Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

.quer'  (auch  im  übertragenen  Sinn  .verkehrt,  verdreht1)  belegt  (Kehrein
1891,414;  HNassWb  4,  210).  Appellativisch  begegnet  überzwerch  Adv./Adj.
,quer,  kreuzweise,  überkreuzt1  in  Südhessen:  Einen  Erstbeleg  bildet  die  Nennung
  in  einem  Weistum  aus  Bretzenheim  (Stadt  Mainz)  aus  dem  Jahre  1578,
wo  es  heißt  der  amptman  zur  zeit  gibt  das  u  b  e  rz  wc  rg  holtz  darauf/'(SHESS-Wb
  6/1,  34ff.).  Die  übertragene  Bedeutung  .verkehrt,  verdreht;  ungeschickt1
kommt  in  Südhessen  auch  vor.  Als  Flurname  ist  überzwerch  in  Hessen  nur  in
Südhessen  belegt  (HessFlnAtl  Karte  10  und  Kommentar):  vgl.  1518  Am
vberzwerchen  morgen  (SHessFln  932),  1705  auf  das  Überzwerg  Gewann
ebd.,  1719  am  überzwerchen  weg  (Gimbsheim,  Lkr.  Alzey-Worms,  RAMGE
1979,  284).  Bei  den  mit  dem  Adjektiv  überzwerch  gebildeten  Flurnamen  handelt
  sich  um  quer  liegende  Flurstücke  oder  Gewanne.
Für  die  Pfalz  (nur  mancherorts  in  der  Vorder-  und  Westpfalz)  gilt
überzwerch  Adj.  ,quer,  diagonal,  überkreuzt',  vgl.  z.  B.  de  iwwezweche
Acker  ,der  schräg  gegenüber  angrenzende  Acker1  (Lkr.  Südwestpfalz)  oder  de
iwwe'zwe  che  Acker  ,der  schräg  gegenüber  angrenzende  Acker1  (Lkr.  Südliche
Weinstraße)  (PfälzWb  6,  862ff.).  Urkundlich  ist  das  Appellativ  1501  belegt:
und  ist  abgesteinet  mitten  im  garten  uberzwerchs,  bisz  uf  die  bache
(PfWeist.  587,  Schifferstadt,  Rhein-Pfalz-Kreis).  Die  Bedeutung  ,verdreht,
verkehrt,  ungeschickt1  ist  in  der  gesamten  Pfalz  verbreitet.  Es  wird  nicht  auf
Flurnamen  hingewiesen.
Die  Saarbrücker  Mundart  kennt  das  Substantiv  Iwerzwerg  nt.  .Taugenichts1
und  Iwwerzwercher  m.  .Frechling1;  iwwerzwerch  wird  auch  als  Adjektiv  mit
der  Bedeutung  ,überzwerch,  mürrisch1  verwendet  (BRAUN/MANGOLD  149;
Schön  108,  235).  Das  Lemma  kommt  auch  in  Flurnamen  vor,  vgl.  die  Belege
in  den  Abschnitten  A  und  D.  Für  die  deutsch-lothringischen  Mundarten  verzeichnet
  DtLüthrWb  264  iwerzwerch  (-tswerx  Arr.  Forbach  und  Sarreguemines
  /  Saargemünd;  -swer/  Arr.  Sarreguemines  /  Saargemünd  und  Boulay  /
Bolchen;  -tsweri/  Pfalzburg,  Arr.  Sarrebourg  /  Saarburg)  Adv.  ,quer,  verkehrt1
und  im  übertragenen  Sinn  ,schlau,  verdreht,  mutwillig1  auch  als  Substantiv
Iwerzwercher  m.  ,ein  mutwilliger  Junge1;  Flurnamen  werden  nicht  genannt.
Im  Elsässischen  ist  überzwerch  Adv.  ,quer,  verkehrt1  im  gesamten  Dialektraum
  verbreitet,  ohne  Hinweis  auf  Flurnamen.  Davon  abgeleitet  ist  das  Adjektiv
überzwerch,  vgl.  E  üwerzwercher  Kerl  .Querkopf  (Horburg,  Arr.  Colmar)
(ElsWb  2,  927).  HistWbEls  369  belegt  für  den  Straßburger  Raum  den  appellativischen
  Gebrauch  von  überzwerch  ,quer,  verkehrt1  bereits  im  16.  Jahrhundert.
Für  den  schwäbischen  Raum  verzeichnet  SchwäbWb  6,  74f.  überzwerch
Adv.,  Adj./Subst.  ,quer  herüber1:  Appellativisch  begegnet  das  Lemma  bereits
im  15.  Jahrhundert  und  wird  auch  im  übertragenen  Sinn  .schief,  ungeschickt,
unpassend1  verwendet.  Mit  diesem  Wort  gebildete  Flurnamen  sind  ebenfalls
bekannt,  vgl.  Im  Überzwerch,  Überzwerchacker  (ohne  chronologische  Angaben).
  Das  Femininum  Überzwerche  f.  .Quere,  Breitendimension1  ist  ebenfalls
belegt  (1490),  gilt  aber  heute  als  ausgestorben.  Für  den  bayerischen  Raum  gilt

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