hüs, trottehüs, trothüs st. n. ,K.elterhaus‘ (LEXER 2, 1530), mhd. winirote, wintrotte
sw. f. Torcular1 (Lexer 3, 919).
In althochdeutscher Zeit ist trota wie folgt belegt: im Glossenapparat zu
den Psalmen Notkers (torculare : trota, STEINMEYER/SlEVERS 1, 293, Z. 53),
ferner in der elsässischen Glossierung im Hortus deliciarum der Herrad von
Landsberg (prelo : träte, ebd., 3, 412, Z. 33); bei Notker kommt auch (in)
uuintrotön, (in) torculari vor (Graff 5, 522). Auch bei Hildegard von Bingen
begegnet droda (Steinmeyer/Sievers 3, 400, Z. 3); das Wort reichte also
nördlich bis ins Rheinfränkische hinein. Im Summarium Heinrici, um 1020 im
Wormser Raum entstanden, aber in vorwiegend oberdeutschen Handschriften
überliefert, erscheinen trota (calcatorium : torcular : trota, ebd., 315, Z. 14)
und truta (calcatorium : torcular : truta ebd., 297, Z. 46). Das althochdeutsche
Wort dient also als Interpretament zu den lateinischen Lemmata
prelum, torcular und calcatorium A ] Die mittelhochdeutsche Urkundensprache
kennt nur Belege aus dem alemannischen Raum (WMU 3, 1776). Im ostfränkischen
Tatian (Fulda, um 830) kommt dagegen das lateinnahe Lehnwort
calcatura vor (Tatian 124,1 ).452
Das Verbreitungsgebiet von Trotte war also in alter Zeit wesentlich größer,
was auch die altenglischen und mittelniederländischen Belege vermuten lassen.
C. Trotte f. ,Trauben-, Weinpresse1 (DWB 22, 1075f.) hat heute und seit langem
nur regionale bzw. dialektale Geltung und ist auf den deutschen Südwesten
beschränkt. Das Wort ist, was die areale Verbreitung angeht, in seiner
Konkurrenz zu anderen Synonymen für die (Wein)kelter zu betrachten.
Frings/Müller 1966, Karte 9 (vgl. Frings/Müller 1968, 136-141) haben
die Synonymik der Kontinuanten von lat. calcatorium, lat. torculum, dt. trota,
frz. pressoir kartographisch dargestellt: Danach gilt Kelter nur in Weinbaugebieten
und ihrer Nachbarschaft, wobei die Grenze des Wortes Kelter nach den
Materialien des RheinWb 4, 407ff. etwa an der Ahr-Sieg-Linie liegt.* 4"' Nördlich
dieser Linie erscheint auf rheinischem Boden pä(r)s, pars, vgl. mnl., nnl.
pers(e) und dt. Presse (KLUGE 719; RheinWb 6, 524). ln Lothringen, Eisass,
Baden, Schwaben und in der Schweiz gilt dagegen Trotte, während in Schwaben
(neben Trotte) sowohl Kelter als auch Torkel Vorkommen, woran sich in
Tirol Torkel, in Oberitalien torchio < lat. torculum anschließen (REW 729),
451 Vgl. auch AhdGl 61f.
4 “ Tatian. Lateinisch und altdeutsch mit ausführlichem Glossar. Hg. von Eduard
Sievers, 2. neubearbeitete Ausgabe, Nachdruck Darmstadt 1961, 176. - Weitere
Belege zu calcatura in Frings/Müller 1968, 136ff., hier 138.
4x' Vgl. auch Dittmaier 137: Das romanische Lehnwort Kelter ist in den rheinischmoselländischen
Weinbaugebieten verbreitet. Auch Kelterhaus ist an der Mosel,
aber auch noch in Düren-Ginnick und in Siegkreis-Eitorf (Kellers) in Flurnamen
bezeugt.
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