tiert. Die Maskulina und Neutra lassen sich nun nicht, wie man es versucht
hat, als Einfluss des Genus der Grundwörter von mit Allmend(e) zusammengesetzten
Flurnamen erklären (etwa Maskulinum aus „der“ almend-wald etc.).
Anhand von dicht gelagerten historischen Belegen aus südwestdeutschen Urbaren
zwischen 1300 und 1450 konnte Konrad Kunze 1976 jedoch zeigen,499
dass die Neutra-Belege von Allmend, die sich in bestimmten Regionen (obere
Donau und unteres Eisass) häufen, sich eher analogischem Einfluss von synonym
gebrauchten, mit gemein gebildeten Wörtern wie das gemain, das
gemainmerk usw. verdanken. Beim nordelsässischen Vorkommen denkt er an
Verbindung zu nördlich anschliessenden pfälzischen Neutra, die als Relikt eines
ehemaligen fränkischen Neutrums gewertet werden könnten. Freilich bietet
die kontrastive Aufnahme der Genera für dieses Lemma im Saar-Mosel-Raum
für diese Annahme keine sicheren Anhaltspunkte. Dagegen deutet die
stärkere Konzentration im Süden (Elsass-Keil) und Südwesten (Pfalz-Keil)
eindeutig auf oberdeutsche Zusammenhänge des Wortes. So werden auch die
abweichenden Genera von Allmend(e) in diesem Raum an die pfälzischen und
unterelsässischen Vorkommen anzubinden sein.
Ein anderes Wort, dessen Genusunterschiede eventuell auch auf siedlungsgeschichtliche
Gegebenheiten zurückzuflihren sind, ist Horst m./f. ,Gestrüpp,
Buschwerk, stehen gebliebenes Unterholz, unzugängliche Hecke1 (Nr. 17).
Das Femininum kommt in der Bedeutung ,Dickicht, Gebüsch1 vor allem in
den mittel- und niederdeutschen Mundarten vor (vgl. die bereits altsächsischen
und althochdeutschen Belege), außerdem am Oberrhein, als Appellativ
und in Flurnamen. Im Schwäbischen begegnet das Maskulinum Hurst: Es bezeichnet
aber eine Sonderform der Anlage von Beeten bei der Kultivierung
nasser Böden; im Schwäbischen gilt noch die verallgemeinerte Bedeutung
,Ackerstreifen, soweit als ein Sämann werfen kann1 (SchwäbWb 3, 1921).
Den Genusunterschied versucht KUNZE 1976, 169ff. zu erklären: Nach ihm
würde im Alemannischen das Maskulinum der Hurst - das im Osten des von
ihm kartierten alemannischen Dialektgebietes und im südwestlichen Baden in
Flurnamen vorkommt - eher ein oberdeutsches Relikt darstellen (neben dem
sonst im Oberdeutschen häufigen Femininum). Die Bedeutung könnte ,kleine
Erhebung1 wie im Englischen gewesen sein und „sich von daher ohne niederdeutschen
oder oberrheinischen Einfluß spontan zum Beetbau-Terminus entwickelt
haben“ (ebd., 171). Die Genusunterschiede spielen im Saar-Mosel-Raum
nur eine geringe Rolle: Man kann feststellen, dass die maskulinen Formen
überwiegen, wobei das Femininum vereinzelt belegt ist, und zwar in
499 Kunze 1976 hat für den alemannischen Raum ebenfalls aufgrund urbarialer Aufzeichnungen
weiteres Material zusammengestellt - er untersucht u. a. die/der Furt,
derldas Pfad, die/das Bruch - und kommt ebenfalls zu dem Ergebnis, dass die Regionen
an Oberrhein und mittlerem Neckar fränkischem Einfluss gegenüber offen
sind.
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