Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

die  throtte  darin;  1330  der  herrun  trotte  (deutsche  Schweiz).  Das  SCHWEIZlD
2,  1734  hat  Trott(en)haus  n.  ,Keltergebäude4,  mit  Überlieferung  ab  dem  14.
Jahrhundert,  in  appellativischer  Anwendung.454
Der  Befund  der  Wörterbücher  und  historischen  Belege  ergibt,  dass  -  ungeachtet
  der  älteren  bis  in  die  Niederlande  und  nach  England  weisenden  Beziehungen
  -  Trotte  in  Spätmittelalter  und  Früher  Neuzeit  als  oberrheinisches  und
schweizerisches  Wort  zu  gelten  hat.
D. In  unserem  Raum  kommt  Trotte  im  Flurnamenmaterial  in  der  Zusammensetzung
  Trothüß  nur  einmal  vor.  Die  deutschsprachige  kopial  überlieferte  Urkunde
aus  dem  Jahre  1499  wird  in  der  Stadtbibliothek  Trier  aufbewahrt:  Es  handelt
sich  dabei  um  eine  Besitzabtretung  eines  Grundstückes  (in  der  Urkunde:  eine
pletz  do  selbstgelegen  genant  das  alte  Trothüß)  in  Bezange-la-Petite  (in  der  Urkunde
  mit  deutschem  Exonym:  Bessingen)  im  Namen  der  Abtei  St.  Maximin
vor  Trier:46"  Die  explizite  Überlassung  als  Baugrundstück  (in  der  Urkunde:  einen
  hüß  schüre  oder  anders  zu  büwenn)  bekräftigt  die  Interpretation  von
Trothüß  als  Flurname  (am  Ort  einer  ehemaligen  Kelterei).  Der  Ort  Bezange-la-Petite,
  der  sich  heute  im  französischsprachigen  Gebiet  befindet,  lag  wohl  ursprünglich
  und  noch  im  Spätmittelalter  diesseits  der  Sprachgrenze;* 461  der  Beleg
korrespondiert  mit  den  Belegen  aus  dem  oberen  Saargau  um  Sarrebourg  /
Saarburg  und  Sarreguemines  /  Saargemünd  sowie  dem  Bitscher  Land  an  der
Grenze  zum  Eisass  (DtLothrWb  107).46~  Das  Lemma  steht  eindeutig  in  südwestlichen,
  über  das  Eisass  vermittelten  Zusammenhängen,  wie  auch  aus  den
einschlägigen  Dialektwörterbüchern  der  benachbarten  Regionen  hervorgeht.

4y)  Die  Basler  Mundart  kennt  sowohl  Trotte  ,Torkel,  Kelter4  als  auch  das  Verb  drotte
.pressen,  keltern4  (Seiler  1879,  85).
460  Reiner  NüLDEN/Thomas  Giessmann:  Eine  Güterrenovation  der  Abtei  St.  Maximin
vor  Trier  aus  dem  ausgehenden  15.  Jahrhundert,  in:  Landeskundliche  Vierteljahrsblätter
  33  (1987),  3-17.
461  Vgl.  zu  dieser  Fragestellung  die  Arbeiten  von  Witte  1894;  Emst  Karpf:  Zu  administrativen
  und  kulturellen  Aspekten  der  Sprachgrenze  im  spätmittelalterlichen  Herzogtum
  Lothringen,  in:  Rheinische  Vierteljahrsblätter  51  (1987),  167-187;  Dieter
Heckmann:  Zum  Persönlichkeitsbild  des  Metzer  Patriziers  Andre  Voey  de  Ryneck
1444-1525/29,  in:  Jahrbuch  für  westdeutsche  Landesgeschichte  15  (1989),  43-66;
Ders.:  Die  Deutschordensniederlassung  Metz  (1210/vor  1241-1552),  in:  Wolfgang
Haubrichs  u.  a.  (Hgg.):  Grenzen  erkennen  Begrenzungen  überwinden.  Festschrift
  für  Reinhard  Schneider  zur  Vollendung  seines  65.  Lebensjahres,  Sigmaringen
  1999,  237-248;  Ders.:  Das  Urbar  der  Deutschordenskommende  Metz  von
1404(-1406),  in:  Rheinische  Vierteljahrsblätter  64  (2000),  168-207;  vgl.  ferner
Leonhard  Thome:  Die  Salzfabrikation  in  den  Lothringischen  Salinen  bis  zur  Zeit
der  Französischen  Revolution,  in:  Zeitschrift  für  die  Geschichte  der  Saargegend  20
(1972),  45-76.
4<,:  Kartiert  wurden  der  singuläre  Datenbankbeleg  sowie  die  lothringischen  und  elsässischen
  Mundartbelege  (vgl.  Abb.  54).

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