überzwerch ,quer, schräg1 im appellativischen Gebrauch, vgl. BayWb 1, 20
und 2, 1182. In der Basler Mundart kommt ilberzwärch Adj. ,quer‘ vor
(Seiler 1879, 330). Im Schweizerischen ist iibertwerch Adj./Adv .quer,
schräg, diagonal1 belegt (SCHWEIZlD 1, 158 und 14, 1826), wobei im St. Galler
Raum die Zusammensetzung Überzwerishölzli n. ,ein kleines, aber lästiges
Hindernis4 vorkommt (DWB 23, 693; SCHWEIZlD 2, 1265). Im Tiroler Raum
ist überzwerchs Adv. ,querüber1 einst 1526 als Appellativ belegt
(Schöpf/Hofer 834).
D. Als Appellativ ist überzwerch im Saar-Mosel-Raum bereits 1603/04 in einer
deutschsprachigen Originalurkunde nachzuweisen, vgl. Veckersviller:
1603/04 or. dt. vff ein klein steinlin Überzwerg (AD MM B 780-9 fol 136r). In
Flurnamen des Saar-Mosel-Raums ist überzwerch erst im 18. Jahrhundert belegt
(sowohl im Norden als auch im Süden des Untersuchungsgebiets). In der
Flurnamengebung ist zunächst zu unterscheiden, ob das Adjektiv als Bestimmungswort
des Namens auftritt oder ob eine Substantivierung vorliegt.
Überzwerch begegnet im Saar-Mosel-Raum entweder als Bestimmungswort
eines Kompositums oder (als Substantiv f.) als Simplex oder mit attributiven
Adjektiven, die die Lage im Gelände spezifizieren, vgl. Goerlingen:
Iwwerzwärche \m/tsvenp]; Ottwiller: Ingerste iwwertzwärsche ['iqefto
ivütsveujb]. In adverbialem Gebrauch ist überzwerch auch belegt, vgl.
Kleinblittersdorf: 1789 or. dt. gredelinger überzwerch, In Gredlingen über
zwerch ['kredlup 'LvBtsve:^].
Das Fehlen weiterer älterer historischer Belege macht Aussagen über den
einstigen Geltungsbereich des Lemmas unsicher. Die Streuung der Belege an
der oberen Saar und im Krummen Eisass zeigt Anschluss nach Süden und
rückt das Lemma in oberdeutsche wortgeographische Zusammenhänge. Die
appellativische Verbreitung des Lemmas ist aber viel umfassender (vgl. Abschnitt
C): Sie reicht nämlich bis zum Moselfränkischen und Hessischen. Also
scheint die allein südliche Flumamenverbreitung zu trügen; es handelt sich bei
der Verwendung als Flurname eher um eine Reliktlagerung, die vom Eisass
her gestützt ist.
(M. V.)
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