Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

Vries  1961,  274).  Lehnwort  aus  dem  Mhd.  ist  frz.  hover;  die  Belege  tur  dieses
  Wort  stammen  vorwiegend  aus  den  Vogesen  (FEW  16,  235).
Als  Bezeichnung  tur  ,Buckel,  Höcker'  ist  das  Wort  früher  (ahd.  hovar  ab  9.
Jahrhundert)  und  besser  bezeugt  als  das  seit  dem  12.  Jahrhundert  auftretende,
standardsprachlich  gewordene  Synonym  Höcker.  In  oberdeutschen  Quellen
hält  Hofer  sich  bis  zum  16.  Jahrhundert  {DWB  10,  1664;  KLUGE  416  s.  v.  Höcker,
  Pfeifer  548f.  s.  v.  Höcker,  Weigand  1,8  76).355
C. Da  Hofer  sich  nur  im  Oberdeutschen  länger  gegen  Höcker  behaupten  konnte
  -  zu  diesen  beiden  tritt  ab  dem  15.  Jahrhundert  in  ähnlicher  Bedeutung  noch
Buckel  m.  hinzu  {Pfeifer  180)  stammen  appellativische  Belege  in  erster
Linie  aus  diesem  Raum.  Die  Belege  gehören  durchweg  älteren  Sprachstufen
an  oder  sind  singulär.
Flurnamenbelege  für  Hofer  bzw.  Howert  in  der  übertragenen,  hier  interessierenden
  Bedeutung  ,Bodenerhebung,  Hügel'  finden  sich  kaum;  auch  die
DWA-Karte  ,Hügel'  verzeichnet  kein  Vorkommen.
In  der  Schweiz  bedeutet  (allerdings  nur  singulär  belegtes)  Hofer  m.  Buckel';
  als  Synonym  wird  Hoger  (entspricht  nhd.  Höcker)  genannt  (SCFIWEIZlD
2,  1042).
In  der  älteren  schwäbischen  Mundart  bezeichnete  Hofer  m.  den  Höcker  am
Menschen  oder  am  Tier.  Das  Wort  wurde  auch  als  Synonym  für  das  allgemeiner
  verbreitete  Wort  Buckel  gebraucht:  1648  Hab  uff  der  rechten  Seyten  an
der  Huft  ein  Hofer  oder  Buckhel.  Ausgestorben  sind  das  Adjektiv
hofere(ch)t  ,höckrig,  bucklig'  und  das  Kompositum  Hoferfalke  ,Höckerfalke'
(SchwäbWb  1,  1500-1502  und  3,  1739L).
Wie  im  Schwäbischen  ist  Buckel  auch  in  der  bairischen  Mundart  das  gebräuchliche
  Wort  für  den  gekrümmten  Rücken  oder  den  Rücken  überhaupt.
Die  ältere  Sprache  hatte  daneben  noch  das  Maskulinum  Hoffer  ,Höcker'  sowie
  das  Adjektiv  hofrecht,  hofret  ausgewachsen,  bucklig'.  Als  schriftdeutsches
  Wort  für  Buckel  wird  Höcker  im  Bayerischen  Wörterbuch  interpretiert
(BayWb  1,206,  1050  und  1063).
In  Osttirol  ist  Houfer  m.  als  Flurname  die  Bezeichnung  für  einen  waldigen
Hügel  (Schatz  1,  299).
Auch  im  Eisass  ist  das  Wort  in  der  älteren  Zeit  belegt.  Es  hatte  die  Form
Hoffer  und  bezeichnete  den  Buckel,  war  jedoch  zur  Entstehungszeit  des  Wörterbuchs
  der  elsässischen  Mundarten  Ende  des  19.  Jahrhunderts  bereits  ausgestorben.
  Üblich  ist  auch  hier  das  Maskulinum  Buckel  (ElsWb  1,  308  und  2,
30;  FEW  16,  235).
Im  Deutsch-Lothringischen  kommt  das  Maskulinum  Howert  in  der  Bedeu-Die

  genannten  Bezeichnungen  für  ,Buckel,  Höcker'  stellen  sich  zu  unterschiedlichen
  Erweiterungen  der  indogermanischen  Wurzel  *keu-  ,biegen':  Hofer  geht  auf
eine  Labialerweiterung,  Höcker  auf  eine  Gutturalerweiterung  zurück  (LIV  357-359;
Pfeifer  548f.;  IEW  588-590).

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