Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

Für  die  schwäbische  Mundart  weist  SchwäbWb  3,  406f.  das  Neutrum
G(e)reut(e)  ,Platz,  wo  Wald  gerodet  worden  isf  nach.  Seine  Belege  für  das
Appellativ  zeigen  diverse  Graphien  für  diphthongierte  und  nichtdiphthongierte
Vokalvarianten.  Das  Wörterbuch  führt  ferner  eine  große  Anzahl  von  Flurnamen
  auf,  darunter  Simplizia  und  Komposita  mit  Gereute  als  Grund-  und  Bestimmungswort.
  Die  häufigsten  Varianten  sind  Greuth  (111-mal),  Greut  (103-mal)
  und  Gereuth  (30-mal).
Flurnamen  zum  Kollektiven  Gereute  im  oberdeutschen  Raum  sind  ferner
nachgewiesen  bei  Buck  1931,216,  Keinath  1951,  86f.,  Vollmann  1926,  38.
Das  BayWb  2,  181  verzeichnet  Gereut  n.  als  Appellativ  und  Toponym  und
nennt  ferner  die  Schreibvarianten  Kreut,  Kreuth,  Kraith.
Als  österreichischen  Rodungsnamen  nennt  WiESINGER  1994,  119  ein  Entrundung
  zeigendes  Kollektivum  Greit(h).
Keinen  appellativischen  Nachweis  für  das  Kollektivum  Gereute  bietet  das
Schweizerische  Idiotikon.  Wenigstens  in  der  Nordschweiz  muss  es  aber  existiert
  haben,  da  Unterrüti  im  Kt.  Aargau  im  11.  Jahrhundert  zunächst  als  Gruti
belegt  ist  (siehe  oben,  Abschnitt  B).  Das  LSG  verzeichnet  für  die  Schweiz
mehrere  Siedlungsnamen  zu  ahd.  riuti,  nicht  jedoch  zu  giriuti.
D. In  Flurnamen  des  Saar-Mosel-Raumes  ist  das  Rodungswort  in  mehreren
Lautvarianten  in  einem  relativ  waldfreien  Raum  zwischen  Deutscher  Nied,
oberer  Saar  und  unterer  Blies  verbreitet.  Sie  befinden  sich  somit  in  einem
Flurnamenraum,  der  von  SCHORR  2000  (48-51  und  Karte  21)  definiert  wird
mit  dem  Vordringen  von  sprachlichen  Formen  aus  der  Pfalz  in  westlicher
Richtung  entlang  der  Altstraße  von  Worms  nach  Metz  in  den  Saarbrücker
Raum  und  der  daher  von  ihm  Pfalzkeil  genannt  wird.  Wegen  dieses  Vordringens
  von  der  Pfalz  her  finden  sich  im  südlich  anschließenden  sogenannten
Krummen  Eisass  keine  Belege.  Häufig  gehören  Flurnamen  im  Pfalzkeil  in
oberdeutsche  Zusammenhänge,  vgl.  die  Darstellung  bei  SCHORR  2000,  48-51.
Der  Lautstand  der  Belege  ist  meist  der  vor  Eintritt  der  neuhochdeutschen
Diphthongierung,  also  Gerüte.  Gelegentlich  wird  der  Umlaut  nicht  bezeichnet,
so  beispielsweise  im  Bierbacher  gerude.  In  den  Mundartbelegen  von
Freybouse  und  Webenheim  sowie  im  Bierbacher  (Einöder)  historischen  Beleg
geraidt  und  im  Dativ  Plural  geravten  in  Differten  zeigt  sich,  den  mundartlichen
  Verhältnissen  des  Raumes  entsprechend,  Entrundung  der  diphthongierten
  Form  Gereute.  Ebenfalls  Entrundung,  jedoch  von  Gerüte,  findet  sich  in
einigen  jüngeren  historischen  und  in  rezenten  Belegen  zwischen  der  Deutschen
  Nied  und  der  oberen  Saar:  Diese  Flurnamen  haben  als  Stammsilbenvokal
  ein  langes  i,  meist  <ie>  geschrieben.  Da  diese  Namen  nicht  in  allen  Fällen
eindeutig  Gerüte  zuzuordnen  sind,349  jedenfalls  aber  einer  jüngeren  Überliefe¬,4V

  Alternative  Deutungsmöglichkeiten  wären  mhd.  gerihte  Adj.  ,gerade*  und  in  Einzeifällen
  vielleicht  auch  mhd.  gerihte  n.  ,Gericht4,  jedoch  nur  unter  der  lautlichen
Voraussetzung  eines  mittelfränkischen  Schwundes  von  h  in  der  Verbindung  /xt/  und
320
            
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