Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

Bedeutung  angenommen  (Alanne  1957,  6).  Eine  weitere  Verbreitung  hat  der
Singular,  der  einzelne  Weinstöcke  bzw.  dessen  Triebe,  Wildreben  oder  die
Waldrebe  bezeichnet,  ln  dieser  Bedeutung  kommt  Rebe  auch  in  Bayern,  in  der
Pfalz,  in  Lothringen,  in  Südhessen  und  im  Rheinland  vor  (BayWb  2,  5f.;
DtLothrWb  406;  HNassWb  2,  794;  PfälzWb  5,  419f.;  RheinWb  7,  202f.;
SHessFln  756;  SHessWb  4,  1280f.;  Vielsmeier  1,  1995,  390).
PUHL  2008,  454  stellt  Wendungen  wie  in  den  Reben  schaffen,  die  Reben
hacken  etc.  zusammen,  die  sich  auf  die  Arbeit  des  Winzers  im  Weinberg  beziehen,
  aber  auch  appositionelle  Fügungen  wie  ein  Stück  Reben  oder  ein  Bletz
Reben.  Mit  der  Orientierung  an  der  Pflanzenbezeichnung  Rebe  stelle  sich  „die
oberrheinische  Winzersprache  in  einen  fundamentalen  Gegensatz  zu  den  übrigen
  Winzeridiomen  des  deutschen  Sprachgebiets  [...],  die  an  der  Kennung
Wein-  festhalten.“  (Puhl  2008,  462).
Als  Fachterminus  für  das  mit  Reben  bepflanzte  Stück  Land  -  den  Weinberg
also  -  gilt  der  Plural  Reben  am  Hoch-  und  am  Oberrhein  sowie  abseits  des
Flusslaufs  im  Schweizer  Seeland  und  an  der  schweizerischen  Rhöne/Rotten
im  Kt.  Wallis.  Die  nördlichsten  Belege,  die  WKW  Karte  29  nachweist,  liegen
linksrheinisch  im  elsässischen  Arr.  Guebwiller  (F,  Haut-Rhin)  und  rechtsrheinisch
  im  Lkr.  Rastatt.  In  diesem  Raum  ist  auch,  mit  größerer  Belegdichte,  das
Kompositum  Rebberg  verbreitet.414 416  Nach  Norden  hin,  entlang  des  Rheins  und
seiner  Zuflüsse,  sowie  im  Südosten  kommt  verstärkt  der  Ausdruck  Wingert
vor,  welcher  unter  den  Weinbergbezeichnungen  den  größten  Verbreitungsraum
  hat,  während  die  schriftsprachlich  gewordene  Bezeichnung  Weinberg
dialektal  auf  das  Ostmitteldeutsche  beschränkt  ist;41"  im  Österreichischen  gilt
Weingart(en)  (WKW  Karte  29).
Appellativische  Nachweise  für  den  kollektiven  Plural  Reben  ,Weinberg'
bieten  die  Wörterbücher  der  schwäbisch-alemannischen  Mundarten:  Das
BadWb  4,  215  fuhrt  ein  vor  allem  südbadisches  Vorkommen  und  ein  Nebeneinander
  von  Reben  und  Rebberg  an.  Nach  Auskunft  des  SchwäbWb  5,  197
gilt  der  kollektive  Plural  besonders  am  Bodensee.  Das  ElsWb  2,  218  sowie
das  SCHWEIZlD  6,  374l(1  verzeichnen  ebenfalls  Reben  in  der  Bedeutung  Weinberg'.41
  Auch  in  Flurnamen  begegnet  der  Plural  Reben  sehr  häufig,  z.  B.  a.

414  Nach  Alanne  1957,  7  konkurriert  Rebberg  im  Elsässischen  und  Schweizerischen
mit  Reben  im  Sinne  von  ,Weinberg'.
41'  Das  Durchsetzen  der  Bezeichnung  Weinberg  gegenüber  Konkurrenten  mit  größerem
  Geltungsareal  (Wingert,  Rebberg)  wurde  durch  deren  Verwendung  in  der  Lutherbibel
  begünstigt  (Besch  2001,  344f.).
416  Lokal  begrenzt  bezeichnet  hier  auch  die  Singularform  den  Weinberg  (SchweizId  6,
41;  vgl.  auch  Besse  2004,  30).  Zu  den  Weinbergbezeichnungen  in  den  Kantonen  St.
Gallen,  Graubünden,  Schaffhausen,  Thurgau  und  Zürich  vgl.  Weber  1949,  33f.
41  Das  Wörterbuch  der  deutschen  Winzersprache,  von  dem  bisher  vier  elektronische
Vorabversionen  erschienen  sind,  verzeichnet  zahlreiche  Belege  rund  um  die  Pflan-368

            
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