Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

1360  uf  den  reben,  rezent  In  den  Reben  ,Rebberg'  in  hingen  (CH,  Kt.  Basel-Landschaft).418

Im  südwestdeutschen  Raum  ist  der  kollektive  Plural  Reben  ,Weinberg'
auch  in  urkundlich  belegten  Flurnamen  anzutreffen:  Der  Flurname  Rebgassen,
1542  Rebgaßenn,  aus  dem  Kaiserstuhl  bezieht  sich  auf  eine  Gasse  in  die  Reben,
  also  in  den  Weinberg  (Wenninger  1997,  103).  In  der  Freiburger  Bucht
(Breisgau)  dominiert  seit  dem  13./14.  Jahrhundert  Reben,  jedoch  hält  sich  daneben
  noch  in  einigen  Orten  die  Bezeichnung  Weingarten  (ROOS  1966,  306).
Eine  ähnliche  Beobachtung  macht  Puhl  2008,  460  in  Bezug  auf  das  Eisass:
Die  Durchsicht  der  ortsbezogenen  Regesten  zur  Geschichte  des  elsässischen
Weinbaus  von  Medard  Barth* 414  zeige  für  das  13.  bis  16.  Jahrhundert  Reben
als  vorherrschendes  Appellativ,  daneben  seien  aber  auch  Rebacker,  Rebstück,
Rebgarten  und  Rebland  belegt.  In  Barths  Material  sei  Weingarten  nicht  als
Appellativ  vertreten,  streue  aber  als  Flurname  über  das  gesamte  Eisass.
Wie  weiter  anhand  von  Flurnamenbelegen  aufgezeigt  werden  konnte,  hat
sich  unter  alemannischem  Einfluss  die  jüngere  Weinbergbenennung  Reben  bis
in  die  südwestliche  Pfalz  und  das  Saarland  ausgedehnt;  zwischen  Zweibrücken,
  Saarbrücken  und  Sarreguemines  /  Saargemünd  häufen  sich  Flurnamen
wie  In  den  Reben,  Reben-,  Rebberg,  -garten,  -acker,  -weg,  -klamm,  Wüstreben
usw.  (Christmann  1965,  191  [vgl.  auch  die  Abschnitte  A  und  D];  Zink  1923,
173:  „Im  alten  Bliesgau  steht  oft  Rebe  statt  Wein“).
D. Die  Überlieferungssituation  der  Pluralform  die  Reben  liefert  einen  anschaulichen
  Beleg  für  den  relativ  späten  wortgeographischen  Anschluss  des
Saar-Mosel-Raumes  an  das  Oberrheinisch-Alemannische.  In  dem  Bereich  des
Untersuchungsgebietes,  in  dem  das  Namenwort  belegt  ist,  setzt  die  urkundliche
  Überlieferung  von  Flurnamen  bereits  im  13.  Jahrhundert  ein.  Die  ältesten
/?eZ>e-Belege  des  Saar-Mosel-Raumes  gehören  jedoch  dem  14.  Jahrhundert  an
(vgl.  auch  PlTZ/SCHORR  2003,  99).
Die  ältesten  Belege  für  den  kollektiven  Plural  Reben  finden  sich  in
Sarrewerden  /  Saarwerden  (nach  1350)  und  in  Weiterswiller  (1361),  beide  im
sprachhistorisch  zu  Lothringen  gehörigen  sogenannten  Krummen  Eisass  gelegen,
  ferner  in  Kerprich-les-Dieuze  (1393)  und  in  Bliesmengen-Bolchen

zenbezeichnung  Rebe.  Der  Artikel  Rebe  in  WDW-CD  1  enthält  u.  a.  Dialektformen
für  den  kollektiven  Plural  in  der  Bedeutung  ,Weinberg',  die  ganz  vereinzelt  aus
dem  Rheinfränkischen  und  mit  großer  Beleghäufung  aus  dem  Alemannischen
kommen.
41  s  hingen.  Ortsgeschichte  und  Ortsname  -  Flurnamen  der  Gemeinde  (Namenbuch  der
Gemeinden  des  Kantons  Basel-Landschaft;  hingen),  Stiftung  für  Orts-  und  Flurnamen-Forschung
  Baselland,  Pratteln  2007,  28.
414  Medard  Barth:  Regesten  zur  Topographie  und  Geschichte  des  elsässischen  Weinberges
  (Der  Rebbau  des  Eisass  und  die  Absatzgebiete  seiner  Weine.  Zweiter  Band,
dritter  Teil),  Straßburg/Paris  1958,  13-165.

369
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.