Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

D. Wie  die  Kartierung  der  Flurnamenbelege  (vgl.  Abb.  49)  und  die  Interpretation
  der  arealen  Verbreitung  zeigt,346  kommt  Matte  im  Untersuchungsgebiet  in
großer  Dichte  im  südlichen  und  östlichen  Teil  des  Départements  Moselle
-  saarabwärts  bis  Sarreguemines  /  Saargemünd  -  und  im  sogenannten  Krummen
  Eisass  vor.  Damit  hat  Matte  als  Name  noch  eine  etwas  weiter  nach  Norden
  reichende  Ausbreitung  als  das  im  DiWA  kartierte  und  in  den  Dialektwörterbüchern
  beschriebene  Appellativ.
Der  nördlichste  der  kartierten  Belege  befindet  sich  in  Nennig:  1456  or.  dt.
die  wiesen  gelegen  in  hotten  matt  (LHA  Ko  54  B  561).  Es  handelt  sich  um  eine
  Wiese,  deren  Erträge  dem  Amtsboten  zustanden.  Wegen  der  auffälligen
Lage  des  Flurnamens  deutlich  außerhalb  des  sonstigen,  relativ  geschlossenen
Verbreitungsgebietes  ist  vielleicht  auch  mit  einer  Zugehörigkeit  zu  westgerm.
*mæpa-  ,Mahd4  zu  rechnen,  zumal  die  Graphie  (tt)  auch  auf  einen  Langvokal
folgen  kann.  In  wenigen  weiteren  Belegen  außerhalb  des  sich  in  der  Kartierung
  deutlich  abzeichnenden  Verdichtungsraumes  kommt  Matte  als  Grundwert
  amtlicher  Flurnamen  vor  (Mégange:  Pres  grossmatf,  Metzeresche:
Gaadematt  ['ga:domat]).  Ferner  sind  hier  einige  historische  Flurnamen  mit
Matte  gebildet:  Leidingen  1451  kop.  1679  dt.  an  der  kuwematten  (AD  Mos  H
466);  Primsweiler  1598-1783  dt.  die  thirl,  von  der  matt  kommend  (GEB);397
Freistroff  1  730  or.  frz.  aboutit  sur  lang  mathen  parch  ou  hlesers  parch  (AD
Mos  4  E  182).  Diese  nördlich  des  Gebietes  mit  starkem  Matte-Vorkommen
verstreut  auftretenden  historischen  Belege  sind  relativ  jung  bzw.  kopial  überliefert,
  gehören  also  nicht  zur  ältesten  Schicht,  sondern  sind  auf  jüngere,  jedoch
  immerhin  bemerkenswerte  Zuwanderung  zurückzuflihren.  Das  zeigt
auch  die  geographische  Verteilung  der  Frühbelege  bis  1350:  Diese  beschränken
  sich  auf  das  Gebiet  des  Krummen  Eisass  und  des  obersten  Saartales.
Matte  hat  im  südlichen  Saar-Mosel-Raum  ein  hohes  Alter  und  gehört  hier
zur  ältesten  Überlieferungsschicht.  Die  ältesten  historischen,  original  überlieferten
  Belege  finden  sich  im  Raum  um  Sarrebourg  /  Saarburg:
Fraquelfing  (con  Lorquin  /  Lörchingen):  1238  stigelmate  (Bestimmungswort:
  ahd.  stiagil,  stiagal  m.  ,Stufe,  Sprosse1  bzw.  ahd.  stigilla  f.  ,Stiege,
Übersteigbrett4  [AhdWbSchÜTZEICHEL  271];  toponymisiert  in  der  Bedeutung
  Vorrichtung  zum  Übersteigen  einer  Hecke  oder  eines  Zauns4);398
Hesse  (con  Sarrebourg):  1259  hreitemate  (Bestimmungswort:  Adjektiv  breit)',
Abreschviller  /  Alberschweiler  (con  Lorquin):  1260  kreychmathe  (Bestimmungswort:
  Verschreibung  für  ahd.  kreiz  ,Umkreis,  Bezirk4);

Vgl.  dazu  auch  Schorr  2000,  41f.  und  66  Karte  8.
4  Thirl  =  Flussname  Theel,  vgl.  den  zugehörigen  amtlichen  Flurnamen  Im  Bruch  auf
die  Theel.
398  Vgl.  SHf.ssFln  896  mit  semantisch  entsprechenden  Bildungen,  z.  B.  1688
Stigelwieß,  rezent  In  den  Stiegelwiesen.

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