Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

ln  einigen  Gemeinden  des  elsässischen  Arr.  Wissembourg  /  Weißenburg
und  in  einer  Gemeinde  im  Arr.  Haguenau  ist  Hatsch  m.  (mda.  hats,  hèts)  die
Bezeichung  für  ,Eber,  Zuchteber,  männl.  Schwein4;  das  Kompositum
Hätschenfriddel  bedeutet  ,Schweinehirt4.  Die  Hetschenmatt  in  einer  Gemeinde
  im  Arr.  Wissembourg  ist  eine  Wiese,  die  früher  wahrscheinlich  im  Gemeindebesitz
  war  und  dem  Halter  des  (Gemeinde-)Ebers  zur  Verfügung  stand
(ElsWb  1,392  und  735).
Ebenfalls  in  Lothringen,  in  Gemeinden  des  Arr.  Sarreguemines  (Bitche,
Sarreguemines  /  Saargemünd,  Volmunster)  und  des  Arr.  Sarrebourg  (con  Fénétrange
  /  Finstingen:  Fleisheim,  Gosselming;  con  Phalsbourg  /  Pfalzburg:  Metting;
  Sarrebourg  /  Saarburg)  steht  Hatsch  m.  (mda.  hèts)  für  ,männl.  Schwein,
Zuchteber4  (DtLothrWb  232).
Am  Südrand  der  Pfalz  und  in  der  Südostpfalz  ist  Häddsch  die  mundartliche
Form  zum  standardsprachlichen  Wort  Eher  (POST  1992,  146;  vgl.  auch  HEE-GER
  1902,  16).  Laut  PfälzWb  3,  692f.  kommt  auch  in  der  Südwestpfalz
Hätsch  m.  ,männliches  Schwein,  Eber4  vor.  Historisch  ist  das  Appellativ  1669
belegt:  daß  er  den  ihm  zugestellten  Heischen  ...  deß  Jahrs  halten  soll  Vor  3  fl.
Ferner  werden  die  Interjektion  hätsch  als  Scheuchruf  für  das  Schwein,  die  Zusammensetzung
  Hätschen-halter  sowie  der  Flurname  Hätschen-acker  in  Erfweiler
  (Lkr.  Südwestpfalz)  genannt.
RheinWb  3,  301  nennt  für  Dirmingen  (Gde.  Eppelborn,  Lkr.  Neunkirchen)
die  Interjektion  hätsch  als  Lock-  und  Scheuchruf  für  das  Schwein.  Als  Lockruf
  und  Kosename  für  andere  Großtiere  kommt  Hätsch  im  Hunsrück  vor.
Mit  Hätsch  zu  vergleichen  ist  ehemaliges  hessisches  Hätsch  n.  ,von  der
Kuh  entwöhntes  Kalb4  (CRECELIUS  462;  PFISTER  108;  VILMAR  176).  Der  im
Südhessischen  Flurnamenbuch  genannte  Flurname  neben  der  ...  hetzbacher
wießen  von  1767,  der  sich  auf  den  Siedlungsnamen  Hetschbach  (Gde.  Höchst
i.  Odw.)  bezieht,  gehört  nicht  hierher,  da  die  alten  Siedlungsnamenbelege  eher
auf  einen  Personennamen  im  Bestimmungsteil  schließen  lassen  (MÜLLER
1937,324;  SHessFln  492).
D. Mit  Hätsch  gebildete  Flurnamen  kommen  im  Saar-Mosel-Raum  diesseits
der  Sprachgrenze  in  geringer  Zahl  und  relativ  verstreut  vor.  Sie  verteilen  sich
auf  das  Département  Moselle,  das  südliche  Saarland  und  den  westlichen  Teil
des  Départements  Bas-Rhin.  Der  äußerste  Norden,  Osten  und  Süden  bleiben
ausgespart.
Bildungen  mit  den  Grundwörtern  Acker,  Driesch  und  Matte  beziehen  sich
auf  vom  Halter  eines  Ebers  genutztes  Weideland.  So  handelt  es  sich  z.  B.
beim  Lellinger  Hetschdriesch  um  eine  kleine  Lichtung  im  Wald,  zu  welcher
vermutlich  der  Eber  zur  Nahrungsaufnahme  geführt  wurde.  Bei  den  Hetsch-323


            
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