Bereits seit mittelhochdeutscher Zeit lässt sich der Plural Reben in der Bedeutung
,Weinberg, Rebland'410 nachweisen (DWB 14, 326), sowohl literarisch,
beispielsweise bei Konrad von Würzburg,411 als auch urkundlich: Die
im Wörterbuch der mittelhochdeutschen Urkundensprache auf der Grundlage
des Corpus der altdeutschen Originalurkunden bis zum Jahr 1300 erfassten
winzersprachlichen Ausdrücke reben PI. ,Rebland, Weinberg4, rebeacker
.Rebacker, Weinberg4, rebestücke ,Stück Rebland4 etc. sind im elsässischen
Département Haut-Rhin, im Raum Freiburg im Breisgau und in Zürich verbreitet
(WM U 2, 1412-1414).412
Die historische Verbreitung von Reben, Rebstück u. ä. (Simplex und Kompositum
werden in der Darstellung nicht unterschieden) als appellativische
Bezeichnungen für Weinberg und Weinbergsgüter vom 13. bis zum 15. Jahrhundert
beschreibt und kartiert KLEIBER 1980, 1 lf. und Karte 5: Um das Jahr
1400 gilt, wie eine Auswertung von Urbaren aus 1 14 südwestoberdeutschen
Skriptorien ergeben hat, am Oberrhein südlich einer Linie Weißenburg-Karlsruhe,
abgesehen vom Bodenseeraum, wo zu dieser Zeit entgegen der heutigen
Geltung von Reben noch Weingarten vorherrscht, ausschließlich Reben, Rebstück
u. a., nördlich und südöstlich davon das ältere, gemeingermanische (ahd.
wingarto, asächs. wJngardo, aengl. wïngeard, anord. vingardr, got. weinagards)
Wingert , Weingarten4, was aber jenseits des Sprachgebrauchs der Urbare
auf der Grundlage onomastischer Belege zu revidieren ist (Abschnitt
D).41’ Die Ausbreitung des alemannischen Wortes Reben wird als eine von
oberrheinischen Winzern getragene sprachliche Innovation interpretiert.
Auf Weinbautätigkeit verweisen der im 9. Jahrhundert erstmals erwähnte,
mit ahd. reba gebildete Name Repagowi, heute Marktgemeinde Regau im Bezirk
Vöcklabruck, Oberösterreich, sowie der zuerst im 11. Jahrhundert als
Rebedorf belegte Ortsteil Rebdorf in der Gde. Eichstätt, Oberbayern
(Förstemann 11, 2, 558).
C. Der kollektive Plural Reben , Weinberg4 ist als Appellativ und als Flurname
fast ausschließlich auf die alemannischen Mundarten beschränkt. Reben und
/?e6-Komposita herrschen ab dem 13. Jahrhundert gegenüber Weingarten vor.
In einigen alemannischen Mundarten hat der Plural generell die kollektive
4111 Die semantische Entwicklung verläuft von ,Schößling1 über ,Weinstock' zur ,Summe
der Weinstöckef also ,Weinberg4, vgl. Kleiber 1980, 1 lf., Weber 1949, 6 und 34.
411 Lied. 24,8: acker, wisen unde reben (Lexer 2, 356).
41 2 Zum Beispiel: allez min gut vn min eigen ...an holz vnd an velde, an reben vn an
wazzer; ein füder wines, daz vffen den selben reben wahset (WMU 2, 1412).
413 Vgl. auch MÜLLER 1960, 127f. und Karte 9: Komposita mit Rebe- und der kollektive
Plural Reben als Weinbergbezeichnungen seien Sonderentwicklungen des westlichen
und südlichen Alemannischen gegenüber Wingert / Weingarten des übrigen
deutschen Sprachgebietes.
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