einer Linie Bouzonville - Saarbrücken gelegenen Teil Lothringens sowie im
ebenfalls zum Untersuchungsgebiet gehörenden sogenannten Krummen Eisass
ist die Diphthongierung ganz unterblieben (vgl. DiWA Karte 373 =
Wenkerlemma Hause, Satz 26; WILL 1932, 72). Zwei der in dieser Arbeit untersuchten
Namenwörter sind sowohl mit diphthongierten als auch mit nicht
diphthongierten Belegen vertreten: Es handelt sich um Gereute aus mhd.
geriute n. ,Rodung, gerodetes Land' und Kaule aus mhd, kille f. ,Grube, Loch1
(Namenartikel Nr. 38 und Nr, 19), deren älteste Flurnamenbelege (gerüde/
gerade bzw. kule etc.) in den Zeitraum 15. Jahrhundert bis frühes 16. Jahrhundert
fallen, in die Zeit also, bevor die Ausbreitung der Digraphie den
Untersuchungsraum erreichte. Daher zeigen die erwähnten historischen Belege
keine Diphthongierung.
Eine Besonderheit findet sich im südlichen Moselfränkischen: Nach der ursprünglichen
Monophthongierung von mhd. /ie/, /uo/, /üe/ zu /1/, /ü/, /ü/ tritt sekundär
eine neuerliche Diphthongierung ein. Das Resultat dieses Vorgangs sind
die sogenannten gestürzten (nach anderer Terminologie: steigenden) Diphthonge
- mhd. /ie/, /uo/, /üe/ entsprechen nun nhd. dialektal /ei/, /ou/, /oi/ -, die
sich außer in dem bereits erwähnten Dialektraum auch im Nordbairischen/Nürnbergischen
und im Zentralhessischen finden.4S“ Ein Beispiel aus
dem Untersuchungsraum ist das Namenwort Biese (zurückzuführen auf mhd.
biese f. .Binse1; vgl. Namenartikel Nr. 3): In den moselfränkischen Landkreisen
und Kantonen Saarlouis, Merzig-Wadem, Boulay-Moselle / Bolchen,
Bouzonville / Busendorf, Sierck-les-Bains und Cattenom / Kattenhofen zeigen
die mit ['beizo-j transkribierten Mundartbelege den auf mhd. /ie/ zurückführenden
sogenannten gestürzten Diphthong /ei/. Dialektformen mit gestürztem
Diphthong gibt es auch beim Namenwort Fließ (Nr. 11). Einen gestürzten
(steigenden) Diphthong /ou/, der auf mhd. /uo/ zurückgeht, haben einige der
historischen und mundartlichen Belege des Namenwortes Pfuhl (zurückzuführen
auf mhd. phuol m. ,Pfuhl1). Diese Erscheinung betrifft jedoch nicht nur
die moselfränkischen Belege, sondern ist auch darüber hinaus verbreitet, so
dass sie teilweise sicher anders erklärt werden muss; Es ist vielleicht mit der
französischen Graphie (ou) für /ü/ zu rechnen. Beim Namenwort Biese wie
auch bei Pfuhl überwiegen monophthongierte Belege wie ['bi:zo-] bzw. ['pu: 1J.
Haubrichs 2007a, 165-170.
482 Vgl. Wiesinger 1970, Bd. 2, passim; Ders. 1983a, 1080.
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