Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

Form  Schwann  und  die  gutturalisierte  Form  Schwang  -  tritt  in  allen  drei  Genera
  auf  und  bedeutet  zum  einen  ,Flau,  Kahlschlag  in  einem  Walde\  zum  anderen
  wird  damit  der  nach  der  Talsohle  abfallende,  durch  Rodung  gewonnene
Teil  einer  Alp  bezeichnet.  Infolge  veränderter  Kulturbedingungen  zeugen  heute
  fast  nur  noch  die  zahlreichen  Flurnamen  von  der  ursprünglich  weiten  Verbreitung
  in  einem  Gebiet  zwischen  dem  schweizerischen  Mittelland  und  dem
Alpenraum,  in  dem  größtenteils  von  Alemannen  gerodet  wurde.  In  diesen
Namen  kommt  Schwand  als  Simplex,  als  Bestimmungswort  (Schwand  -acker,
-ahnend,  -feld,  -gasse,  -moos,  -matt  etc.)  sowie  als  Grundwort  von  Komposita
vor;  letztere  sind  zusammengesetzt  mit  Personennamen  (Bsp.:  Dieplischwand
zum  Personennamen  Diepolt),  Tiernamen  (Bsp.:  Chüeschwand,  Gitzischwand),
  Baumnamen  (Bsp.:  Äschischwand,  Nüsslischwand),  lagebezeichnendem
  Bestimmungswort  (Bsp.:  Eggischwand,  Schöniseischwand)  oder  artbezeichnendem
  Bestimmungswort  (Bsp.:  Hellschwand,  Längschwand).  Neben
Schwand,  Schwann  und  Schwang  sind  Schwanden  f.,  Schwänd(e)  m./f.,  das
Diminutiv  Schwändli,  die  Kollektivbildungen  GLschwand  und  GL'schwänd  sowie
  die  Ableitung  Schwandung  f.  belegt.  Das  Verb  schwände"  meint  in  der
Wald-  und  Weidewirtschaft  die  Rodungsart,  bei  der  die  Rinde  des  Baumes
abgeschält  wird,  wodurch  dieser  abstirbt,  oder  das  Aushauen,  Lichten  des
Waldes  durch  Fällen  des  haubaren  Holzes  bzw.  Verbrennen  von  Buschwerk
(Hogan-Brun  1991,  176-181  und  333  Karte  1;  SchweizId  9,  1928-1949).
D. Im  Saar-Mosel-Raum  setzt  die  Überlieferung  der  Sc/mm^-Flurnamen  in
der  zweiten  Hälfte  des  15.  Jahrhunderts  ein.
Wie  die  Kartierung  der  Flurnamenbelege  (vgl.  Abb.  53)  zeigt,  hat  Schwand
im  Untersuchungsgebiet  einen  Verbreitungsschwerpunkt  im  östlichen  Saarland,
  das  Verbindungen  zum  Hunsrück  und  zur  Westpfalz  aufweist.  Belege
für  reines  Schwand  und  für  das  Grundwort  sind  fast  ausschließlich  hier  zu  finden.
  An  der  oberen  Saar  und  an  der  Eichel,  also  in  einem  oberrheinisch  beeinflussten
  Namenraum,4,9  ist  Schwand  als  Bestimmungswort  belegt,  ferner
Schwend  und  Schwandet.
Die  umlautlose  Form  Schwand  zeigt  im  Untersuchungsgebiet  durchweg
feminines  Genus.  Die  Belege  sind  daher  auf  ahd.  swanda  f.  zurückzufuhren.
Auch  der  Name  des  1292  in  einer  Originalurkunde  genannten  Siedlungsnamens
  Suanda  führt  auf  swanda  f.  zurück.  Aufgrund  der  Lagebezeichnung  in
vallis  colonie440  ist  Suanda  im  Köllertal  zu  suchen,  lässt  sich  jedoch  bisher

sierter  Variante  des  Grundwortes)  in  Oberwil  (CH,  Kt.  Basel-Landschaft),  vgl.:
Oberwil.  Ortsgeschichte  und  Ortsname  -  Flurnamen  der  Gemeinde  (Namenbuch
der  Gemeinden  des  Kantons  Basel-Landschaft;  Oberwil),  Stiftung  für  Orts-  und
Flurnamen-Forschung  Baselland,  Pratteln  2007,  42.
439  Vgl.  Kapitel  7.1.
440  LA  Sb  22/834,

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