  Urkunden  und  Salbuch,  München  1966,  28,  30  und  70;  Kluge  226.

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