aus dem Elsässischen (WMU 2, 1201 fl). Im Rechtssinne ist die Matte eine
Wiese, von der Heuzehnt geleistet wird (DRW 9, 364f.). Im Althochdeutschen
kommt das Wort in der Zusammensetzung matoscreg(h) m. ,Heuschrecke“377
bei Notker von St. Gallen vor (AhdWbSchüTZEICHEL 208; Splett I, 2, 604),
ferner in dem Toponym Mattenweg (inde in then Matten uueg) , Wiesen weg“
in der Hammelburger Markbeschreibung, die in einer Abschrift aus dem 9.
Jahrhundert überliefert ist (ChWdW9 572).
Im Westgermanischen finden sich weitere Lexeme, die wie Matte auf die
Wurzel *h2mehr ,mähen“ zurückzuführen sind. Unterschiede im Vokalismus, in
der Stammbildung und in der Semantik erfordern den Ansatz mehrerer Etyma:378
Typ 1: Bildungen mit Suffix vorgerm. -twö- in der Bedeutung ,zu mähende
Wiese“. Hier sind zwei ablautende Untertypen zu unterscheiden:
Typ La: Formen mit Kurzvokal (westgerm. *madwö)\
Typ lb: Formen mit Langvokal (westgerm. *mcedwö).
Typ 2: Bildungen mit -/o-Suffix in der Bedeutung ,Mahd; das Mähen, Heuernten,
Heu, Wiese“ (westgerm. *mcepa-, z. B. in ahd. mäda, mhd.
mät n./f., aengl. mcep n., afries. meth).
Das Altsächsische vertritt mit mäd f. ,Matte, Wiese“ den Typ lb und mit
mätha f, ,Wiese“ den Typ 2; es gibt jeweils nur toponymische Belege (Holthausen
1954, 49f.).
Mnd. mäde und mede f. ,Heuland, Heuwiese“ (MndHdWb II, I, 884 und
930) werden vom WestfFlnAtl Nr. 41, S. 201 wohl wegen des alten Langvokals
mit Mahd (Typ 2) verglichen. Jedoch können die mittelniederdeutschen
langvokalischen Formen mit inlautendem d lautgesetzlich nicht nur auf *mcepa-(Typ
2), sondern auch auf *mcedwö (Typ lb) zurückgehen (MndGr §§ 317-319).
Es kommen also sowohl Typ 2 als auch Typ lb in Betracht. Da das Altsächsische,
wie oben dargestellt, diese beiden Typen fortsetzt, kann für das Niederdeutsche
keine der beiden Möglichkeiten ausgeschlossen werden. Fraglich ist
die Etymologie von mnd. mät ,Wiese, Heuwiese“, das nur im westlichen Westfalen
belegt ist (MndHdWb II, 1, 923). Vielleicht hat hier im Westfälischen eine
Entwicklung stattgefunden, die auch für das Niederländische beschrieben
wurde: Den Ursprung von mnl. mäte, einer südöstlichen Form, vgl. MnlWb 4,
1224, sieht Rentenaar 1972, 301 in einer endungslosen Nominativform, die
der Auslautverhärtung unterlag. An diese konnte zunächst in den obliquen Kasus
und dann auch im Nominativ das e-Flexiv antreten.1 l)
Zur Änderung des Ausgangswortes matschrecke zu Heuschrecke und häustaffel in
den Handschriften der elsässischen .Legenda aurea“ vgl. Kunze 2003, 2817 und
Karte 189.5.
378 Vgl. hierzu auch Steinhäuser 1952, 82f.; WestfFlnAtl Nr. 41, S. 201 f.; Kluge
546; Pfeifer 849.
' ; Zu weiteren Deutungsmöglichkeiten für mnd. mät, das durch westf. mäte f. (West-350