Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

In  der  bairischen  Mundart  bezeichnen  Klamm  f.  und  Kläm  (Geklümml)  n.  eine
  Bergspalte  oder  Bergschlucht,  meist  mit  einem  dauerhaften  oder  nur  nach
Regentallen  sich  bildenden  Rinnsal  (BayWb  1,  1329;  VOLLMANN  1926,  22).368
Im  Wörterbuch  der  bairischen  Mundarten  in  Österreich  wurde  der  Buchstabe
  K-  noch  nicht  publiziert;364  Das  Tirolische  Idiotikon  registriert  aber  Klamm
m.  ,Bergspalte,  Schlucht4  mit  appellativischen  Belegen  seit  dem  15.  Jahrhundert
  (SCHÖPF/HOFER  319f.).  Das  Wörterbuch  der  Tiroler  Mundarten  verzeichnet
  Klamme,  Klamm  f.  ,Felskluft,  Bachklamm4,  mit  Hinweis  auf  den  rezenten
Flurnamen  bei  Lüsen  klqmmst  (SCHATZ  1,326).
In  der  Schweiz  erscheint  Chlamm  m.  ,Name  einer  Talenge4;  Das  Wort  ist
bei  Zürich  appellativisch  in  Gebrauch.  Eine  Sonderentwicklung  zeigt  Chlamm
m.  ,Geleise  in  der  Strasse4  im  Kt.  Bern  bei  Oberemmental  (SchweizId  3,
643T).  SchweizId  3,  1266  verzeichnet  außerdem  Lamm  ,Wasserschlucht4
(wahrscheinlich)  als  eine  Nebenform  zu  Chlamm.  Klamm  ist  also  in  der
Schweiz  nicht  in  der  Bedeutung  ,Bergspalte4  lebendig,  im  Gegensatz  zum
Bairisch-Österreichischen  und  angrenzenden  Mitteldeutschen  sowie  zum  Elsässischen
  und  Schwäbischen.'  11
D. Das  Namenwort  ist  im  Untersuchungsraum  sowohl  als  Femininum  -  in
Bühl  (Saarburg)  1309  or.  lat.  vf  der  glamin  -  als  auch  als  Maskulinum  -  in
Böckweiler:  1564  kop.  ca.  1564  dt.  der  ormhacher  glame  -  anzutreffen  (vgl.
Abschnitt  B).  Als  Simplex  und  Grundwort  kommt  Klamm  (im  Saarland  mehrfach
  glam)  auch  in  historischen  Flurnamen  vor:  Die  Überlieferung  setzt  in  der
ersten  Hälfte  des  14.  Jahrhunderts  ein,  vgl.  in  Bühl  (Saarburg)  1309  or.  lat.  vf
der  glamin.  Die  -e/7-Formen  sind  als  Pluralbildungen  zu  interpretieren.  Die
mit  Klamm-  als  Bestimmungswort  zusammengesetzten  historischen  und  rezenten
  Flurnamen  können  unter  Vorbehalt  auch  zu  mhd.  klam  Adj.  ,eng,
dicht;  knapp,  zu  wenig4  (LEXER  1,  1603)  gezogen  werden  und  die  Geländeform
  bzw.  die  Bodenqualität  bezeichnen.  '  1
Das  Wort  steht  im  Saar-Mosel-Raum  in  Konkurrenz  zu  westmoselfränkisch
Grät  (Namenartikel  Nr.  12)  sowie  zentralsaarländisch  Humes  und  seine  ursprüngliche
  Westgrenze  als  Appellativ  fällt  mit  der  Grenze  von  Grät  zusammen.'
  "  ZINK  1923,  138  geht  von  einem  Verbreitungsschwerpunkt  im  ehemals
Zweibrückischen  Gebiet  aus,  was  wohl  eher  einer  vorwiegend  pfälzischen
Perspektive  geschuldet  und  nach  dem  Kartenbild  (vgl.  Abb.  48)  nicht  mehr

6X  Zu  oberdeutschen  Flurnamen  vgl.  Buck  1931,  138.
'f’11  Publikationsstand  Anfang  2009:  A,  B,  P,  C  sowie  Teile  von  D  und  T.
'  0  Dieser  im  Schweizerischen  nicht  lebendige  Gebrauch  des  Wortes  hat  andererseits  in
schwed.  klämma,  hergklämma  seine  genaue  Parallele,  vgl.  Rosenfeld  1950,  69.
Vgl.  auch  Kolb  1957,  12,  Fußnote  1.
371  Vgl.  Jung  1985,  103.
372  Schorr  2000,  38f.;  Bauer  1957,  267f.

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