(4) tSchachen bei Rosenau Dorf oder Rosenau Schloss (A, Niederösterreich,
pol. Bez. Zwettl): 1280 Schachen (SCHUSTER 3, 1994, 204).
Festzuhalten ist, dass Schachen die hochdeutsche Variante eines einst über
weitere Teile der Germania verbreiteten Wortes ist. Nur in diesem Lautstand
hat sich das in älterer Zeit vom Oberdeutschen bis in den niederdeutschen
Raum verbreitete Wort länger halten können. In der Flurnamenüberlieferung,
die meist nicht so weit zurückreicht wie die der Siedlungsnamen, kommt praktisch
nur die hochdeutsche Form vor (vgl. SCHNETZ 1997, 42 und unten, Abschnitt
C); ebenso verhält es sich mit den appellativischen Belegen, die nur in
oberdeutschen Dialekten erhalten sind (vgl. DWB 14, 1958f. und unten, Abschnitt
C). Aus den genannten Gründen ist Schachen als ein Reliktwort zu betrachten
und kann nur für die spätere Zeit des relikthaften Vorkommens im
Oberdeutschen als .Südworf bezeichnet werden.
C. Die Lautgestalt von Schachen weist im appellativischen Wortschatz sowie
in Flurnamen des deutschsprachigen Raums keinen großen Variantenreichtum
auf. Der Singular des durchweg als Maskulinum gebrauchten Wortes lautet
überall im Verbreitungsgebiet Schache(n), vereinzelt auch Schach (BadWb 4,
464f.; PfälzWb 5, 827f.; SchwäbWb 5, 640). Im bairischen und alemannischen
Mundartraum werden der Plural und die Verkleinerungsform umgelautet
(BadWb 4, 464f.; BayWb 2, 363; SchwäbWb 5, 640; SchweizId 8, 102).
In der Schweiz werden kleine Gehölze, einzeln stehende Waldstücke, kleine
Gruppen gleichartiger Bäume im Mischwald, Landzungen am Wasser und
dichtbewachsenes Uferland Schachen genannt; durch Kultivierung kann aus
solchem Uferland Pflanzland oder besiedeltes Land gewonnen werden, wobei
der Name Schachen erhalten bleibt (SchweizID 8, 102-108).
Im Schwäbischen ist der Schache eine allein stehende oder ins Feld hineinragende
Waldparzelle. Das Wort ist sowohl im appellativischen Wortschatz
als auch als Grund- und Bestimmungswort zahlreicher Flurnamen vertreten
(SchwäbWb 5, 640). Ebenso verhält es sich im bairischen Mundartraum; hier
wird die Bedeutung ,Stück Waldes, das einzeln steht; Waldrest1 angesetzt
(BayWb 2, 363).
BadWb 4, 464f. gibt als Bedeutung des Appellativs Schach(en) ,kleines
Wäldchen, Baumgruppe, Waldzunge4 an, ferner ,mit Schilfrohr bestandene
Niederung4 und ,eine durch Verjüngung gezogene junge Rebe im zweiten
Jahr4. Als Namenwort ist Schachen in Flur- und Siedlungsnamen belegt. Die
ältesten toponymischen Belege aus dem südlichen Schwarzwald und dem
Breisgau sind aus dem 14. Jahrhundert. Das Diminutiv lautet in der badischen
Mundart Schächle.
Im gesamten oberdeutschen Raum ist also Schachen als Appellativ gut belegt.
Auch für Schachen als Namenwort gibt es zahlreiche Nachweise (vgl.
Buck 1931, 230; Keinath 1951, 78; Vollmann 1926, 27). So nennt beispielsweise
Roos 1966, 317 für die Freiburger Bucht historische Schachen-376