tazismus im 16. Jahrhundert im Untersuchungsgebiet nach: 1548 und 1559
(Jeweils kop. 17. Jh.) Wargassen (BURG 1980, Nr. 1201 und Nr. 1270). Als
Kompromissform dürfte der Beleg von 1403 (kop. 15. Jh.) Lamprecht Abt zu
Wardegassen (LA Sb Dagstuhl Nr. 791 22) zu interpretieren sein. Die Form
Wargassen geht auf eine Ausgangsform mit innervokalischem d zurück, man
vergleiche die bis in das 14. Jahrhundert die Überlieferung prägenden Formen
Wadegozinga, Wadegozingen etc.4ss Der Name der Gemeinde Wadgassen ist
in der Variante mit dem ¿/-Rhotazismus auch in einige Flurnamen eingegangen,
z. B. Cocheren (F, Moselle, con Behren-les-Forbach) 1696 or. im wargasser
brüll (AD Mos 4 E 106), amtl. Wargasserbrühl [van'gasvipry:l]. Ein
weiterer Frühbeleg für den Rhotazismus liegt vielleicht vor im Lebacher Flurnamen
an den karren born von 1563, wenn karren auf Kotten (Namenartikel
Nr. 23) zurückgeht - eine alternative Deutungsmöglichkeit wäre Korn. Das
Material des ASFSL bietet darüber hinaus keine historischen Belege für den
¿/-Rhotazismus, was so zu interpretieren sein dürfte, dass der Rhotazismus als
grob mundartlich galt und daher kaum einmal in die Quellen Eingang gefunden
hat. Eine Parallele zu Wargassen bietet aber ein Wüstungsbeleg aus der
Pfalz, ebenfalls aus dem 16. Jahrhundert: Der Name der Wüstung Hadenhausen
nordwestlich von Hornbach in unmittelbarer Nähe der Grenze zum
Saarland wird mit Rundung und ¿/-Rhotazismus über Hoden- zu Hor(e)nhausen.
So ist die Wüstung a. 1587 u. ö. als Hornhausen belegt (Dolch/
Greule 1991, 183). Dieser Beleg stützt den Befund, dass der ¿/-Rhotazismus
im Saar-Mosel-Raum für das 16. Jahrhundert nachzuweisen ist. Wilhelm
Will beschreibt die Verbreitung des Lautwandels im Saarland:
Der Wandel ist eine Sondererscheinung des Mainzer Raumes, die sich annähernd
in den Rahmen der Linien Pund! Pfund, Haus/Hüs, dat/das einfügt. Nur
grade die Westgrenze zeigt bedeutsame Abweichungen von der dat/das-Linie.
Von der Nahe nordwärts steht sie weit im dat-Gebiet, sie folgt etwa von
Bemkastel bis Koblenz der Mosel. Der südliche Abschnitt bleibt dagegen beträchtlich
hinter der dat-Linie zurück und füllt als breiter Grenzsaum das Gebiet
zwischen Saarbrücken und Zweibrücken-Homburg. Zwischen Blies und Mosel
läuft die Grenze somit fast genau südnördlich (Will 1932, 78).* 484
Eine Untersuchung zum Dialektwandel im mittleren Saarland von Hans
Ramge hat gezeigt, dass der Grenzverlauf des ¿/-Rhotazismus nicht mehr, wie
noch Ende des 19. Jahrhunderts, einer Nord-Süd-Richtung folgt, sondern nun
am Nordrand des Untersuchungsraums in West-Ost-Richtung lagert und damit
zu einer ,nördlichen4 Form geworden ist (Ramge 1982, 40f. und Karte 23).
Eines der in dieser Arbeit behandelten ,Nord Wörter4, Kotten (Nr. 23), zeigt
in seinen Mundartbelegen den ¿/-Rhotazismus. Dieser kann eintreten, da der
4xs Puhl 1999, 295, mit sprachwissenschaftlicher Erläuterung des Siedlungsnamens.
484 Vgl. dort auch S. 64 und Abb. 24.
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