Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

Munitesch  von  1556  angeführt.40  Das  Wort  hat  eine  weite  Verbreitung  und
wird  häufig  in  Redensarten  verwendet,  wo  der  Munni  Eigenschaften  wie  Hartköpfigkeit,
  Wildheit,  Streitlust  usw.  verkörpert.  Das  Diminutiv  Munneli  bezeichnet
  den  jungen,  gleichwohl  aber  starken  Stier'.  Daneben  wird  der  ^robe,
  zornmütige  Mensch',  aber  auch  der  ,sinnliche  Mensch'  Munni  genannt.
Auch  auf  Kleintierarten  (Kater,  Kaninchen)  sowie  auf  große,  rundliche  oder
schwere  Gegenstände  (Zimmermannshobel,  großer  Krug,  Lastschiff)  wird  der
Ausdruck  übertragen.  Ein  Berg  westlich  von  Liestal  (CH,  Kt.  Basel-Landschaft)
  trägt  den  Formnamen  Munni.
Ein  gleichlautendes  Wort  (mit  gleicher  Herkunft?)  ist,  meist  mit  anderem
Genus  (Femininum  oder  Neutrum,  nur  im  Rheinland  Maskulinum),  in  den
Mundartwörterbüchern  häufig  auch  als  Kosename  für  die  Katze  verzeichnet.
So  gibt  es  in  der  Mundart  Luxemburgs  ein  Nebeneinander  von  Munni  m.
,Zuchtstier'  und  Munni  f.  ,Katze'.  Letzteres  ist  auch  im  Saargau  bekannt
(Conrath  160).  In  den  Mundarten  Hessen-Nassaus,  Südhessens,  der  Pfalz
und  des  Rheinlands  hat  Muni  ausschließlich  die  Bedeutung  ,Katze'
(HNASSWß  2,  392;  SHessWb  4,  819;  PfälzWb  4,  1469;  RheinWb  5,  1411).
Verwandt  mit  Muni  m.  ,Zuchtstier'  -  vielleicht  aber  auch  eine  unabhängig
von  diesem  entstandene  onomatopoetische  Bildung  -  ist  Munnes,  ein  Mundartwort,
  das  im  Rheinland  als  Maskulinum  den  Stier  bezeichnet  und  in  Luxemburg
  als  Femininum  ein  Kosewort  für  die  Katze  ist  (LuxWb  3,  181;
RheinWb  5,  1411).
D.  Nach  Band  1  des  Atlas  linguistique  et  ethnographique  de  la  Lorraine
germanophone  (Philipp  1977,  Karte  258:  Taureau)  heißt  in  folgenden  Orten
des  deutschsprachigen  Lothringen,  die  zum  Untersuchungsgebiet  des  ASFSL
gehören,  das  männliche  Rind  Muni:  Niederstinzel,  Oberstinzel,  Saint-Jean-de-Bassel,
  Schalbach,  Vieux-Lixheim  /  Altlixheim  (c011  Fenetrange  /  Finstingen),
Arzviller,  Haselbourg,  Trois-Maisons,  Wintersbourg  (con  Phalsbourg  /  Pfalzburg),
  Brouderdorff,  Langatte  /  Langd,  Troisfontaines,  Walscheid  (con  Sarrebourg
  /  Saarburg).  DtLothrWb  372f.  verzeichnet  ein  mundartliches  Vorkommen
  u.  a.  in  folgenden  lothringischen  Gemeinden:  Vibersviller  (con  Albestroffj,
  Phalsbourg  /  Pfalzburg,  Metting  (con  Phalsbourg),  Reding  (con  Sarrebourg
  /  Saarburg).  Wie  die  Kartierung  der  Flurnamenbelege  des  Untersuchungsgebietes
  (vgl.  Abb.  50)  zeigt,  deckt  sich  das  toponymische  fast  vollständig
  mit  dem  appellativischen  Vorkommen.  Dies  liegt  daran,  dass  es  sich
bei  den  Flurnamenbelegen  vorwiegend  um  rezentes  Material  handelt,  das  wenig
  über  die  früher  möglicherweise  weitere  Verbreitung  von  Muni  aussagt.
Die  Flurnamen  munnislach,  rezent  Minislech,  sowie  Munnimott  und
Munnimattkraawe  in  Gosselming  (con  Fenetrange  /  Finstingen)  liegen  genau

4(1  Es  stellt  sich  jedoch  die  Frage,  ob  hier  -  wenn  es  überhaupt  ein  Name  deutschen
Ursprungs  ist  -  nicht  eher  an  einen  Personennamen  zum  Stamm  *muni-  (Förstemann
  1,  1136-1138)  zu  denken  ist.

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