Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

Nr.  48
überzwerch  Adj.  ,quer(-liegend),  schräg4
A.  Auersmacher  (SB):  1786/88  or.  dt.  in  den  überzwerch  längten  /  in  der  lach
(die  überzwerchahnung)  (GEB),  o  Überzwerg  Ahnung  ['ivntsvecf  '0:11113]■
Goerlingen  (Dr):  o  Iwwerzwärche  [ivu'tsvenjo].  Kleinblittersdorf  (SB):  1789
or.  dt.  gredelinger  überzwerch  (GEB),  o  In  Gredlingen  über  zwerch  ['kredlnp
Tvctsve:^].  Leyviller  (Gt):  o  Iwwertzärch  daastain  [jvntsent;  'da:Jtain],
Metting  (Pb):  1741  or.  dt.  am  überzwerchen  berg  (AD  Mos  E  depot  466  1  G
1).  Ottwiller  (Dr):  o  Oowe  an  de  eewerste  iwwerzwärsche  [o:vo  an  do  e:vnjta
'ivutsvenja],  Ingerste  iwwertzwärsche  ['iqnjta  ivetsvenjo],  Forde  eewerste
iwwezwärsche  [fondo  e:vnj’ta  ivn'tsvenjo],  Eewerste  iwwerzwärsche  [e:vnjta
'ivntsvepjo].  Ratzwiller  (SU):  o  Iwwerzwärch  (Wntsvenq].  Sarreguemines  /
Saargemünd  (Sg):  o  Iwwerzwärch  ooning  ['ivndsvenQ  '0:11113].
(Vgl.  Abb.  56)
B.  Das  Adjektiv  überzwerch,  mhd.  übertwerch,  überzwerch  ,schräg,  quer,
querlaufend1  (Lexer  2,  1599),  frnhd.  vberczwerch,  überzwerß,  Adv./Adj.
,quer,  diagonal,  schräg1  (BAUFELD  233)  setzt  sich  aus  der  Präposition  über
und  dem  Substantiv  zwerch  zusammen  und  stellt  eine  Sonderform  zu  zwerch
dar  -  vgl.  ahd.  twer  (AhdGl  2,  332  s.  v.  dwerah),  dwerh,  dwerah,  twerah
(AhdGr  §  167  Anm.  8),  mhd.  twer,  twerch,  dwerch  (LEXER  2,  1600).463  Die
Bedeutung  ist  wie  nhd.  quer  ,quer(-liegend),  schräg1.  Wie  zwerch  lebt
überzwerch  überwiegend  in  den  oberdeutschen  Mundarten  weiter  (DWB  32,
1085  und  23,  693;  KLUGE  939),  wobei  Belege  vereinzelt  auch  weiter  nördlich
bis  zum  Moselfränkischen  und  Hessischen  Vorkommen.
C.  Nach  den  Dialektwörterbüchern  zu  urteilen  erreicht  das  Appellativ  iiberzwerch
  Adj  ./Adv.  ,quer‘  (auch  im  übertragenen  Sinn;  das  Substantiv  Überzwerjer
  m.  ,Quertreiber1  kommt  ebenfalls  vor)  seine  nördlichste  Grenze  in
Koblenz  und  in  Frankfurt  (RheinWb  9,  10),  wo  es  bereits  in  einer  Butzbacher
Urkunde  aus  dem  Jahr  1569  (überzwerch  feld)  belegt  ist  (FrankfWb  6,  3290;
DlEFENBACH/WÜLCKER  882);  im  Osten  ist  das  Adverb  überzwerch  in  Thüringen,
  genauer  im  Itzgründischen  (alter  Kr.  Sonneberg)  nachzuweisen.
Das  Adjektiv  überzwerch  ,kreuzweise,  im  rechten  Winkel  zu  etwas  anderem1
  ist  als  Appellativ  im  Rheinfränkischen  und  im  Moselfränkischen  (Saarlouis,
  Merzig,  Trier  bis  Koblenz,  Bitburg,  Köllig,  Neuwied,  Flammersfeld,
Horhausen,  Solingenfeld)  belegt.  Der  übertragene  Sinn  ,verkehrt,  verdreht;
überspannt1  lässt  sich  ebenfalls  nachweisen  (RHEINWB  9,  10;  Conrath  280).
Überzwerch  ist  als  Appellativ  im  Hessisch-Nassauischen  in  der  Bedeutung

4("  Das  WMU  3,  1792  kennt  Belege  u.  a.  für  den  süddeutschen  Raum.

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