Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

(1)  Airischwand,  Markt  Nandlstadt  (Lkr.  Freising):  775  in  silva
nuncupante  Archinswenti;
(2)  Heppenschwand,  Gde.  Höchenschwand  (Lkr.  Waldshut):  983  Heibenswanda\

(3)  Schwendt,  Gde.  Taufkirchen  an  der  Pram  (A,  Oberösterreich,  pol.  Bez.
Schärding):  1110/30  duo  predia  ...  et  ad  Suenta\
(4)  Gschwendt,  Gde.  Kottes-Purk  (A,  Niederösterreich,  pol.  Bez.  Zwettl):
ca.  1130  ad  Swenta,  1300  Geswent;
(5)  Schwand,  Gde.  Stadtsteinach  (Lkr.  Kulmbach):  1146  Suuantha;
(6)  Maschwanden  (CH,  Kt.  Zürich):  1189  or.  predium  Maswandon;
(7)  Rabenschwand,  Gde.  Oberhofen  am  Irrsee  (A,  Oberösterreich,  pol.
Bez.  Vöcklabruck):  12.  Jh.  Rabinswanc  mansus  /.,  De  Rabswant;
(8)  Schwanden  (CH,  Kt.  Glarus):  1240  or.  Henricus  de  Swando.
Wie  aus  den  historischen  Siedlungsnamenbelegen  hervorgeht,  ist  neben  den
für  das  Alt-  und  das  Mittelhochdeutsche  lexikographisch  erfassten  stark  flektierten
  Substantiven  ahd./mhd.  swant  m.  (a-Deklination)  und  ahd.  swendi/
mhd.  swende  f.  (/-Deklination)  ein  wohl  der  w-Deklination  folgendes  Femininum
  ahd.  swanda  mit  der  konkreten  Bedeutung  ,ein  durch  swenden,  Roden
des  Waldes  gewonnenes  Stück  Land1  anzusetzen,  das  in  den  Belegen  zu  den
Nr.  2  und  Nr.  5  im  Nominativ  Singular  (Heibenswanda,  Suuantha)  und  im  Beleg
  zu  Nr.  6  im  Dativ  Plural  (Maswandon)  steht.  Gestützt  wird  der  Ansatz  eines
  schwachen  Femininums  swanda  durch  die  Flurnamenbelege  aus  dem  Untersuchungsgebiet,
  bei  denen  die  umlautlose  Form  ausnahmslos  im  Femininum
  gebraucht  wird  (siehe  unten,  Abschnitt  D).
Als  Rodungswort4'6  deutet  Schwand  auf  die  Methode  der  Gewinnung  von
Kulturland  durch  das  Schwenden  hin,  „eine  langsame,  mehrere  Jahre  dauernde
Art  der  Waldbeseitigung  und  Bodengewinnung“  (WIESINGER  1994,  124).  Die
Bäume  wurden  bei  dieser  Rodungsmethode  durch  das  Abschälen  der  Rinde
und  der  daraus  resultierenden  mangelnden  Flüssigkeitszufuhr  zum  Absterben
gebracht  und  anschließend  entfernt,  verbrannt  oder  zum  Vermodern  liegen  gelassen.
  Schwand  hat  zunächst  wohl  nur  das  durch  Schwenden  urbar  gemachte
Land  bezeichnet,  während  es  später  ganz  allgemein  für  Rodeland  stand
(Debus/Schmitz  2004,  3500).
C. Im  Oberdeutschen  und  Alemannischen  ist  Schwand  weif  verbreitet.  Außerhalb
  dieses  Dialektraumes  kommt  es  seltener  vor.  Flurnamen  wie  Schwenn,
1495  in  der  swende  (JUNG  1985,  174)  und  Schwandwies  (Kehrein  1872,  549)
markieren  die  rechtsrheinische  Nordgrenze  der  Verbreitung  an  der  Lahn.  In
historischen  und  rezenten  Flurnamen  Südhessens  erscheint  das  Namenwort  ab

436  Rodungsnamen  kommen  äußerst  zahlreich  im  deutschen  Sprachgebiet  vor,  in  Norddeutschland
  allerdings  seltener.  Vgl.  die  Karte  Rodungsnamen  in  Deutschland  in:
Menke  1996,  1079.

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