Regierungsbezirk Aurich: 10. Jh. Bredonmadun (< germ. *braida- ,breit' +
mcedwum, Dat. PL); 10. Jh. Middilmadun (< germ. *middila- ,mittelst' +
mcedwum, Dat. PI.).389 Niederländische, bis zum Jahr 1200 belegte Toponyme
verzeichnen auch Künzel/Blok/Verhoeff 488 (Register): Sie setzen als
Ausgangsformen anl. made, mede und meda ,Heuwiese' an.390 Die zugrundeliegenden
Wörter kommen zur Erklärung von obd. Matte nicht in Frage.
C. Matte ist heute als Wort und als Flurname nur im alemannischen Dialektraum
verbreitet (Bach II, 1,378; DWB 12, 1761-1763; Schnetz 1997, 64).391
Die heutige Wortgrenze zeigt sich in DlWA, Karte 549 ,Wiese'. Matte gilt im
ganzen Oberrheingebiet: Rechtsrheinisch gehört der südwestliche Teil des
Landes Baden zum Matte-Gebiet. Die Grenze zum Wiese-Gebiet verläuft jenseits
einer Linie Rastatt, Baden-Baden, Freudenstadt, Wolfach, Triberg im
Schwarzwald, Titisee-Neustadt, Waldshut-Tiengen. Linksrheinisch gilt Matte
bis zu einer Linie Sarralbe, Sarrebourg / Saarburg, Ribeauville / Rappoltsweiler,
Thann, Ferrette, also im südlichen Lothringen, im Krummen Eisass
und fast im gesamten Unter- und Obereisass.
Eine ausführliche Beschreibung der Wortgeographie von Matte nach den
Materialien des Wenkeratlasses gibt MÜLLER 1931, 167-174. Auch die Lautformen
wurden hier analysiert. Der Vokal der Stammsilbe wird meist mit (a)
wiedergegeben. Die (o)-Graphien des Unterelsasses bezeichnen das dort übliche
velare a. Matte wird in den Fragebögen unter Einfluss der neuhochdeutschen
Orthographie gewöhnlich mit (tt) geschrieben, häufig aber auch mit
(dd), das dem tatsächlich gesprochenen Laut näherkommt; seltener sind
Schreibungen mit (t) und (d). Die Endung ist am häufigsten (e), im südlichen
Eisass und im südlichen Baden (a), selten auch (ä). Diese Endungen gehen auf
den schwachen Akkusativ auf -en zurück:19' Nach LEXER 1, 2060 ist mat(t)e
sowohl stark als auch schwach belegt. Eine Verbreitungskarte Matte/Wiese,
die auch die südlich des Erhebungsgebietes des Wenkeratlasses gelegenen
Gebiete umfaßt, findet sich bei Maurer 1965, 17 Karte 13. Ebd., 41 ist auch
die von Wolfgang Kleiber gezeichnete namengeographische Karte 26 mit
Flurnamen aus den oberrheinischen Urbaren des 14. Jahrhunderts abgedruckt.
Eine Auswertung der Urbare hat ergeben, „dass die Grenze Matte!Wiese im
389 Gysseling 186 und 697.
'4(l Der Ansatz bei Künzel/Blok/Verhoeff ist, wie hier notiert, ohne Kennzeichnung
der Vokalquantität. Man muss sicher von Formen mit Vokallänge ausgehen, welche
im zitierten Werk jedoch nicht systematisch gekennzeichnet wird.
391 Zur Toponomysierung der hier wegen des in Abschnitt B Ausgeführten nicht weiter
zu berücksichtigenden mnd. mäde, mede und mät vgl. WestfFlnAtl Nr. 41, S.
201 f., ferner Falkson 2, 2000, 538 und Scheuermann 1995, 136.
142 Im Wenkersatz Nr. 40 („Ich bin mit den Leuten da hinten über die WIESE ins Kom
gefahren.“) steht das Wenkerlemma im Akkusativ.
353