hochdeutsche Interpretament scahon, Dat. PI. zu ahd. scah(h)o m. Das Wort
lebt im Mittelhochdeutschen in der Bedeutung ,einzeln stehendes Waldstück1
weiter, daher ist nach GLASER 1996, 230f. die Bedeutungsbestimmung im vorliegenden
Kontext schwierig. Die weitere etymologische Zuordnung des althochdeutschen
Substantivs lasse jedoch eine in den Zusammenhang passende
Bedeutung , Abhang4 möglich erscheinen, so Glaser.422
Mit ahd. scahho verwandt ist anord. skekill m. ,Kante, Zipfel; Landzunge4
(LÜHR 1988, 141; De Vries 1961, 488). Diese Wörter lassen sich zurückführen
auf idg. *skeg- (IEW 923),4'6 eine Auslautvariante zu idg. *skek- (LIV
55 1 f.). Zu idg. *skek- gehört z. B. auch ahd. gi-skehan geschehen4. Die ursprüngliche
Bedeutung der indogermanischen Verbalwurzel ist ,sich schnell
bewegen, springen, schütteln4;* 42 die Bedeutungsentwicklung zu ,Vorgebirge,
Landzunge4 erfolgt über eine Zwischenstufe ,vorspringen4 (,Berg, der vorspringt4
oder,Gelände, das vorspringt4).
Die Sippe um idg. *skek-/*skeg- lässt sich, z. T. mit grammatischem Wechsel
und in unterschiedlichen Ablautstufen, erweitern um aisl. skagi m. Landzunge4,
anord. skögr m. ,Wald4, aengl. sceaga m. ,Gebüsch4 (OREL 331; De
Vries 1961,497) sowie um das nur toponymisch belegte asächs. scaga, das in
westfalischen Siedlungsnamen vorkommt, z. B. Schagern bei Horstmar, Kr.
Steinfurt: 10. Jh. or. Scagahornon (Gysseling 893; Jellinghaus 153). Die
niederdeutsche Entsprechung von ahd. scahho liegt vielleicht vor im Namen
des nordhessischen Klosters Schaaken: 1198 Scaken (ANDRIEßEN 1990, 248).
In Siedlungsnamen des bairisch-alemannischen Raums ist Schachen früh
und reichhaltig überliefert. Exemplarisch seien einige davon genannt, zahlreiche
weitere nennen z. B. Förstemann II, 2, 749f., SCHUSTER 1989-1994 und
die Einzelbände des Ortsnamenbuches des Landes Oberösterreich:
(1) Schachen, Stadtteil von Lindau (Lkr. Lindau [Bodensee]): 834
Birscachim (FÖRSTEMANN II, 1,466);
(2) Rorschach (CH, Kt. St. Gallen): 850 in pago Arhonensi ... inter
Coldahun villam et Rorscachun situm (LSG 756);
(3) Schacher, Gde. Kirchheim im Innkreis (A, Oberösterreich, pol. Bez.
Ried im Innkreis): 1278, 1303 In Schachen (Ortsnamenbuch des Landes
Oberösterreich 2, 55);
4> Eine alternative Deutung des Interpretaments aus den Freisinger Glossen als kahon,
Dat. PI. zu kahl f. ,Eile4, beruht darauf, dass der Anlaut sc nicht völlig gesichert ist
(jedoch wahrscheinlicher als die Alternative k). Diese Deutung ist nicht ohne Zusatzannahmen
möglich, denn eine o-haltige Flexionsform zu einem /“-Abstraktum ist
sonst nicht belegt (Glaser 1996, 231).
42(1 Ahd. scahho geht auf die o-Vollstufe dieser Wurzel zurück.
42 So z. B. in aengl. sceacan ,schütteln (nengl. shake); eilen, Fortgehen, fliehen; hervorgehen4
(Holthausen 1974, 271).
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