Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

Wissembourg  /  Weißenburg)  belegt,  ln  der  Bedeutung  ,Obstpresse,  ursprünglich
  wohl  der  Ort,  wo  der  Wein  durch  Treten  ausgepresst  wird4  ist  Trotte  im
Kochersberg  und  im  Zorntal  bekannt,  vgl.  auch  die  Glossen  trote  prelum  und
Forcular  drotte  Weinkelter.  Die  abweichende  Bedeutung  ,Ölmühle4  kommt  in
Hirsingen  (Arr.  Altkirch)  vor,  während  die  Bedeutung  ,zylinderförmiges
Holzgefäss,  auch  Syrtrot  genannt,  in  welchem  die  Käse  geformt  werden4  im
Münstertal  bekannt  ist  (ElsWb  2,  768  und  946).  Das  Wörterbuch  der  mittelhochdeutschen
  Urkundensprache  (WMU  3,  1776)  kennt  vier  sichere  Belege
für  Trotte  aus  dem  südelsässischen  Raum  (1269-1291),  dazu  südlich  anschließend
  für  die  Schweiz  (Basel,  Zürich,  Rheinfelden,  Schaftbausen)  sechs  Belege
(1278-1296).  Im  Wörterbuch  der  deutschen  Winzersprache  (WDW)  ist
Trott(en)-haus  n.  ,Gebäude,  in  dem  die  Presse  steht4  verzeichnet:  Im  Untersuchungsraum
  des  WDW  kommt  das  Lemma  im  Eisass,  und  zwar  in  Wolxheim,
Bergheim,  Sigolsheim  (an  der  elsässischen  Weinstraße)  als  mda.  [trothys]  und
in  Dambach-la-Ville  (ebenfalls  an  der  elsässischen  Weinstraße)  als  mda.
[drothys]  im  Süden  vor;  außerdem  ist  in  Pratteln  (CH,  Kt.  Basel-Landschaft)
mda.  [trotahuis]  belegt.  In  der  Bedeutung  ,Gebäude,  in  dem  die  Traubenmühle
steht4  kommt  es  in  Bergheim  (F.  Haut-Rhin:  mda.  [trothys])  vor.456
Das  BadWb  1,  571  meldet  (als  Appellativ)  Trotte  f.  ,Kelter4457  (Überlieferung
  bereits  im  14.  Jahrhundert)  und  die  Zusammensetzungen  Trottewein  m.
Jener  Anteil  vom  gekelterten  Wein,  den  der  Besitzer  einer  Trotte  dafür  beansprucht,
  dass  er  einen  anderen  keltern  ließ4  (Belegjahr  1900)  und  Trotthaus  n.
,Torkelhaus4.  Trutthaus  n.  ist  bei  Lilienhof  (Kaiserstuhl)  belegt  (vgl.  auch
Trottschopf  m.  ,Kelterschuppen4).  In  mittelhochdeutschen  Urkunden  des  südbadischen
  Raumes  um  Breisach  und  Freiburg  findet  sich  Trotte  schon  für  das
13.  Jahrhundert  (1278-1299)  neunmal  (WMU  3,  1776).  Das  Schwäbische
Wörterbuch  (SchwäbWb  2,  408)  meldet  den  appellativischen  Gebrauch  von
Trotte  f.  .Kelter4,4^5  mit  Überlieferung  ab  dem  14.  Jahrhundert,  wobei  insgesamt
  Kelter  häufiger  belegt  ist,  und  am  Bodensee  Torkel  gilt.  BUCK  1931,283
kennt  für  das  Oberdeutsche  Trotte  f.  ,Kelter;  Stampf-,  Pressmühle4:  1365
Boxhirnis  trotte  (zwischen  Schwarzwald  und  Rhein);  1347  der  wingart  und

456  Der  Wortartikel  Trott(en)-haus  aus  dem  Wörterbuch  der  deutschen  Winzersprache
ist  auf  der  WDW-DVD  4  veröffentlicht;  weiteres  Material  wurde  von  der  Arbeitsstelle
  des  WDW  (Maria  Besse,  Roland  Puhl)  für  die  vorliegende  Publikation
freundlicherweise  bereitgestellt.
4:~  Das  BadWb  1,  571  vermerkt  dazu:  „Das  Stichwort  fehlt  dem  Norden,  fehlt  aber
auch  den  echten  lebenden  Mundarten  unseres  Bodenseeufers“,  wo  dagegen  Torkel
vorkommt.
4"'K  Insbesondere  aber  die  (kleinere)  Presse  für  Obstmost,  namentlich  in  Weingegenden.

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