Eine Korrektur des von Frings entworfenen, eben dargestellten kartographischen
Bildes für das südliche Rheinland bietet der Historische südwestdeutsche
Sprachatlas (KLEIBER/KUNZE/LÖFFLER 1, 1979, 27 und 2, 1979, Karte E
17): Torkel hat danach am nördlichen Oberrhein und im mittleren Neckargebiet
nie Geltung besessen. In der von KLEIBER erstellten Karte (vgl. hier Abb.
55) zeichnet sich die landschaftliche Heteronymik entlang des Rheins schon
während des 13. bis 15. Jahrhunderts mit großer Klarheit ab: Trotte gilt am
Oberrhein, Kelter findet sich am nördlichen Oberrhein und am Neckar, Torkel
dagegen am Bodensee. Diese drei Wortareale konnten sich seit dem 13./14.
Jahrhundert grundsätzlich unverändert bis heute behaupten (vgl. auch
Kleiber 2004b, 9-11; Steffens 2006, 187ff. s. u. Kelter). Post 2004 hat die
Karte von Frings auch für die nördlich anschließenden Gebiete mit derjenigen
über die Bezeichnungen für die Traubenpresse des WKW (WKW 96)
konfrontiert. Aus dem Vergleich ergibt sich ein gerade in Bezug auf die Ausbreitung
und Streuung des Wortes Trotte und dessen Verhältnis zum Wort
Kelter aufschlussreicheres Bild. Vor allem die Genusunterschiede werden hier
deutlich erfasst: Kelter ist an Mosel, Ahr und zum Teil am Mittelrhein maskulin,
in den übrigen Verbreitungsgebieten ist es dagegen feminin wie im Neuhochdeutschen.
Das lässt sich durch die Annahme erklären, „dass das Wort
Kelter erst sekundär Gebiete überlagert hat, die ehemals von dem heute nur
noch in der Südwestecke bezeugten Wort Trotte besetzt waren“ (POST 2004,
165). Die ältere Überlieferung des Wortes Trotte schließt Belege bei Hildegard
von Bingen und dann im Nordwesten, im Mittelniederländischen und
Angelsächsischen ein.
Aus der Auswertung der Dialektwörterbücher und der Flurnamenarbeiten
ergibt sich folgendes differenziertes Bild:
DtLothrWb 107 kennt für die deutsch-lothringischen Mundarten das appellativisch
gebrauchte Lemma Drott f. .Kelter, Obstpresse. Ursprünglich der
Ort, wo der Wein durch Treten ausgepresst wird‘4M (mda. dröt, tröt in Etting
bei Saargemünd, Reding bei Saarburg, Haspelschiedt bei Bitche, Saarburg
usw., also auch im Süden des Untersuchungsgebietes, vgl. oben, Abschnitt A).
Im Eisass ist Trott(e) f. als Bezeichnung für die .Kelter4 im gesamten Dialektraum
verbreitet. Das Diminutiv Treib ist in Dürrenenzen (Arr. Colmar),
Tretl in Ingweiler (Arr. Saveme / Zabern) belegt. Weiter kommt auch die Zusammensetzung
Trotthus n. ,Kelterhaus4 vor, und zwar in Reichenweier (Arr.
Ribeauville / Rappoltsweiler).4x^ Das Synonym Kelter ist in Betschdorf (Arr.
454 Vgl. altlothr. träte ,pressoir1 (1293) sowie trot .pressoir4 bzw. .maison communale
où se trouve le pressoir communal4 in Lapoutroie (F, Haut-Rhin) und in der Ajoie,
in Delémont und in Charmoille (CH, Kt. Jura) (FEW 17, 371). Robert Brod: Die
Mundart der Kantone Château-Salins und Vie in Lothringen, Diss. Halle 1912, 33
verweist bezüglich des Vokalismus auf Trotte: „Vor Doppelkonsonanten bleibt gedecktes
q überall erhalten: kçt germ. *kotta, trgt trotte.“
455 Oesterley 1883, 697.
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