chen Schichtung des Saar-Mosel-Raums zu liefern verspricht. Dies soll im
Folgenden an den Beispielen der Bach/die Bachldie Bech(e), der/die Hurst,
die/das Allmende exemplarisch dargestellt werden. Andere Beispiele wie die
Ecke/das Eck und die/der Flur dienen eher der Darstellung der Verschiebung
historischer Grenzen.
Die mit dem Genuswechsel zusammenhängende Problematik stellt innerhalb
der historischen Wortgeographie einen wichtigen Aspekt dar (vgl. u. a.
zusammenfassend Van der Elst 1983). Wolfgang Kleiber 1965 hat dies
treffend am Beispiel der!die Bach gezeigt: Er hat im Rahmen einer Auswertung
des halbappellativischen Flurnamenschatzes in Urbaren und Rodeln des
14. Jahrhunderts aus dem alemannischen Raum die Verbreitung von Flurnamen,
die auf -hach - sei es als Femininum, sei es als Maskulinum - enden,
analysiert. Die Untersuchung der kontrastiven Verbreitung der Flurnamen dieses
Typs hat zu dem Ergebnis geführt, dass im Alemannischen das Femininum
(mit Ausbreitung bis zum Südrand der Ortenau) ein fränkischer Import ist,
während sich zwischen Sundgau und Ortenau ein Gebiet mit maskulinem
-hach abzeichnet, ln diesem Gebiet hat die neuhochdeutsche Schriftsprache
das Femininum hach wieder zurückgedrängt: „Die Bach ist im Alemannischen
fränkischer Import und im Zuge des nord-südlichen Sprachgefälles in vorerst
nicht genau festlegbarer Zeit an den Oberrhein gekommen. Das Elsaß wurde
von dieser Sprachbewegung zuerst, und zwar vollständig, ergriffen.“496
Nach dem Flurnamenmaterial zu urteilen ist die Verbreitung der femininen
hach-Formen im Saar-Mosel-Raum flächendeckend (vgl. Namenartikel Nr.
2):49' Die Grenze zum Maskulinum ,der Bach1 verläuft weiter südlich am
Oberrhein. Während sich also in anderen Fällen die Grenze zwischen .Nordwort1
und ,Südwort‘ innerhalb des untersuchten Raumes befindet, zeichnet
sich die Verbreitungsgrenze der femininen hach-Formen außerhalb des Saar-Mosel-Raums
ab (vgl. u. a. Beyer 1954/55; Lerchner 1965, 23f.), was die
Existenz „eines ingwäonischen (niederfränkischen) Superstrats am nördlichen
Oberrhein auf der Basis onomastischer und appellativischer Zeugnisse“
(KLEIBER 1998, 891 f.) plausibel macht.
In diesem Zusammenhang ist auch eine Variante zu behandeln: Die femininen
bech-Formen, denen im Niederdeutschen heck, beeke entspricht (vgl.
Frings/Lerchner 1966, 39f.; Rosenthal 1973, 128ff.) und die wahrscheinlich
auf das Femininum germ. *bakjö f. .Bach1 zurückzuführen sind (zur noch
strittigen Etymologie vgl. Peeters 1972; Rosenthal 1973, 151; Rooth
496 Kleiber 1965, 171 ff., hier 175.
497 Eine Übersicht über die mit Bach f. gebildeten Siedlungsnamen im Saar-Mosel-Raum
bietet SCHORR 2002 (mit einer Karte): „Das Wort Bach erscheint im Saar-Mosel-Raum,
anschließend an die Verhältnisse im Nordwesten der kontinentalen
Westgermania, seit früher Zeit und noch in den heutigen Dialekten mit femininem
Genus“ (ebd., 125).
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